Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 33 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 129 — Brust gesenkte Hoffnung auf Unsterblichkeit, sind bekanntlich schon nach einiger Zeit angegriffen und erschüttert worden, während die Wirkungen, die er in den Schulen hervorgerufen , noch heute fortdauern. Zwar ist schon öfters vom Standpunkte der christlichen Orthodoxie gegen die Anwendung der sokratischen Methode beim Religionsunterricht opponirt worden, doch nur, um diese auf einen von ihr vorgezeichneten bestimmten Umfang zu beschränken, wie dies aus Palmers evangelischer Katechetik ersichtlich ist. — Auch Pestalozzi hat gegen das Sokratisiren Einsprache gethan, aber nur gegen die falsche Meinung, als ob schon alle religiöse Erkenntniß embryonisch in den Kindern liege und es nur darauf ankomme, daß sie Jemand durch die Lehrkunst zum Erscheinen in der Rede bringe. Das Sokratisiren soll nicht allzufrühe mit den Kindern vorgenommen werden, sondern nur dann erst, wenn diese reif dazu geworden, wenn sie einen genügenden Hintergrund von Gehörtem, Gesehenem, im Leben Beobachtetem, durch Erziehung und Unterricht in sich Aufgenommenem besitzen, wenn sie inssonders mit der Kenntniß der biblischen Geschichte hinlänglich vertraut sind. Es handelt sich demnach hier blos um die richtige Anwendung der sokratischen Methode in den Schulen, von einer gänzlichen Entfernung aus derselben ist keine Rede und wird wohl nie eine Rede davon sein und so verbleibt das Verdienst Mendelssohns um Einführung und Förderung dieser höchstwichtigen Lehrform in den Schulen ein unvergängliches, unsterbliches. Allerlei für de« Finnilientisch. Fasten, ohne Hunger oder Durst m empfinden. „Ueber Land und Meer" bringt in Nr. 42, Bd. 56 folgende Mittheilung: „Ein neuer Dr. Tauner ist in Italien aufgetaucht. Giovanni Sueci, der sich auch als Reisender bekannt gemacht hat, behauptet, in Afrika einen aus verschiedenen Kräutern gebrannten Liqueur entdeckt zu haben, der die Eigenschaft besitzt, den menschlichen Körper innerlich zu mumifiziren und dadurch gegen die Bedürfnisse von Speise und Trank unabhängig zu machen. Um seine Behauptungen zu erhärten, stellte sich Sueci, nachdem er mehrere Gläser seines Liqueurs getrunken hatte, unter die Aufsicht eines aus Aerzten und angesehenen Bürgern bestehenden Comitss und ist 10 Tage ohne jegliche Nahrung geblieben. Die Aerzte erklärten während dieser ganzen Zeit den Puls für vollkommen normal, die Herz- und Muskelthätigkeit für eine eher gesteigerte. Um zu beweisen, daß er im Vollbesitze seiner Kräfte sei, ging er eine Wette ein. infolge deren er den sieben Kilometer betragenden Weg zwischen Forli und Forlimpopoli in 47 Minuten zurücklegte. Hierauf unterbrach er sein Fasten nild begab sich nach Bologna, wo er sich der medizinischen Fakultät zu einer Hungerprobe zur Verfügung stellte. Die Antwort ist noch ausständig. Sueci hatte vor einiger Zeit seine Entdeckung dem obersten Sanitätsrath in Rom unterbreitet und sich zu einer Probe bereit erklärt. Man glaubte jedoch, er sei geisteskrank, und hielt ihn einige Tage auf dem Beobachtungszimmer. Sueci der ein ernster Mensch und verdienstvoller Forscher ist, besitzt eine von siebenzehn Zeugen unterschriebene Erklärung, wonach sein zehntägiges Fasten in Forli thatsächlich ordnungsgemäß stattgefunden habe." Sollte diese Mittheilung sich bestätigen, so träte an uns zunächst die Frage heran, ob religionsgesetzlich vor dem Versöhnungstage der Gebrauch eines solchen Mittels zu gestatten wäre, indem von TO (Kasteiung) alsdann natürlich nicht mehr die Rede sein könnte. 0. in R. Lasker's Bild. Von dem Abgeordneten Lasker ist nur ein einziges nach dem Leben gemaltes Oelbild vorhanden. Dasselbe ist von dem in Rom ansässigen Maler Löwenthal ausgeführt. Im -Jahre 1883 war es in der Berliner akademischen Kunstausstellung zu sehen und von allen Kennern als ein sehr gelungenes Kunstwerk ausgegeben worden. Nun soll dasselbe von einigen Freunden und Verehrern des Verstorbenen für die juristische Gesellschaft in New - Jork angekauft werden. Wäre es nicht sehr wünschenswerth, daß das Portrait des unvergeßlichen Volksvertreters in Deutschland bliebe? Att-Ierusakem. Aus dieser Stadt der großen historischen Erinnerungen kommen viele Klagen über die Entstellung des altehrwürdigen Charakters des dortigen Architekturbildes. Professor T. Hayter Lewis berichtet im „Athenäum": „Außerhalb der Mauern wachsen immer mehr Bauten empor und, ehe viel Zeit vergangen, wird der eigenthümliche malerische Zauber gerade der am meisten werthgehaltenen Stätten verwischt sein. So ist es schon heute mit dem schönen Ausblick vom Oelberge gegen das todte Meer hin; das vordringliche Weiß der glänzenden modernen Gebäude steht arg im Gegensätze zu dem gedämpften Colorit der Landschaft. Näher an der Stadt hat dagegen die Bebauung Gutes gewirkt, insofern dadurch große Schuttmassen, die noch bis vor Kurzem die Mauern bei dem Thore von Damaskus bedeckten, beseitigt worden sind. Ebenso war die Fundameutirung eines neuen Baues die Ursache, daß nordwestlich von der Jeremias-Grotte und südwestlich der Ruinen der St. Stephanskirche große Ueberreste eines Mosaikbodens bloßgelegt wurden, der sehr wahrscheinlich zu einem Gebäude gehörte, von welchem Theile chon 1883 von Dr. Selah Merrill gesehen worden sind. Dieser Mosaikboden ist auf etwa 50 Fuß Länge aufgedeckt, doch konnte seine Gesammtausdehnung noch nicht festgestellt werden; nach der Breite hat man nur erst 8 bis 10 Fuß freigelegt, aber glücklicherweise zeigt dies Stück den sehr schönen Rand, der sehr reich in Farben gehalten ist. Dies Mosaik ist in kleinen Würfeln von etwas weniger als einem halben Zoll ausgeführt. Die Muster sind durchwegs geometrische und in Schwarz auf weißem Grunde gehalten; die außerdem angewendeten Farben sind Roth, Gelb und Blau, jede in zwei Tinten. Das Material ist Marmor, ohne die sonst wohl übliche Einschiebung von anderen Steinen oder von Terracotta. Unter Beistand von Dr. Merrill, der mit Mr. Schick die Ausgrabungen sorgfältig überwacht, war Professor Lewis in der Lage, Theile des Bodens soweit zu reinigen, daß man ein vollständiges Bild von der genauen Art und Weise erhielt, mit der die Würfel zusammengestellt sind und daß man eine Zeichnung der Muster abnehmen konnte. Das Gebäude, welchem der Boden angehört hat, muß ein sehr großes gewesen sein und hat zweifellos der besten römischen Zeit angehört, aber die Ausgrabungen sind noch nicht so weit vorgeschritten, um den Charakter desselben erkennen zu lassen. Außer diesen Arbeiten finden bekanntlich auch südöstlich von der Grabeskirche Untersuchungen statt, welche die Russen betreiben. Dieselben schreiten nur langsam vorwärts. Die interessante Krypta unter der Kirche St. Johannis ist noch nicht ausgeräumt worden, und überhaupt geschieht innerhalb der Mauern der Stadt nur wenig." Kleine sSdijche CharakterMge. Gabriel Rieß er, der unermüdliche, schneidige Vertheidiger der Judenemanzipation, hatte einst auch die Absicht, um die innere Emanzipation zu fördern, eine jüdische Zeitschrift herauszugeben, die der Belehrung und nützlichen Unterhaltung seiner Glaubensgenossen dienen sollte. Er theilte Saphir, der damals noch dem Judenthum angehörte, seinen Plan mit, indem er ihn gleichzeitig bat, ihn darin durch Mitarbeiterschaft zu unterstützen, wenngleich er, wie er am Schluffe bemerkte, „vorläufig Honorar — nur rar zahlen könne". Saphir antwortete darauf postwendend: „Erhalte ich Honorar — rar, dann schicke ich Beitrüge — träge." M. Wbg.