Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 25)
- Language
- German
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Die Juden in Großrumänien. 21 Halmfrüchte, sondern auch Tabak gebaut, welcher in der russischen Industrie eine grosse Rolle gespielt hat. Auch jetzt noch bauen die Juden in jenen Gegenden vorwiegend Tabak. Wie behandelt man nun diese ackerbautreibenden Juden, die keine „negustorii“ sind. Im Bukarester „Adeverul“ vom 29. August 1922 war darüber zu lesen, als ein Beispiel für vieler In dem von Juden bewohnten Marktflecken Perival in Judet Bald fehlt es nicht nur an Ackerboden für die Bevölkerung, sondern sogar an Grund für einen Friedhof, so dass bei der Bodenzuteilung darauf Rücksicht zu nehmen gewesen wäre. Auf die Bitte des Primars, dass man den Marktflecken 3 Disjetinien Boden zur Abhaltung eines Marktes zuteLe, antwortete der staatliche Agrarkontrollor Georgescu: „In Palästina!“ und fügte einige Flüche gegen die Juden hinzu. Und so blieb dieser jüdische Marktflecken ohne zugeteilten Ackerboden und ohne Viehmarkt. Aehnlich verhielt es sich in anderen Orten Bessarabiens, in Valea lui Vlad, Fale$ti, Rascani. Die jüdischen Familien ,die sich dort mit Landwirtschaft beschäftigt haben, erhielten keinen Boden und müssen betteln. Eine Zurückdrängung der jüdischen Intelligenz in den alipierten Gebieten ist gleichfalls wahrnehmbar. Es wird viel Arbeit und Aufklärung notwendig sein, um zu verhüten, dass die Judenschaft in den angeschlossenen Provinzen ihre Intellektuellen verliere. Diese Frage hängt auch mit der Regelung des Schulwesens zusammen. Die Judenschaft stellte — in der Bukowina beispielsweise — vor dem Kriege eine beträchtliche Anzahl in Schule, Amt und Wirtschaftsleben. Die überstürzte Unifizierung und Romanisierung hat das Gros der jüdischen Intellektuellen wirtschaftlich erschüttert. Der Rest eines nationalen Schulwesens wird sukzessive genommen. Die sprachlichen Differenzierungen in den einzelnen angeschossenen Gebieten und im Altreiche hindern die Schaffung eines einheitlichen Schulprogrammes und der Sprachenstreit: „Hebräisch oder Jiddisch“ erleichterte der Regierung jede Absage an die jüdischen Schulforderungen. Es erübrigt noch, der Judengemeinden in Rumänien Erwähnung zu tun. Dem jüdischen Gemeinde wesen stehen Erschütterungen bevor. Am entwickeltesten ist die jüdische Gemeinde in der Bukowina, wo autonome Körperschaften auf Grund des alten österreichischen Gesetzes bestehen und statutarisch nicht bloss die religiösen Bedürfnisse der Mitglieder zu befriedigen, sondern auch soziale und kulturelle Aufgaben zu erfüllen haben. In der Bukowina gibt es nur einheitliche Formationen der gesetzlichen Kultusgemeinden, die alle Juden umfassen. Im Altreiche hingegen kümmerte sich der Staat nicht um die Rechtsverhältnisse des jüdischen Glaubensbekenntnisses. Eine gesetzliche Regelung ist dort nicht erfolgt und war das Gemeindewesen der in Rumänien wohnenden Juden