Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 21 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 81 Dein Lebensglück eingegriffen? Du kanntest Ellimar; Du liebtest ihn und ich —" „Mache Dir keine Vorwürfe, Vater." unterbrach freudig lächelnd die junge Frau, „Wissen wir ja doch jetzt erst, was wir an ihm haben!" Und überglücklich umschlang sie den Geliebten, lehnte das Haupt an seine Brust und sagte: „Nun habe ich nur die eine Bitte zu Gott, er möge uns unser junges Glück in Frieden genießen lassen!" „Der Friede," sagte ernst Onkel Leo, „wird Euch nicht fehlen, wenn Ihr in Gottes Wegen wandelt und ihn als den Vater, von dem alles Gute kommt, anerkennt!" „Ja, das wollen wir dankbaren Herzens," rief Jlka überglücklich. Ich werde ein streng religiöses Haus führen, Du, liebe Tante, wirst mich in Allem unterrichten, Ihr sollt, wenn Ihr mich einst in meinem Heim besuchet, Eure Freude daran haben, wie ich als fromme jüdische Frau schalten und walten werde!'' Alois Braun sah nach der Uhr. Es war Zeit, in's Geschäft zu gehen, doch er konnte sich von dem trauten Fa« milienbilde, das sich ihm darbot, nicht trennen." „Ich bleibe bei Euch!" sagte er nach einigem Ueberlegen. „Das Herz geht mir auf, wenn ich Euch, meine Lieben, so glücklich miteinander sehe! — Wie schade, daß das die gute Mutter nicht erleben konnte!" Frau Rosa hatte so ihre eigenen Gedanken, ob sie wohl in den Rahmen dieses trauten Familienbildes gepaßt hätte, ob sie nicht gar ein störendes Element gewesen, doch sie unterdrückte sie und mahnte nur, da doch des Hauses Mutter fehle, daß Ellimar diesen Ersatz ausfüllen könne. Er möge fetzt mit Jlka zu seiner Mutter gehen und sie bitten, heut Abend den Ehrenplatz an ihrem Tische einzunehmen. Das ließ sich Jlka nicht zweimal sagen. Sie hatte ja Äie alte Frau, die Mutter ihres Ellimar, so lieb; bei ihr suchte sie ehedem, ach wie oft, wenn die eigene Mutter sich weigerte, Ellimar zu empfangen, Trost und Beruhigung. Die alte Mama trug noch ihren Scheitel, sie betete früh und Abends, sie war eine gottesfürchtige Frau, die nur ein den Bedürftigen Gutes zu thun. Als das junge Paar bei ihr eintrat, hatte die fromme Frau gerade ihre Armen um sich versammelt. Sie hörten, wie sie zu ihnen sprach: „Ich kann Euch diesmal nicht wie sonst bei mir speisen lassen, ich bin alt und schwach geworden, meine Kräfte lassen nach; Gott hat mir in diesem Jahre manche harte Prüfung geschickt; doch damit ihr jeder am Jontof was Gutes habt, nehmt Euch jede dort eine Flasche guten Wein und ein Huhn und einen Kuchen;" sie deutete auf einen Tisch, auf dem 10 Packete schon zurecht gemacht waren. — Vielleicht schenkt mir Gott im nächsten Jahre die Kraft, daß ich Euch selbst den Tisch decken kann, dann sollt Ihr wieder bei mir essen und — ah, Ellimar," rief sie, jetzt erst den Sohn gewahrend, „Du schon hier, ich glaubte, Du kämest erst Abends?" „Ich habe Dir, liebe Mutter, eine Ueberraschung mitgebracht; willst Du mir in's Nebenzimmer folgen?" „Ja, Eli, Du bist immer gut und lieb," sagte die alte Frau und halblaut setzte sie hinzu: „Wenn ich Dich nur erst selbst wieder glücklich sähe!" Von den Segenswünschen der Armen begleitet, verließ die alte Frau, auf den Arm des Sohnes gestützt, das Gemach. Als die Thür zum guten Zimmer, das schon für den Feiertag prächtig geschmückt war, sich aufthat, blieb sie wie festgebannt stehen. „Jlka," rief sie, „Jlka, Du hier?" Sage mir, Sohn, ob ich wache oder träume, ob nicht ein Trugbild meine Sinne verwirrt?" „Nein, Mutter," rief Ellimar, seine Braut der Mutter in die Arme führend, „Gott hat Dein Flehen erhört und mir Jlka wieder gegeben! Um Dich nicht aufzuregen, wollte ich Dir nicht eher, bis sie ganz frei und nichts unserer Vereinigung entgegensteht, Mittheilung davon machen!" (Fortsetzung folgt.) Ehehinderniffe oder die alte« Jungfern.*) Die eit'le Frau in der Bethörung Versagt dem Wunsch des Mann's Gewährung. Ob auch des Zedekija Bethaus — dem Einsturz' nahe ganz, o Graus! — von Finsterniß gar dicht umschlossen, — wo sich der Regen oft ergossen — versammeln sich doch täglich zwei Mal — die Beter dort in großer Zahl. — Am Abend zu dem Wochenfeste, — da traf man dort manch' fremde Gäste, — die dort durchwacht die Nacht nach Brauch — und ich gehört' zu ihnen auch. — Als die Gebete man beendet. — da sprach, das Aug' uns zugewendet, — der Eine aus der Beter Schaar: — „Ihr denkt am Ende doch nicht gar, — nach Hause jetzt noch hinzugehen? — Denn eh' wir dessen uns versehen, — der Morgen uns hier wird erreichen, — sobald von alten, lust'gen Streichen — ich euch bald dies, bald das erzähle. — Es sei Erheit'rung eurer Seele!" — Wir saßen nun in trautem Bunde — und er sprach jetzt mit lautem Munde: — Mein Nachbar hatte sieben Töchter, — sie alle alt, 's war kein Gelächter. — Und selbst die Jüngst' könnt' singen bald: — „Schier dreißig. Jahre bin ich alt" — die Töchter hier ja, alle sieben, — stets unvermählt sind sie geblieben. — Den Vater, der die Töchter liebte, — ihr Mißgeschick gar sehr betrübte. — Sein Schwiegersohn, wie er erklärte, — sei der Studirte, der Gelehrte. — Nicht soll'n von seinen Schätzen prassen — die Dandy's, wie sie schau'n die Gassen. — Darum war er ganz fest gesonnen, — daß nur, wer von des Wissens Bronnen — geschöpfet Schätz' und geist'ge Güter — der sei der Mann und der Gebieter, — der seiner Töchter Hort und Hüter. — Doch seine Frau hatt' and're Pläne — betreffend ihre Schwiegersöhne. — Dem Alter trotzend war sie eitel — und dies von Sohle bis zum Scheitel. — Sie putzt' und bläht' sich, wie die Pfauen, — und nur geschminkt ließ sie sich schauen. — Als Schwiegersöhne Cavaliere. — von Eleganz und von Tournüre, — die zählten zu den Idealen, — die ihr die Zukunft rosig malen. — Der arme, wenig nob'le Freier — ist ihr Nichts werth, nicht einen Dreier — und wär' er noch so gut gezogen, — von Weisheit noch so voll gesogen. — Ganz anders ihre Töchter dachten. — Die Einen nur nach Reichthum trachten, — nach Glanz und nobelen Passionen, — dem Leben hoher Regionen, — allwo Gefährt' auf Gummirädern, — die Wagenpolster ruh'n aus Federn, — wo man in Samm't und Seide rauschet, — zur Kurzweil gern von Stadtklatsch plauschet. — Die Ander'n sehnlich danach streben, — mit einem Manne nur zu leben — von edlem Wuchs' und feur'gem Blick. — Der bringet nur das höchste Glück, — der schlank und schön und nett und prächtig — Adonis gleich, nicht voll, nicht schmächtig. — All' diese Gründe mußten zwingen, — nicht eine an den Mann zu bringen. — Voll Kummer saß der Hausherr wieder, — es fuhr durch Mark ihm, durch die Glieder, — der alten Jungfern dichten Reihen — Zuwachs und Größe zu verleihen — durch Töchter alt, verblüht, all' sieben. — Wer wäre heiter da geblieben? — Ihn rüttelt auf „die böse Sieben", — die Frau, die ihn in Gram getrieben, — die stets vereitelt seine Pläne, — wenn er erwähnt' die Schwiegersöhne. — „Warum verträumst Du Deine Tage, — Du, alter Grübler? Schnell mir's sage! —Du hast doch keinen Grund zur Klage, — bist reich, wie Krösus, ohne Frage. — Dein Hauptjuwel bin ich, dein Weibchen, — so sanft und zärtlich, wie ein Täubchen. — Mocht' uns're Töchter Niemand freien, — so muß Dein Eigensinn Dich reuen. — Durch Deine Schuld sie hin jetzt welken, — wie Laub im Herbst', verblüh'n, wie Nelken. — Doch willst Du meinen Rath jetzt hören, — noch werden Männer sie begehren. — Laß rüsten mich gesell'ge Feste — und lad' Bekannte Dir als Gäste, — laß kommen alle Männer, Frauen, — die Söhn' und Töchter, hold zu schauen. — Es wird an jungen Herrn nicht *) Uebersetzungsprobe in gereimter Prosa aus Chotzner's III. Makame.