Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 33)
- Language
- German
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Mykola. 2£ Nun kam die Rede auf Haschei, den Fleischhauer: Haschel der Fleischhauer ist plötzlich reich geworden. Man sagt, er habe in einem Kalbsmagen einen Brillanten gefunden, andere erzählen von der Erbschaft nach einer Tante, die „drüben“ viel Geld verdiente, und dieweilen Haschei reich wurde, passte es natürlich nicht mehr, dass sich seine Sprösslinge aus Repczynce verehelichen. So bezog er sich denn Schwiegertöchter aus der Grossstadt. Sie verstanden sich auf Mode und guten Ton und hatten vornehmlich eine Neuerung mitgebracht: Zu Weihnachten stellten sie einen mächtigen Tannenbaum auf, schmückten ihn mit Gold und Diamanten und tausend Kerzen flackerten auf, dass ganz Repczynce feenhaft beleuchtet wurde. Jetzt berichtet mir Mykola treuherzig, wie es zur Katastrophe kam: „Als ich“, schreit Mykola weinerlich, „zum ersten Male dieses Ding in einem jüdischen Hause erblickte, das ich nur bei unserem Pfarrer zu sehen gewohnt war, da ergriff mich ein heisser Zorn und ich verschlepppte die Thora. Sie schrieen alle, ich wäre wahnsinnig geworden. Ich, der alte Mykola, sagte aber: entweder Chancie vernichtet den Christbaum und kehrt zu den Sabbathkerzen zurück — oder die Thorarollen gehören zum Pfarrer! Und da sie mein Urteil nicht respektierten, will ich von der Brut nichts mehr wissen. Bin ich wahnsinnig? Bin ich ein verrückter Hund?“ Was für kuriose Einfälle ein alter Schabbesgoi haben kann! Prof. Juliusz Wolfsohn, Wien. Jüdische Musik. V „Was wir heute an der jüdischen Nation erleben, hätte vor Kurzem niemand für möglich gehalten. Während ^bisher die geistig hochstehenden Juden wegen Mangel an- Resonanz sich bewusst oder unbewusst von der jüdischen Gesamtheit abwandten, steht nun unsere Nation plötzlich wieder lebensfrisch vor uns da, und jeder von uns verliert das Gefühl der Vereinsamung, das so viele zu einem Verhalten geführt hat, das dem oberflächlichen Blick als Charakterlosigkeit erschien“. Diese ungemein treffenden Worte Prof. Einsteins, die in einem Briefe an meine Wenigkeit enthalten sind, kommen mir immer wieder in den Sinn, wenn ich von neuen Anstrengungen, Versuchen und Leistungen auf dem Gebiete der jüdischen Musik höre. Als ich vor etwa 20 Jahren in Privatkreisen optimistische Betrachtungen über das Vorhandensein und die Entwicklungsmöglichkeit jüdischer Musik aussprach und als bescheidenen Beweis meine schon damals.