Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 46)
- Language
- German
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40 Tagebuch einer Palästinafahrt. Bericht mit genauen Daten. Ein Teil einer zweiten (der„Winigroder“) und einer dritten (der „Umaner“) befindet sich auf dem Schiff, mit dem ich fahre. Sie stammen alle aus der Ukraina; die Bezeichnung tragen sie nach den Ursprungsorten. (Im Uebrigen ist auch bereits eine derartige Kooperative in Transylvanien gebildet). Das also ist die Ladung der „Constanta“: Vom Bug aus erst das Vieh: zehn Stück Kühe und Ochsen, an beiden Bordseiten verteilt, kauen sie gemächlich ihr Heu. Der Trog ist gegen die Schiffsachse zu gekehrt. Erst standen sie mit den Köpfen dem Wasser zugewendet. Als aber das Schiff langsam sich vom Landungssteg in Galatz entfernte, ergriff eine Kuh so gewaltiges Heimweh, dass sie kurz entschlossen ins Wasser sprang. Wir waren bereits ziemlich weit vom Ufer entfernt, die Strömung ist mächtig, die gute Kuh kämpfte gewaltig, um das Ufer zu erreichen. Es war sehr aufregend. Die Menge auf dem Schiffe und auf dem Quai verfolgte gespannt das Ereignis .Schliesslich kam ihr im letzten Moment ein Boot zuhilfe, das sie an Land zog — aber für Palästina war sie verloren. Während man an Bord noch aufgeregt über die Sache sprach, entschwand die Kuh und auch Galatz den Blicken, dies war der Abschied. — Seither stehen Ochsen und Kühe den Blick gegen Schiffsmitte gerichtet, die ganze herrliche Seelandschaft ist ihnen versagt... Ich sprach aber von der Schiffsladung. — Nach den Kühen kommt das Holz. Schnittmaterial: Bretter und Pfosten, die eine bessarabisch-palestinensische Handelsgesellschaft nach Palästina schickt, wo sie einen Lagerplatz besitzt. Zwischendurch Heu für das Vieh und zerlegte Bauernwagen. Die Wagen gehören einer der Kooperativen. Richtig: einige Schäfchen blocken. — Dann kommt das Zentrum, von dem ich bereits sprach. Dann wieder Holz und dann das Emigranten- Deck, die Schlafräume — oben der Tagraum — aber auch geschlafen wird auf Verdeck: die Nächte sind herrlich. Blickt man über das Verdeck (am besten vom Holzstoss aus ,wo man einen überhöhten Standpunkt hat) so sieht man die Menge in Gruppen gelagert. Manche „tanen“, hier wird Schach gespielt, dort singt man in kleinem Chor, an anderer Steife 'gibt es eine Fiedel und eine Guitarre, eine Anzahl Chaluzim spielt irgend ein Bewegungsspiel — und da zwei sonderbare Gestalten, Russen offenbar, ein Tolstoi- und ein Dostojewskikopf: es sind „Gerim“, zwei echte Russen, die aus religiösen Gründen vom Christentum zum Judentum übertreten sind und nun nach Palästina ziehen, um dort den Messias zu erwarten. . . Das Meer ist eine runde tiefblaue Scheibe (man ist überrascht, wie klein sie ist), wundervoll ruhig — kein einziger Fall von Seekrankheit... Darüber der lichtblaue Himmel. Ich