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Juedischer Almanach für Gross-Rumänien · 1922-01-01 · 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI · p. Seite 27

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Journal
Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
Volume
1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
Date
1922-01-01
Page
Seite 27 (sequence 31)
Language
German
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IRI
…/7938572-9582826--032-9575376
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Mykola. 27 niente und am siebenten Tage arbeitete er wie ein Ungeheuer. Mit einer Virtuosität, die uns alle zur grenzenlosen Bewunderung hinriss, bestritt er an diesem einzigen Tag;e die Arbeit einer ganzen Gemeinde, war die dynamische Krait einer ganzen Stadt, die an diesem Tage wieder feierte. Versteht sich, dass dieser Tag der Sabbath war, an welchem nach der heiligen Bibel jede Arbeit zu ruhen hat, und in jenen guten alten Zeiten, wo man in Repczynce noch auf Frömmigkeit etwas gab, war dieser Mann die Seele von Repczynce. Was gibt es da für unentbehrliche Verrichtungen, die' Lebensfragen bedeuten, die aber der Strenggläubige nur durch dritte Hände besorgen darf! Feuer nfachen, Kerzen auslöschen, die Oefen öffnen und die siedenden Schqlethtöpfe hervorziehen, die Eiskruste auf dem Wasser durchbrechen und tausend andere unerlässliche Dinge. Dies alles und noch mehr konnte dieser Mann und tat es gewissenhaft. __ Was Wunder, dass wir alle um seine Gesundheit zitterten, dass eine dumpfe Depression sich aller bemächtigte, wenn er am Freitag Abend später als sonst aus seiner Klause zum Vorschein kam. Peinlich war nur, dass er sich seiner Rolle bewusst war und seine Souveränität mächtig fühlen Hess. Mykola, der Schabbesgoi — das war sein voller Ehrentitel — wusste, dass er der einzige in Repczynce sei und was er für die Stadt bedeutete. Er wusste, dass man sich zeitweilig" ohne Prediger, ohne Vorbeter — aber doch nicht ohne Schabbesgoi durchfretten könne. Im Bewusstsein seiner Unersetzbarkeit tyrannisierte er uns, wenn er übellaunig wurde — und er hatte ja die raffiniertesten Machtmittel, um seine Oberhoheit fühlen zu lassen. Einmal wurden die Sabbathkerzen im Hause des Rabbi von einem Luftzug vorzeitig ausgelöscht. Es war eine pechschwarze Winternacht und man konnte die Abendmahlzeit nicht einnehmen. Der Rabbi Hess Mykola kommen und nahm zu einem diplomatischen Kniff Zuflucht: Ihrt wisst ja, dass, nach den strengen Satzungen der Auftrag, e ine den Sabbath entweihende Handlung durchzuführen, gleichbedeutend ist mit der Handlung selber. Darum gebrauchte der Rabbi einen Ausweg, indem er also sagte: „Mykola, ich will dir einen Schnaps geben, sehe aber "nichts, da es stockfinster ist.“ Mykola war aber übellaunig: er zündete die Kerzen an, goss den ihm gereichten Schnaps in die rauhe Kehle, löschte die Kerzen wieder aus und eilte von dannen. Ein andermal hatte man aus Versehen in das Gemach des jungen Ehepaares eine langmächtige Jom-Kipur-Kerze gestellt und das Licht war' umso überflüssiger, als, w'ie es in kleinen Städtchen schon zu geschehen pflegt, Neugierige in

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