Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 48)
- Language
- German
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42 Tagebuch einer Palästinafahrl. deren Front kennen lernen will, sitzt er rückwärts auf Backbord und interviewt Chäluzim und Chaluzoth und Kooperativen und auch die Gerim. Uebt wieder sein Jidisch ein, das er mit „yes“ und „no“ und „all right“ untermischt. Seine liebe Frau ist überall mit, hat aber doch ständig heisses Wasser und man kann, wann immer man will „a cup of tea“ bei ihr haben — wovon ich auch ausgiebig Gebrauch mache. Im Salon gibt es mittlerweile eine babylonische Sprachverwirrung, P. 's sprechen nur russisch und etwas hebräisch in aschkenasischer Aussprache aber nicht jidisch, W. 's meist englisch aber auch jidisch, jedoch kein hebräisch, andere sprechen /idisch und hebräisch in sephardischer Aussprache —das geht nun alles durcheinander und ich jongliere so gut es geht zwischen englisch, jidisch und hebräisch manchmal aber spreche ich kurz entschlossen deutsch und auch dies wird verstanden. Aber man begreift, welche Notwendigkeit das Hebräische für Palästina ist. Wir sind nun mittags an den Bosporus herangekommen. Vor Eintritt die erste Revision der Sanitätskommission. Dann kam das Märchen des Bosporus mit seinen grünen Hügeln zu beiden Seiten, den Ruinen, Burgen, Schlössern und Sommersitzen der Konstantinopler Aristokratie. Schliesslich erschien links Skutari, vor uns die silberne Fläche des Marmara-Meeres und rechts das dreiteilige Konstantinopel, Stambul, Galata, Pera mit seiner Silhouette aus 1001 Nacht — da warten wir jetzt auf die Passrevision der interalliierten Kommission und erst morgen geht es wahrscheinlich weiter. Mittwoch, den 17. Mai 1922. Es ging am selben Tag weiter. Die interallierte Kommission machte es kurz und so werden wir heute schon das heilige Land mit unseren Augen sehen. Diese Tage vergingen rasch. Am Abend erhielt Stambul in seine Krone die Brillanten unzähliger Lichter, verdoppelt im Spiegel des Meeres. Dazu strich ein Scheinwerfer mit seinem Silberpinsel über die Stadt, das Wasser, die Schiffe dahin. Am Sonntag passierten wir durch die Dardanellen, an Gallipoli, dem grossen Friedhof vorbei und man gedachte Jabotinskys Mauleselkorps, leicht romantisch gestimmt — aber vergessen wir nicht, dass es weinende Mütter gibt! Am Montag ging es durch das griechische Archipel — kahle Hügel, ab und zu ein Leuchtturm, ein Steinbaukastenstädtchen. Am Dienstag waren wir wieder im offenen Meer und so sind wir es heute. Wir fahren ohne anzuhalten direkt nach Haifa und lassen Cypern links ausser Sehweite. Wieder sind wir allein im Zentrum dieser nicht allzugrossen blauen Schüssel (ich schätze ihren Durchmesser etwa fünf Schiffslängen)