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Juedischer Almanach für Gross-Rumänien · 1922-01-01 · 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI · p. Seite 20

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Journal
Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
Volume
1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
Date
1922-01-01
Page
Seite 20 (sequence 24)
Language
German
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IRI
…/7938572-9582826--025-9575369
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20 Die Juden in Croßrumänien. nur die Rechtspflege erschüttert, sondern auch Richter und Advokaten arg betroffen worden. Bei Besetzungen von leitenden Stellen werden nur Rumänen berücksichtigt. Die Bevölkerung in den angeschlossenen Gebieten leidet am meisten infolge der Nichterfüllung ihrer sprachlichen Forderungen, insbesondere auf Gewährung einer völkerrechtlich üblichen mehrjährigen Uebergangszeit in Justiz und Verwaltung. Es waren viele Auswüchse und Rückfälle in die Anschauungen des Altreiches aus der Zeit vor dem Kriege zu verzeichnen. Doch bemüht man sich, Ordnung zu machen. Ein scharfer Erlass des Ministers des Innern vom 22. August 1922, ZI. U 25957 zum Schutze der persönlichen Freiheit der Bürger ist gegen jene Polizeiorgane und Gendarmen gerichtet, welche noch immer körperliche Strafen und Prügel verhängen; der Erlass hebt klar hervor, dass solche Strafen im Gesetze nicht nur nur nicht vorgesehen, sondern verboten sind.* Die körperliche Sicherheit ist in Stadt und Land gewährleistet. Anders verhält es sich aber mit der Ausübung der politischen Rechte. Beispielsweise werden für die Handels- und Gewerbekammer in Czernowitz, die unter eine staatliche Gerentschaft jetzt gestellt wurde, keine Wahlen ausgeschrieben, weil keine rumänische Majorität erzielbar ist. Derselbe Vorgang wird gegenüber dem Gemeinderate von Czernowitz und anderen autonomen Körperschaften beobachtet. In wirtschaftlicher Beziehung sind noch viele Missstände zu beseitigen. Man begegnet nicht selten in der chauvinistischen Presse Rumäniens der Bezeichnung „negustorii“ (Händler, Schacherer) für die Juden und soll damit zum Ausdruck gebracht werden, dass die Juden nur Händler sind und der Wirtschaft des Landes schaden. Sogar in einer Vaterlandskunde von Aguletti: „Historia Romänilor“ für Mittelschulen wird hervorgehoben, dass die Juden dem Lande in ökonomischer Beziehung gefährlich sind und die jüdische Presse musste gegen die Verwendung dieses Buches beim Schulunterrichte Stellung nehmen. Die Vorgänge bei der Durchführung der Agrarreform in Bessarabien haben aber bewiesen, dass nicht nur die „negustorii“, sondern alle Berufe vom Judenhasse betroffen werden. Die Juden in Bessarabien beispielsweise sind zum sehr grossen Teile von altersher Ackerbauer. Die Bewohner der Marktflecken und sogar an den Grenzen der Städte beschäftigen sich mit Landwirtschaft und Viehzucht; auf den Dörfern bearbeitet jeder Jude ein „Stück Grund“,um davon seinen Lebensunterhalt zu beziehen. Die Russen haben zur Zeit Alexanders II. alles angewendet, um dieses jüdische Element heranzuziehen und sind bei der Bodenverteilung eine grosse Anzahl jüdischer Kolonien in Bessarabien entstanden, von denen jedes Mitglied ein „Radel“, 9 einhalb Disjetinieig Boden besessen hat. Diese Kolonisten haben nicht nur

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