Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 45)
- Language
- German
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Tagebuch einer Palästinafahrt. 39 aber dennoch viel zu klein für diese Menge! Und nichts für Seekranke vorgesorgt; keine Oefässe. . . Jedoch, man spürt noch nichts. Alle stehen munter oben auf dem Verdeck, um die blau-weisse Fahne versammelt; Lieder, frohe Lieder singend; die Mannschaft der Schiffe, an denen man vorüberzieht, staunt. . . Ja, dies ist eines der Schiffe, mit denen diese erstaunliche Volkswanderung unserer Tage geschieht; diese friedlichen Wickingerfahrten eines Volkes, das darangeht, eine Heimat, aus der es vor zwei Jahrtausenden (höre es, blasierte Menschheit!) vertrieben wurde, wieder zu beziehn. Zwei Wege sind es, die die Palästinaemigranten nehmen. Der eine geht über Wien und Triest — der zweite über Galatz und Konstantinopel. Die zionistische Organisation hat an allen bedeutenderen Stationen dieser Wege Aemter (Palästinaämter) errichtet, welche die mit der Migration zusammenhängenden grossen Aufgaben zu bewältigen haben. Die grössten dieser Aemter befinden sich in Wien (für Zentraleuropa und den westlichen Osten, wenn man so sagen kann) und Konstantinopel (für Osteuropa). Der zweite Weg gewinnt, mit dem Eintritte einiger Bewegungsfreiheit der russischen Judenheit, gegenüber dem ersten immer mehr an Bedeutung. Und damit gewann und gewinnt das auf diesem Wege gelegene Palästinaamt „Cernäuti“ (so erfolgreich von Professor Silberbusch geleitet) in gleicher Weise. Das Gros der Wanderer besteht aus zwei Kategorien. Die erste ist die bekannte der „Chaluzim“, der Pioniere, junger Leute, Burschen und Mädchen, die nach Palästina gehen, um dort Pionierarbeit, schwerste Arbeit jeder Art auf sich zu nehmen. Sie haben ihren Namen bereits in aller Welt bekannt, berühmt gemacht — kein Volk der Welt kann auf eine ähnliche Jugend hinweisen (fügen wir bescheiden hinzu: vielleicht, weil an kein anderes Volk eine Aufgabe von solch heroischer Grösse herangetreten ist — und wo Heroismus verlangt wird, da stellt sich dann eben die Jugend ein, deren eigentlichster Beruf es ist, heroisch zu sein) — wir brauchen über sie kein Wort mehr zu verlieren. — Die zweite ist neueren Datums, ein Versuch, wenig bekannt. Es sind dies die „Kooperativen“, Gruppen von Familien, Menschen verschiedenster Berufe, mit etwas eigenem Kapital, die sich zusammentun, um drüben Wirtschaftsgemeinden zu bilden, die einen grossen Teil ihres Bedarfes in eigener Produktion decken und überdies auch Produkte für den Markt erzeugen. Sie führen Maschinen, komplette Werkstätten aber auch Holz, Vieh etc. mit sich mit. Ueber die erste und bisher bedeutendste derartige Kooperative: die „Berschader“, die sich bereits komplett (250 Familien) in Palästina befindet, erscheint demnächst in Bubers Zeitschrift „Der Jude“ ein ausführlicher interessanter