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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 3 (1886) · p. Seite 15

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
3 (1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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— 15 — Presse und wo immer ihm Einfluß zustehe, sein rigoroses Vorgehen brandmarken werde, da erst entsMotz sich der 'gute Mann, auf einen Vergleich einzugehen." „Und welchen Vergleich?" fragte Frau Rachelle bebend. „Ich versprach ihm 30 000 Gld. und die 8000, die ich in der Kasse fand; Sie werden ihm 10 000 Gld., soviel dürften Sie ja wohl in Edelsteinen und Metüllwerth haben, einsenden, für den Rest von 12 0O0 Gld. verbürgt sich vr. Sanders mit seinem Ehrenwort!" „Sanders, Sanders!" rief unter Thränen die vollständig fassungslose Frau; „das hätte Sanders wirklich gethan?" „Das that der Mann, den Sie Ihrer Tochter unwerth hielten." sprach, jedes Wort scharf accentuirend Leo Braun. —„Erst in dieser Stunde habe ich ihn kennen gelernt." „Hier haben Sie meine Schlüssel," sagte mit tiefem Seufzer Frau Rachelle; „ich selbst habe nicht die Kraft, mich zu erheben! Im Nebenzimmer finden Sie im Perlmutterschrank meinen Schmuck, — nehmen Sie Alles, nur die als Schlange gefaßten Brillanten möchte ich behalten. — Das Gold- und Silberservice," fuhr sie nach einer Weile fort, „ist im Buffet; die großen Tafelaufsätze gehören der Gräfin, diese wollen Sie zurückbehalten, da sie ihr Hochzeilsgeschenk sind, ini Uebrigen —" „Im Uebrigen dürfen Sie sich auf mich verlassen," unterbrach sie ungeduldig Leo Braun. „Ist die Summe von IO OO0 Gld. erreicht, so bleibt Ihnen der genannte Schmuck und — die Tafelaufsätze, falls nicht, müssen Sie gern oder ungern auf dieselben verzichten!" Und ohne die weinende Frau weiter zu beachten, machte er sich daran, die Schränke zu öffnen. Inzwischen war ein Juwelier mit dem Taxator gekommen; sie prüften und wogen jedes Stück, nahmen ein Verzeichniß auf und setzten die Preise fest. Alles in Allem fanieit nur 9200 Gld. heraus. „Sie werden noch Sachen im Werthe von 800 Gld. beisteuern müssen," sagte Braun, zu der Schwägerin zurückkehrend. Wieder versuchte die hülflose Frau, durch Bitten und Klagen den Schwager zu der Ueberzeugung zu bringen, sie dürfe sich, um nicht in den Augen der Welt zu verlieren, ihrer Kostbarkeiten nicht ganz entäußern. „Wollen Sie," fragte er, „daß ich an Rosa telegraphire, sie soll ihren Schmuck und ihr Silber zu Geld machen? Ich zweifele keinen Augenblick, daß sie es thut, nun, die Zeit eilt — oder wissen Sie sich hier bei befreundeten Familien das Fehlende zu beschaffen?" Rathlos, gebrochen saß die arme Frau da. In Gedanken ließ sie all ihre Bekannte Revue passiren, Alle, die da gern zu ihr gekommen, wenn es opulente Diners gab, Alle, die ihr geschmeichelt, die sie in ihrer Equipage abgeholt, mit ihnen Parthien gemacht, denen sie gefällig gewesen. „Ich werde der Baronin Röder schreiben," sagte sie; „auch der Gräfin Wallmer; sie sind beide in der Lage, mir helfen zu können!" Als sie schon angesetzt hatte, ließ sie die Feder wieder fallen. „Nein, nein," rief sie; „ich würde ihre Freundschaft verlieren! Sie werden nicht mit einer Frau verkehren mögen, die —" „So schreiben Sie nur," unterbrach unwillig Leo Braun; „die ganze aristokratische Sippe wird sich ja so wie so von Ihnen abwenden." Fast dem Zwang gehorchend, schrieb Frau Rachelle. Ein gallonirter Diener trug die Billets fort, kam aber nach Verlauf von kaum einer halben Stunde mit 2 Absagebriefen zurück. Die Damen bedauerten, momentan nicht in der Lage zu sein. Leo Braun sah auf die Uhr; es war */,2. Um 2 Uhr hatte er Feini versprochen, mit dem Gelde bei ihm zu sein. „So nehmen Sie," sagte er zum Taxator, „die Bilder, die im Speisesaal hängen! . Ich denke, sie sind unter Brüdern. 800 Gld. werth!" K „Die Bilder um Alles W der Melt nicht," rief Frau Rächelle. ' „Ich bitte Sie^ tbet' zü' tnit 'kommtwird gleich auf den ersten Blick erkennen, däß ^" '^ i;0 / : „So 'lassen Sie' Niemand zu sich kommen ," unterbrach fest Leo Braun. — Feini bleibt mir nur bis 2 Uhr in Wort., Hat er bis dahin das Geld nicht, so sind all meine Bemühungen vergeblich!" ... Noch suchte er in bem,! mit Spitzen gefüllten Laden ihres Toilettenschranks, da fiel ein in rothen Sammet gebundenes Buch in seine Hände. - > ’ Es trug die Aufschrift: , , Die Worte des Erlösers, Trost in schweren Stunden! Ohne ein Wort zu sagen, reichte er es ihr. Ihre Blicke begegneten einander und sprachen eine stumme, ’ doch nur zu deutliche Sprache. „Wollen Sie mir in meinem Unglück noch Vorwürfe machen?" fragte sie erregt. , „Das sei fern von mir," entgegnete ernst der Schwager; „ich meine nur, daß die Worte des Erlösers Ihnen in diesen schweren Stunden vielleicht Trost bringen werden." „Ich habe das Beten längst verlernt," sagte ausweichend Frau Rachelle. Leo Braun zog aus seiner Brusttasche ein kaum handgroßes, einfaches Gebetbuch, das er stets bei sich zu tragen pflegte und, es der Schwägerin reichend, sprach er: „Hier, Rachelle, diese Gebete haben Sie nicht verlernt! Ich kannte Ihren Vater; er war ein frommer Mann und Ihre Mutter eine echte Frau, die früh und abends, ihre Tchinan in der Hand, vor Gott hintrat. — Versuchen Sie es einmal, zu dem Gott, den Ihre Eltern angerufen, zu beten! Vielleicht ist er Ihnen ein Erlöser in schweren Stunden." Und ohne zu antworten, nahm Frau Rachelle das Gebetbuch, küßte es, benetzte es mit den mächtig hervorquellenden Thränen und verschwand im Nebenzimmer. „Sie wird sich in ihrem Gott wiederfinden!" sagte Leo Braun für sich und zu dem Juwelier tretend, vereinbarte er mit ihm — sich das Rückkaufsrecht iunerhalb dreier Monate ' wahrend — daß die ihm übergebenen Sachen einstweilen für den Erlag von 10,000 Gld. in seinen Besitz übergingen und daß von der ganzen Affaire nichts verlautbart werden dürfe. Fünf Minuten vor der festgesetzten Frist langte er in Feini's Wohnung an. Er war dem Umsinken nahe; hatte er doch seit gestern Abend weder Speise noch Trank zu sich genommen. „Also doch!" sagte höhnend Bankier Feini, als er eintrat; „ich glaubte schon, es wäre Ihnen leid geworden!" Statt aller Antwort zählte Leo Braun das Geld auf, vr. Sanders Accepte beifügend. Lebhaft pochte sein Herz, als ihm Feini jetzt den ge-' fälschten Wechsel überreichte. Er prüfte ihn und zerriß ihn im selben Augenblick in tausend Stücke. „Einen Schluck Wasser!" rief er, „meine Kräfte verlassen mich!" „Sie sind erschöpft! Nehmen Sie doch Platz!" sagte , Feini, den fast Ohnmächtigen in seinen Armen auffangend. Und in abgebrochenen Sätzen erzählte ihm Leo Braun, nachdem er seine Lippen genäßt, was er seit gestern Abend erduldet. „Und diese 30 000 Gld. hätten Sie allen Ernstes ans Eignem gegeben?" forschte ungläubig der Bankier. „Sagte ich Ihnen das nicht schon heut Vormittag?" entgegnete fast beleidigt Leo Braun. „Das hätten Sie wirklich für einen Bruder gethan, der, wie ich von Sanders hernach hörte, Ihnen seit Jahren^ so unfreundlich begegnet?" „Er ist mein Bruder trotz alledem", sagte Leo Braun. „Ich darf keinen Makel auf seinem Namen haften lassen!" „Und das sagt ein Jude?" sprach Bankier Feini für sich — „Opfert ein Jude sein Vermögen, um —" „Lernen Sie erst die Juden kennen, die besseren Juden""

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