Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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- Odesa 1× ep/1000834
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Tagebuch einer Palästinafahrf. 41 stehe vorne am Bug und blicke auf den mächtigen Schaumkamm, den das Schiff vor sich aufwirft... Und da, sieh, im durchsichtigen Smaragdgrün des Wassers ein Riesending... ein Delphin, ein zweiter, ein dritter, sie eilen voran... sie springen... spielen fröhlich miteinander... begleiten unermüdend das Schiff... Von Backbord ertönt ein hebräisches Lied... es schwebt im hellen Raum zwischen Himmel und Wasser... So fahren wir dahin nach Erez-Israel. Samstag, den 13. Mai 1922. Vor Anker gegenüberKonstantinopel. Die Fahrt war herrlich — man kann es nicht anders sagen. Der Himmel klar, die Luft leicht bewegt und angenehm kühlend — und dieses Meer in seinen wechselnden Farben: grün, blau, golden und alle jene, die ich nicht benennen kann. Nachts schwarz mit der Versilberung des Mondes ... Ich wohne im „Zentrum“; ein Offizier teilt seine Kabine mit mir. Eine andere Kabine hat der Arzt Dr. W., Zionist aus Los Angelos, Kalifornien, und im Salon hat sich die Familie P. niedergelassen, bestehend aus einer Mutter, zwei Töchtern und dem Schwiegersohn. Sie fahren zum Vater, der, ehemals einer der Leiter der zionistischen Bewegung in Odessa, jetzt Advokat in Tel-Awiw ist. Vor wenigen Wochen erst kamen sie aus der ukrainischen Hölle über den Dniester; ihre Erlebnisse dabei klingen phantastischer als der phantastischeste Roman — aber man versicherte mir, dass dies nur eine Dutzendgeschichte sei; derlei Dinge werden jetzt von Hunderten erlebt. Dr. W. stammt ebenfalls aus der Ukraine, aber er verliess sie rechtzeitig als die Pogrome der Jahre 1903 und 1905 die ersten Signale gaben. Seither lebt er in Amerika. In Los Angelos an der Westküste der Vereinigten Staaten hat er die Keren Hajessod-Arbeit für acht Staaten organisiert, die zusammen so gross sind wie halb Europa. Alle, für die mein Pseudonym zu durchsichtig ist, werden wissen, wie sehr mich die Schilderungen seiner „Drives“ interessierten. Als man ihm in Los Angelos ein Abschieds-Bankett gab, sagte er: „Der Zionismus kämpft auf zwei Fronten: in Amerika um den Dollar, in Erez-Israel um den Aufbau — ich habe bisher an der einen Front gekämpft, jetzt gehe ich dahin, um den Kampf an der anderen Front mitanzusehen.“ Ünd als er im Zuge sass, der ihn von der Küste des stillen Ozeans quer durch Amerika hindurch, über Gebirge, durch Steppen, an Städten und Wüsten vorbei bringen sollte, sagte er: „Wab, mir fuhren ken Jeruschalajim“ und dies sagte er, als er über den atlantischen Ozean fuhr, als er durch Frankreich, an Paris vorbei, durch Deutschland, an Berlin vorbei, durch Rumänien fuhr, und dies sagt er jetzt im Angesichte Konstantinopels — jetzt fängt er schon an, wirklich daran zu glauben, nach soviel Monaten Reise zu Wasser und zu Land. Da er gründlich den Kampf an der an-