Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 51)
- Language
- German
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Tagebuch einer Paläslinafahrt. 45 «licht sehr angenehm berührt sind, wenn so ein Schiff mit einem neuen halben Tausend Juden ankommt. Er benahm sich aber doch einwandfrei, wenn er auch heute unseren Kapitän fragte: (französisch) „Gibt es noch viele Juden bei Ihnen?“ — Er wiegte sich vermutlich in der Hoffnung, dies wäre schon die letzte Reserve. Er wird schwer enttäuscht sein und er wird, wenn er sein Leben lang Quarantänedienst macht, nicht aufhören können, solche Judenschiffe zu empfangen... Heute kam dann die eigentliche Revisionskommission, mit den Vertretern des zionistischen Immigrationsamtes und da wurde schon hebräisch amtiert (der junge Engländer, Leiter der Kommission, sprach allerdings nur englisch). Zuerst grosser Schrecken: die beiden „Gerim“, die (ich weiss nicht, ob ich das schon erwähnte) die Reise schon zum zweiten Male machen, wurden neuerdings (vom Engländer) zurückgewiesen. Alles war bestürzt. — Mit den anderen ging es leicht, ohne allen Anstand. Schliesslich nahm sich Dr. W. zusammen, als alle nach getaner Arbeit im Salon sassen, und hielt dem Direktor (das ist der Engländer) einen grossen englischen „speech“ mit Zitaten aus Tolstoi u. s. w. und die Gerim konnten passieren. Levi und Jeschajahu (so nennen sich Ivan und Nikolai jetzt) waren selig und alle, alle freuten sich mit ihnen .., Es ist jetzt (5 Uhr nachm.), ziemlich ruhig an Bord. Alle sind an Land gegangen bis auf P’s, Dr. W’s und mich. Dagegen ist rund herum die Hölle los. Es werden nämlich Bretter abgeladen (sie kommen auf Barken, die sie an Land bringen. Das Schiff ankert nämlich ziemlich weit vom Ufer entfernt; Haifa hat noch keinen eigentlichen Hafen). Dabei machen diese Araber einen unbeschreiblichen Lärm.. Jene, die nicht schreiend, schimpfend an der Arbeit sind, springen und tanzen in den Booten herum und singen unaufhörlich. Ueberhaupt singt alles. (Auch der Polizist, der an der Treppe sitzt, singt). Das Ganze sieht, mit dieser steinernen Stadt und den Palmen im Hintergründe, wie eine richtige Szene aus einer von Scheherazades Geschichten aus — auch vier Neger von phantastischer Hässlichkeit sind darunter. Alle diese Kerle sind von einer unbezähmbaren Lustigkeit — die alten Weissbärte mindestens fröhlich... Eben kommt so einer heran und fragt, ob wir einen Doktor haben („Doktor, Doktor“). Ich führe ihn zu Dr. W. Ein Ekzem ist leicht konstatiert und durch den französisch sprechenden Polizisten als Dolmetscher erhalt er die therapeutischen Vorschriften. Man klopft ihm auf die Schulter, er entfernt sich dankbar und fröhlich und auch der Polizist zeigt lachend seine weissen Zähne... Eine symbolische Szene. Dies ist der Weg zur Versöhnung der beiden Völker, des arabischen und hebräischen. Wir werden ihnen Hilfe aller Art bringen und sie werden sie anerkennen ...