Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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31 Jüdische Musik. (oder im Volkston gehalten) schaffen. Obwohl die Wahl der Themen mehr dem Empfinden als einer musik-theoretischen Analyse entgegenkommt, strahlt doch aus jeder Zeile dieser Werke Talent, grenzenlose Hingebung, grosses musikalisches Können und moderner Geist. Aber nicht nur in Russland ist das Interesse an der jüdischen Musik erwacht. Es liegt uns eine Reihe grösserer Tondichtungen von einem in Amerika wohnenden Komponisten, Ernest Bloch, vor, der-sich zum Ziele gesetzt hat, einen neuen Stil in der jüdischen Musik zu schaffen, den Geist des Judentums in Tönen wiederspiegeln zu lassen, ohne die äusserlichen, rhythmischen oder melodischen Elemente zu berücksichtigen. Diesen Weg betrat schon vor ihm der-grösste jüdische Tondichter, Gustav Mahler, dessen Themen in seinen Symphonien aber doch viel äusserliche Aehnlichkeiten mit manchen chassidischen Volksweisen enthalten. Es erscheinen schon öfters in den Musikzeitschriften Artikel über jüdische Musik. Einer der bedeutendsten Musikschriftsteller Oesterreichs, Prof. Max Graf, vollendet derzeit ein Werk, betitelt „Geschichte der jüdischen Musik“ und einer der bekanntesten und begabtesten unter den modernen Komponisten Wiens, Wilhelm Grosz — der auch für eine Sammlung in der Schweiz erschienener jüdischer Volkslieder geistreiche und fein empfundene Begleitungen geschrieben hat — arbeitet derzeit mit Begeisterung an einem grossen jüdischen Opernwerke. Die hier bestehende Gesellschaft zur Erforschung und Förderung jüdischer Musik beabsichtigt, Wettbewerbe auszuschreiben, das schon erwähnte Forschungs-Institut zu fördern und durch Propaganda, Vorträge etc. das Interesse des Publikums und junger jüdischer Musiker an der jüdischen Musik zu wecken und zu erweitern. In letzter Zeit sind auch viele Lieder-Sammlungen erschienen, unter denen die wertvollsten die von H i r s c h 1 e r (Musikverlag in Agram) und von K i p n i s s (Warschau) sind. Die ersteren enthalten die musikalischesten und wertvollsten Begleitungen auf diesem Gebiete. Ohne Begleitungen sind einige wertvolle und interessante Lieder enthalten in den Sammlungen von Kaufmann „Die schönsten Lieder der Ostjuden“ und in der Rubrik „jüdisches Volkslied“ der amerikanisch-jüdischen Zeitung „Die Zeit“.' Der berühmte Führer der französisch Moderne, Maurice Ravel (der weder selbst noch der Abstammung nach Jude ist) -ist ein begeisterter Verehrer der jüdischen Musik; er setzte seine Begeisterung auch in Taten um, indem er eini- 1 ge Gesänge (Kadisch, Fregt die Welt an alte Kasche etc.) für Gesang mit Orchester vertonte und bei seinem ersten Auftreten in Wien aufführen liess. Dass sein Interesse für diese Musik nicht erlahmt ist, beweist eine neue Serie, betittelt „Sabbath- Lieder“, die neulich erschienen ist; ferner schrieb einer der