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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 42 (1886) · p. Seite 165

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
42 (1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 165 (sequence 3)
Language
German
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165 selbst hinzu, daß einzig die Verwendung des Geldes ihn auf die Spur des Finders bringen könne. Mit diesem Gedanken zugleich durchblitzte ihn plötzlich eine Art von divinatorischer Erkenntniß. Am äußersten Ende des Landstädtchens wohnte einsam und abgesondert ein mürrischer Bauer, Namens Jftvan, der — obwohl bereits ein beginnender Fünfziger — doch noch als Junggeselle lebte. Jftvan gehörte nicht gerade zu den Aermsten, war aber ebensowenig wohlhabend; doch stand er in Folge seines abweisenden verschlossenen Wesens bei seinen Standesgenossen in einer gewissen an Furcht streifenden Achtung. Dieser Bauer nun, der — was dort äußerst selten vorkam — seine Hagestolzenschaft mit einem gewissen Stolze trug und sie bisher siegreich gegen alle Attaken der Heirathsvermittler vertheidigt hatte, dieser Bauer wurde plötzlich so tief und nachhaltig von Amors Pfeil verwundet, daß er eine Zeitlang den Redestoff des ganzen Städtchens abgab. — Seit Kurzem hatte sich nämlich eine ältere Wallachin mit ihrer jungen Tochter im Nachbardorfe angesiedelll Das Mädchen war der Typus jener südslavischen Schönheiten, die so lebhaft an den zauberischen Reiz der Kreolin erinnern. So arm sie war, so sehr verstand sie es, ihrer geradezu dämonischen Putzsucht —■ dem Nationallaster aller Wallachinnen — zu fröhnen. Ein bunter Lappen, ein fadenscheiniges Band, ein Fähnchen Seide genügten ihr, sich damit in wirklich geschmackvoller, überaus koketter Weise zu schmücken. Jftvan hat die schöne Jllona kaum gesehen, als sein gewaltsames Naturell in seinen Grundvesten erbebte. Mit der verbissenen Hartnäckigkeit, die ihm eigen war, beschloß er, das schöne Weib um jeden Preis zu der Seinen zu machen. So glühend war seine Neigung, so sicher schien ihm der endliche Sieg, daß er — ganz gegen seine sonstige Gewohnheit — gar nicht daran dachte, seine Absichten zu verheimlichen. Mit dem rücksichtslosen Eifer der Leidenschaft begann er seine Werbungen. Dieselben fanden aber zum nicht geringen Vergnügen des Städtchens, sowie der Umgegend eine eisige Abweisung. Aufs Tiefste verletzt, hatte er sich scheinbar schon gänzlich zurückgezogen, als mit einem Male eine vollständige Umwandlung in dem Benehmen Jllona's vor sich ging: Jftvan wurde erhört. Aber selbst dem oberflächlichsten Beobachter mußte es sofort klar werden, daß Jftvan seinen Sieg nur ganz ungewöhnlichen pekuniären Opfern verdankte. Jllona, das ärmste Mädchen der ganzen Gegend, überstrahlte plötzlich an Geschmeide und seidenen Gewändern die reichsten Bauerntöchter. Während nun der Pandur sich die Sachlage ins Gedächtniß rief, durchleuchtete ihn blitzähnlich der Gedanke: „Jftvan und kein Anderer ist der Finder der Brieftasche." Bor allem galt es nun festzustellen, welchen Antheil der Rumäne an der Sache hatte. Dem in allen inquisitorischen Künsten ergrauten Panduren fiel es nicht schwer, heraus zu bekommen, daß der Rumäne absolut von nichts wußte, ja, daß er die Brieftasche überhaupt nie vor Augen gehabt. Die Frage nach dem Futter derselben brachte ihn mit Beihilfe einiger freundschaftlicher Stockprügel sehr bald zum Geständnisse, daß. seine Selbstdenunziation nur auf Anstiften des Krämers erfolgt war, der sichs zehn Gulden und ein Fäßchen Schnaps kosten ließ, um den unbequemen Konkurrenten, der ihm in Veilchenfeld erstanden war, bei Seite zu räumen. — Der Rumäne hatte ihm für obige Entlohnung gerne den kleinen Dienst erwiesen, sich einige Monate einsperren zn lassen. . . Für Pista war es jetzt ganz zweifellos, daß Jllona's Schmuck aus keiner andern Quelle, als den verlorenen Banknoten herrühre. Was half ihm aber seine persönliche Ueber- .zeugung, da die That schwerlich einen Zeugen hatte und der pfiffige Pandur sichs selbst gestehen mußte, daß alle Folterqualen der Welt nicht im Stande seien, den Trotz Jftvans zu brechen und diesen Eisenschädel zum Geständniß zu bringen. Aber Jllona? Das war die Achillesverse des Verhärteten; Jllona hieß die Stellen an der er sterblich war. Mit kaltblütiger Grausamkeit und geradezu teuflischem Raffinement ging der Pandur an die Ausführung seines Planes, und der Herr Stuhlrichter war cynisch genug, mir die abscheuliche Prozedur mit lachendem Behagen wiederzuerzählen. Das wiederholt betonte „verehrter Herr Doktor und Kollege" deutete darauf hin, daß meine Eigenschaft als Jurist, anstatt ihn von dem Geständniß so ensetzlicher Gesetzlosigkeiten abzuschrecken, ihm vielmehr ein gewisses kollegiales Vertrauen einflößte. Ja, so unglaublich es klingt, dieser würdige Vertreter der Gerechtigkeit entblödete sich nicht, mir alle Details der Torturen auszumalen, denen Pista, der Pandur, mit Hilfe zweier Spießgesellen das schuld- und wehrlose Weib unterworfen hatte. „In meiner Gegenwart ist nichts geschehen — ich weiß eigentlich von nichts — und spreche nur nach, was die Panduren unter einander sich erzählen. — Wer weiß denn, ob es wirklich wahr ist?" Dieser widersinnige Zusatz schien ihm eine ausreichende Entschuldigung für die Duldung jenes, allem Rechte Hohn sprechenden Barbarismus. Die Nichtswürdigen hatten Jftvan gebunden und ihn so gezwungen, die Schändlichkeiten mit anzusehen, die sie über das von ihm so heißgeliebte Weib verhängten. Es ist unmöglich, die ebenso unsittlichen als grauenhaften Einzelheiten auch nur annähernd anzudeuten; genug, daß Jstvan's Starrsinn zum Schmelzen gebracht wurde und er den noch übrigen Rest von etwas über 1800 Gulden, sswie die verhängnißvolle Brieftasche an Pista auslieferte. Zugleich gestand er, mir seiner Zeit dieselbe aus der Tasche gezogen zu haben. Von dem Gelbe händigte mir nun der Stuhlrichter, nachdem er für Pista den Finderlohn und alle möglichen Kosten abgezogen hatte, noch ungefähr 1100 Gulden ein. „Der Jude aber" — fragte ich — „der Veilchenfeld, war also ganz unschuldig?" „„Natürlich" —■ lachte der Stuhlrichter — „„er wußte so wenig von dem Gelde und der Brieftasche, als der Rumäne, der ihn denunzirt hatte!"" „Aber Sie sagten doch, er habe die Unterschlagung eingestanden?" „„Da sehen Sie, was für betrügerische Schlauköpfe diese Juden sind!"" „Betrügerisch?" — „Schlauköpfe?" fragte ich starr vor Verwunderung. „„Nun freilich"". — replizirte der Hüter des Gesetzes — „ „hätte er seine Unschuld betheuert, so säße er vermuthlich noch heute in Untersuchungshaft und wäre den liebenswürdigen Zudringlichkeiten seines Freundes Pista ausgesetzt. Darum zog er es vor, den Raub einzugestehen, sich aber in hinterlistiger — echt jüdischer —• Weise von Schuld und Strafe freizukaufen! — So sind sie alle, diese Hebräer — betrügerische Feiglinge — aber dem Himmel sei Dank, unsere Panduren sind ihnen gewachsen. —■ Finden Sie nicht auch, verehrter Herr Doktor und College?"" R.F.. . Kleine jüdische Gharaklerxrige. Iascher'kauach Schmied! Zu den Väter Zeiten war es an den hohen Feiertagen bekanntlich Sitte, den Vorbetern der einzelnen Tfilloth nach beendetem Vortrag für ihren Dienst Dank oder wie die Alten sich ausdrückten „ Jascher’kauaoh Chasan“ zu sagen. An einen solchen Vorbeter, der sich wenigstens dafür ausgegeben

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