Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 34)
- Language
- German
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30 jüdische Musik. komponierte „Jüdische Rhapsodie“ vorführte, wurde ich sowohl von Musikern als auch von Laien mit Achselzucken, Ironie oder glatter Ablehnung quittiert. Man spöttelte über den Gedanken der Renaissance der jüdischen Musik, die als blosser Abklatsch von slawischer, rumänischer oder ungarischer Musik beurteilt wurde. Der Hinweis auf das Interesse solcher Tondichter wie Rimsky-.Korsakow, Monssorgsky nützte nicht vieltes vergingen Jahre, es wurden wohl oft und viele jüdische Volkslieder gesungen, aber immer nur im Osten, wo auch früher die Existenz jüdischer Volkslieder nie verneint wurde. Da wir immer unzählige tief empfundene geistreiche, das ganze Wesen des jüdischen Volkes wiederspiegelnde Liedertexte besassen, die eine Verbindung mit Tönen suchten, griff unser Volk — aus Mangel an originellen Melodien — zum Liederschatz der Wirtsvölker; auf diese Weise entstanden unzählige sogenannte „jüdische Volkslieder“, die der russischen, ukrainischen, polnischen oder rumänischen Liedersammlung entlehnt wurden. Diese „verjudeten“ slavischen Lieder gingen von Generation zu Generation, nahmen mitunter eine jüdische Schattierung an und kursieren noch heute in grosser Zahl unter den Massen. Ja, man kann sogar ruhig behaupten, dass die weitaus grössere Zahl der mitunter sehr populären Volksweisen — nicht jüdischen Ursprungs ist. Dieser Umstand war mit die Ursache, dass die Musiker und das musikalische Publikum sich zur Frage der Existenz jüdischer Volksmusik skeptisch verhielten. Es musste Jalso auf musiktheoretischem Wege erforscht und eruiert werden, ob und welche der vorhandenen jüdischen Volkslieder eine Eigenart besitzen und worin diese Eigenart eigentlich besteht. Diesem Bedürfnis entsprang der Gedanke, sich mit dieser Frage ernstlich zu befassen und nach Erlangung einiger Resultate vor die Oeffentlichkeit zu treten, was ich auch tat. Mit Freude konnte ich da konstatieren, dass die fachmännische Kritik das Problem der jüdischen Musik mit grösstem Interesse verfolgt hat und dass derzeit zwei der grössten jüdischen Musikschriftsteller Wiens, Prof. Dr. Max Graf und Dozent Dr. Egon Wellesz, sich auf Anregung des Schreibers dieser Zeilen mit dem Gedanken befassen, in Wien ein Institut für jüdische Musikforschung ins Leben zu rufen. Seit ungefähr zwei Jahren wird nun aber fieberhaft und mit echt jüdischem Temperament und Energie an der Entwicklung jüdischer Musik gearbeitet. Am meisten freilich in Russland. Vor Kurzem weilte hier der Leiter der jüdischen Abteilung des Musikdepartements in Moskau, Dr. Dimitrowsky, der sehr viel über die Leistungen junger jüd. Tondichter zu berichten wusste. Zu den bedeutendsten auf diesem Gebiete gehören Miller, Gnies sin und Lev in, die Symphonien, Lieder, Klavierstücke, Kammermusik mit Benützung jüdischer Originalthemen