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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 7 (1886) · p. Seite 26

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
7 (1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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26 — Eines Tages trat er ganz unvorbereitet in das Zimmer seines Sohnes, und indem er sich bequem in einen Fauteuil niederließ und dicke Rauchwolken aus der kunstvoll geschnitzten Meerschaumpfeife in die Luft kräuselte, begann er mit behaglicher Breite: „Stefan, höre mich aufmerksam an, denn ich habe heute eine wichtige Angelegenheit mit Dir zu besprechen. Ich setze voraus, daß Du dieses müßigen Treibens, dieser närrischen Modestudien, mit denen man keinen Hund aus dem Ofenloch treiben kann, bald müde sein wirst, und daß Du jetzt schon einsiehst, wie es nicht gut thut und eine Versündigung gegen Gott und die Kirche bedeutet, wenn die Eier klüger sein wollen als die Hühner. Gut, das ist nun abgethan", fuhr er zufrieden fort, da Stefan nach einem erstaunten Blick auf den Vater ruhig zuhörte. „Dein schweigendes Zugeständniß ist mir eine Bürgschaft, daß Du in die Bahn der Vernunft und Nachgiebigkeit endlich einlenkest, und weil dem so ist, wirst Du es natürlich und begreiflich flnden, daß meine väterliche Liebe, an die Du doch hoffentlich nicht zweifelst, und mein überlegener Verstand Dir den Weg vorzeichnen und ebnen, den Du zu Deinem Heile wandeln sollst. In pompöser Gcspreitztheit reihete sich Wort an Wort, jedes unterstrichen, wuchtig, weihevoll betont. Ohne Unterbrechung fuhr der Graf fort: „Gestern suchte mich der Pater Franziskus auf, um mir, in vertraulicher Conferenz, eine Eröffnung zu machen, die mir nicht geringe Genugthuung gewährt. Die Fürstin Obolsnska, auf deren Grund und Boden seine Diözöse liegt, sei nicht abgeneigt, gab er mir zu verstehen, Dir ihre einzige Tochter zum Weibe zu geben. Du weißt wie reich und von welch' hohem Adel, der dem unseren kaum noch nachstehet, die Familie Deiner künftigen Braut ist, und durch wie viele wohlthätige Stiftungen, zum Ruhm und Preis der Kirche, sie sich für allezeit einen illüstern Namen in den Annalen unserer vaterländischen Geschichte gesichert hat. Der von einer Generation auf die andere überkommene unverfälschte Glanz der Obolsnski's rührt jedoch zumeist daher, daß sie gleich uns und noch wenigen anderen vernünftigen Familien, vor jeder Berührung mit der Bourgeoisie, vor jeder unreinen Kreuzung des Blutes sich zu bewahren wußten. Nie und nimmer ist ihr ehrwürdiges Wappen durch eine Mösalliance, befleckt worden. Nun ist es bekanntlich nicht leicht, in diesen Zeiten der Verderbniß, die Fahne des Schlachzizthums hoch zu halten und deshalb kein Wunder, daß die erlauchte Fürstin, in der Angst ihres Herzens um die Mackellosigkeit des Namens, für ihren einzigen Sprößling, der Theodosia, bis heute, ihrem 30. Lebensjahre, den passenden Gemahl nicht finden konnte. Du, mein Stephan, bist nun der Auserkorene, und wenn Du auch ein paar Jahre jünger bist als Deine Braut, so kann dies doch kein Ehehinderniß abgeben, und daß sie nicht schön ist, auch etwas zu klein", fügte er leichthin zu, „füllt auch nicht schwer in's Gewicht, bei der großen Auszeichnung, die uns durch diese Verbindung zu Theil wird". Stefan's Herz zuckte krampfhaft zusammen. An dem Gesichtsausdruck des Vaters erkannte er die Unbeugsamkeit seines Einschlusses; er wußte, daß er einem harten, entscheidenden Kampfe entgegengehe, aber seine Kehle war wie von einer eisernen Kralle gepackt und zusammengeschnürt und noch immer war er keines Wortes mächtig. (Fortsetzung folgt.) Versöhnt l Original-Roman von Jda Barber. (Fortsetzung.) „Was aus Dir, Norbert, jetzt werden soll?" entgegnete der Onkel. „Sei kein Egoist! Denke lieber an Deine Familie, denke daran, Euren ehrlichen Namen aufrecht zu erhalten! Lerne arbeiten, um wenigstens einstweilen das, was Du selbst brauchst, zu verdienen!" „Du hast gut predigen, Onkel," entgegnete unwillig der junge Mann. „Rathe mir, hilf mir! Ich brauche dringend bis morgen jene 2000 Gld., die —" „Mensch," unterbrach, seinen Unwillen kaum beherrschend, der Onkel, „wirst Du denn nicht endlich Vernunft annehmen? Die Kasse ist leer, Dein Vater fern, Hunderttausende sind zu zahlen, Deine Mutter ist der Verzweiflung nahe und da denkst Du —" „Ach ja, die Mutter," unterbrach, als ob er sich jetzt erst ihrer erinnerte, der junge Mann; „sie wird Rath wissen," und des Onkels kaum achtend, verließ er das Zimmer, um die Mutter aufzusuchen." „Elender Lump," rief, seinen Unwillen nur schwer bekämpfend, der Onkel. „Wie konnte ein sonst verständiger Mann sich nur einen solchen Sohn groß ziehen!" setzte er gedankenvoll hinzu. Und, um nicht weiter das unerquickliche Thema, das ihn bereits oft beschäftigt, zu ergründen, vertiefte er sich in die vor ihm aufgeschlagenen Geschäftsbücher, wollte Nichts denken, Nichts erwägen, nur endlich Klarheit in das Labyrinth bringen, das ihm unentwirrbar schien. Kaum war er bei der Arbeit, als er wiederum durch Norbert unterbrochen wurde. „Das muß ich aber sagen," sprach der junge Mann in trockenem Tone, „Deine Eigenmächtigkeit kennt keine Grenzen!" Leo Braun legte die Feder nieder und sah ihn fragend an. „Du hast es gewagt," fuhr der junge Mann in steigendem Unwillen fort, „die Mutter zu zwingen, daß sie all ihr Besitzthum, ihr Gold, ihre Juwelen hergebe, um eigenmächtig damit zu schalten? Willst Du etwa schau heut die Erbschaft des Vaters antceten? Noch bin ich da! Ich werde meine Mutter zu schützen wissen!" Der Onkel wallte ihm die ihm gebührende Abfertigung zu Theil werden lassen, doch, er zog es vor, in seiner schlichten, einfachen Weise zu sagen: „Norbert, Du thust mir leid!" „Leid oder nicht," entgegnete heftig der junge Mann, „ich fordere zurück, was Du meiner Mutter widerrechtlich genommen!" „Hat sie Dir nicht gesagt, zu welchem Zweck?" fragte ruhig Leo Braun. Norbert verneinte. „Nun, so wisse denn," fuhr Leo Braun erregt fort' „daß Dein Vater den unseligen Gedanken gehabt, — eine Unterschrift zu — fälschen, daß ich diese Unterschrift eingelöst, selbst 30 000 Gld. zum Opfer gebracht habe und von Deiner Mutter nur forderte, daß sie das Fehlende beisteuere!" „Das — das — hätte der Vater — gethan?" rief Norbert, sich an einen Stuhl festhaltend, um nicht umzusinken. „Das hat er gethan," entgegnete ernst Leo Braun, „und deshalb kam ich her, als ich Kunde davon erhielt und habe den Fleck — Gott in der Höhe sei Dank — zu tilgen vermocht." — „Onkel, vergieb!" rief tief erschüttert der junge Mann: „ich kannte Dich nicht! Wir Alle sind Dir lebenslänglich zu tiefstem Dank verpflichtet!" „Keinen Dank," sagte abwehrend Leo Braun; „aber werde ein Mensch! Trachte, Dich aus Deinem Schlendrian aufzuraffen, ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu werden! Du mußt jetzt, wenn Dein Vater nicht zurückkehrt, die Stütze der Familie sein! Bitte zu Gott, daß er Dir Kraft und guten Willen giebt, Deine Pflicht zu erfüllen!" „Onkel, Onkel," rief ganz fassungslos der junge Mann, ist denn gar nichts zu retten! Ich kann den Gedanken nicht ertragen, als Bettler dazustehen!"

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