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Juedischer Almanach für Gross-Rumänien · 1922-01-01 · 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI · p. Seite 44

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Journal
Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
Volume
1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
Date
1922-01-01
Page
Seite 44 (sequence 50)
Language
German
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IRI
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44 Tagebuch einer Palästinafahrf. Donnerstag-, den 18. Mai 1922. Am Bord vor Haifa. Seit gestern Abend liegen wir vor Haifa. Als wir am späten Abend Haifa erreichten, war jedermann tief bewegt. Das Land, die Stadt machten einen unbeschreiblichen Eindruck. Es war ja ein unbekanntes Land, nicht die. Heimat vielleicht, doch blickte man darauf als auf die neue Heimat. Vielleicht lässt sich die Stimmung am ehesten mit jener vergleichen, die eine eben vermählte junge Frau haben muss, wenn 9ie zum erstenmale das eheliche Heim betritt. Es ist eine unbekannte, fremde Wohnung — und doch soll sich hier ihr ganzes zukünftiges Leben abspielen ... Es war eine ungeheuer gehobene Stimmung, in der sich alle befanden, aus verschiedenem gemischt. Erwartung, Weihe und vielleicht auch manchmal Spuren eines bangen Gefühles: wird das Leben die Erwartungen erfüllen? Schliesslich siegte die Freude des Erlebens dieser Wirklichkeit: Erez-Israel liegt hier vor uns und es ist nur eine Frage weniger Stunden, dass wir das Land betreten. Kurz bevor wir ankamen gab es noch ein interessantes Intermezzo. Ein Mann führte einige * hundert Sandalen mit sich mit, um damit ein Geschäft zu machen. Man kann nichts dagegen einwenden. Er verteilte sie aber in Pakete, die er Chaluzim in Palästina zu überbringen hatte und die daher die mit uns reisenden Chaluzim -ihm gerne an Bord brachten. Für diese Hilfe wollte er sie entlohnen, was sie aber ablehnten. Oben fanden sie nachher in den Paketen die Sandalen. Darob grosse Entrüstung unter ihnen. Chaluzim sind Pioniere, die nach Palästina gehen, um dort zu arbeiten; sie machen keine Geschäfte und wirken an keinen Geschäften mit, welche Schmach ihrem Namen, hätte man bei einer Revision die Sandalen bei ihnen gefunden! Sie wollten daher die Sandalen nicht herausgeben; sie würden sie der Arbeiterkonsumgenossenschaft in Palästina übergeben und diese würde dem Manne den Kaufpreis vergüten, ohne ihm einen Verdienst zuzubilligen. Der Mann war seinerseits sehr bestürzt und die ganze Reise hindurch sehr niedergeschlagen, dachte aber doch nicht daran, irgend eine fremde Autorität anzurufen. Schliesslich kam ein Schiedsgericht zustande, bestehend aus Dr. W„ einem zweiten und mir. Das Gericht entschied, dass die Beschlagnahme ungesetzlich sei, dass der Kaufmann aber eine Rüge entgegennehmen und eine Busse von 500 Lei für den Nationalfond bezahlen müsse. Und so geschah es . . . Da hätte Prof. Ehrlich (der kürzlich so unglücklich verstorbene) ein Beispiel „lebenden Rechtes“ gehabt... Am selben Abend noch kam die Sanitätskommission an Bord. Der Arzt ein Araber, Typus des eleganten Levantiners. Man fühlte sich daher etwas unbehaglich. Aber einer der Beamten schon ein Jude. Man kann verstehen, dass die Araber

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