Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 21 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 4)
- Language
- German
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fehlen, —' den Eidam können leicht wir wählen; — denn wenn der Wein erst löst die Zungen, — dann drängen sich die Herren, die jungen — um uus're Töchter, alle sieben. — Sie fangen an, sie recht zu lieben, — und, eh' wir dessen uns versehen, — die Töchter in die Ehe gehen". — „„Das nenn' ich guten Rath ertheilen, — so kannst Du meinen Kummer heilen, — so ruft der Mann jetzt mit Entzücken, — so kannst Du mich und sie beglücken"". — Gesagt, gethan! Zum großen Feste — erschienen viele, viele Gäste. — Es fehlte nicht an Herr'n und Damen, — dem Wirthe kaum bekannt nach Namen. — Doch wer fragt viel mit festem Muthe — nach Stand bei jungem Herrenblute? — Das Fest sehr glänzend war gediehen. — Man lohnte gern der Hausfrau Mühen. — Sie lobten Fleisch und Fisch nicht minder, — sie aßen, wie die . . . Bürstenbinder. — Den Wein sah man in Strömen fließen, — sich in den Schlund der Herr'n ergießen. — Der feur'ge Trank, er löst' die Zungen — der Herr'n, der alten wie der jungen. — Bevor es ging zum Tanzen, Walzen — da ließ die Zunge tüchtig schnalzen — ein junger Mann, von Wein geröthet. — Mit seiner Stimm' er also flötet:— „Nun höret mich, ihr lieben Gäste, — das Fest verlief aus's Schönste, Beste. — Wie konnten wir uns herrlich lgben, — uns freuen an der Tafel Gaben! — Wie prächtig schmeckt' uns Wein, Fleisch, Fisch, — ja, Alles, was hier ziert den Tisch. — Des Festes schönste Augenweide, — des Herzens reichste, größte Freude, — eutboten uns des Hauses Damen, — die gastlich uns entgegenkamen, — durch Liebesreiz und holdes Wesen — vor vielen Frauen auserlesen. — Nun füllt mit Wein die leeren Becher — und ruft mit mir, ihr frohen Zecher! — Die Frau vom Haus und ihre Kinder — so schön, so hold und brav nicht minder — sie leben hoch! In allen Ehren — will Lieb' und Achtung ich bescheeren. — Des Wirthes holde Töchter traut — sie schmück' recht bald der Kranz der Braut!" — Laut riefen's Alle ohne Ende. — Beifällig klatschte in die Hände — die muth'ge Schaar der flotten Zecher. — Sie leerten Becher nun auf Becher. — Die Frau vom Haus und ihre Sprossen, — sie dankten diesem Festgenossen. — Für ihn sie hatten Aug' und Ohren. — Kein Wörtchen ihnen ging verloren. — „Und wen hast Du in Lieb' erkoren — von denen, die ich einst geboren?" — die Mutter fragt's in freud'ger Wonne — „es leucht' Dir stets des Glückes Sonne! — Als Mitgift sei'n von uns gespendet — 10 000 Goldstück', wann geendet — der Hochzeit ganzer Festesjubel — und der Bewirthung wüster Trubel". — Wem war nun wohler, als dem Sprecher, —■ dem tapfersten der tapfren Zecher? — Zur jüngsten Tochter spricht mit Schmachten — der Becherheld: „Mein ganzes Trachten — es steht nach Dir, Du Holde, Süße, — an meiner Seit' Dein Glück genieße! — Beacht' mein Bitten und mein Flehen, — laß nur erhört mich von Dir gehen!" — Hold lispelt sie: „Als Deine Frau — in Freud' und Glück ich mich nur schau!"' — Der Vater sträubt sich auch nicht weiter. — „Seid glücklich — ruft er — froh und heiter!" — Die Braut war jetzt nun proclamiret — und allen Gästen vorgeführet. — Des Händeschüttelns war kein Ende — und Jeder gratulirt behende — und wünscht, daß Gott nur Freuden spende, — vom Guten stets das Beste sende. — Beim Edelsaft der besten Reben — das Brautpaar ließ dann hoch man leben — und als der Morgen sollt' an brechen, — beendet Trinken man und Zechen. — In aller Früh' am nächsten Morgen — begann der Braut und Mutter Sorgen. — Es galt, zu schaffen Wäsch' und Roben — von allen Stoffen feine Proben. — Man ging in einen großen Laden, — wo Samm't und Seide, Zwirn und Faden, — wo Damenstoffe, Wäsch' und Leinen — zum Heil' der Braut sich froh vereinen, — und als beendet war der Kauf, — da sprach der Kaufmann: „Hausknecht, lauf' — und trage diesen werthen Damen — die Sachen, die sie hier entnahmen, — sofort nach Wallstraß' Nummer hundert! — Wenn groß Dein Trinkgeld, mich's nicht wundert". — Der Hausknecht kam mit steifem Riicken, — um vor den Damen sich zu bücken, — um ihnen iit ihr Haus zu tragen — die Decken, Leinen, Pelz und Kragen. — Doch wer beschreibt der Frau'n Entsetzen, — wie tief mußt' es ihr Herz verletzen? — Der stolze Bräutigam von gestern, — um den beneidet sie die Schwestern, — ein Hausknecht war er, sonst Nichts weiter, — kein Cavalier, kein Chef, kein Leiter. — Der Rausch von Glück war schnell verflogen. — Der Braut ward Hymen nicht gewogen. — Zum Schluffe dürft' ihr mir's ersparen, — genau von mir noch zu erfahren, — wie arg der Vater drob gewüthet, — weil er sich einmal nicht gehütet, — sich ließ von eit'ler Frau bethören, —■ geneigt den Wunsch ihr zu gewähren. — Und so sind unvermählt geblieben — die alten Jungfern, alle sieben". Llnfrommer Wunsch. „Herr der Welt!", rief ein von seinem bösen Weibe geplagter jüdischer Ehemann, „du hast unserem Urahnen Adam das Weib von der Rippe geschaffen, schaff' mir mein Weib vom — Halse!" _ An so manchen „Frommen". Der englische Philosoph H u m e kam öfters in eine Gesellschaft, wo sich bei seinem Eintreten sodann immer ein Strenggläubiger entfernte. „Warum, sagte er einmal zu ihm, weichen Sie mir aus, da wir ja doch wohl einst in der Hölle ewig neben einander ausharren müssen — ich aus Mangel an Glauben, Sie aber aus Mangel au Liebe?" Wofür? Wenn ein Unglück uns betroffen, Das zerstörte Hab' und Hoffen, Hört man klagen und gleich.heißt es: .. Sag' inofür dies, so Du weißt es? "«»«WIIßMMiück Schickt das Glück uus ohne Gründe Seine beste, fettste Pfründe Wer denkt wohl bei seinem Vließ: Sage, HERR, wofür mir dies? Max Weinberg. Uäthsel-Ansgaben. I. Deutsches Wort- und Silbenrüthfel. " Von C. in B. Das Ganze Jeder hat bestimmt Und ist auch Keiner, der's ihm nimmt. Genau getrennt, die Hälft' bedeutet, Was oft der Lippen Wunsch begleitet; Doch selten wirst Du dort sie sehen, So nach der andern sie müßt' stehen; " Im Gegentheil, sie erst sich zeigt, Wenn schon ein Ende ist erreicht. II. Zweisprachiges Homonym «. Mortrüthfel. Von 6. in R. Wirft Du's sein, So suche es zu leisten Nicht zum Schein. Doch wirst Du Dich erdreisten, Es als Dunst Nur flüchtig zu behandeln, Ohne Kunst Wirst Du in Unglück es verwandeln. Auflösung der Ralhsel In vor. Ur. I. Der Wochenabschnitt Emor fällt immer in Omer. II. (Jer. 48,10) HW Tt!"TO “TH« III. NH (Wolke) und Anan, Stifter der Karäersecte. Itt_ / Verantwortlicher Redacteur vr. Rahm er, Magdeburg. Druck von L. D. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.