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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 3 (1886) · p. Seite 16

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
3 (1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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16 — Unterbrach Leo Brauns ^ihnen ist die Familienehre heilig, sie jagen keinen Phantomen nach, sondern folgen den Geboten der Pflicht und der' Religion. — Mein Bruder war eben, als er den unseligen Gedanken faßte, kein Jude mehr, sonst, bei Gott, er hätte es nicht gethan! Er war ein Abtrünniger, nicht Jude, nicht Christ, ein Mensch ohne sittlichen Halt, ohne Bewußtsein des Rechtes." „Mann, Sie gefallen mir, sagte Bankier Feini, auf ihn zugehend und ihm die Hand reichend. „Die echten Juden kennen zu lernen, habe ich mir zeither wenig Mühe gegeben; ich war in Vorurtheilen befangen, das gestehe ich gern und hätte eben einen Juden nicht einer so edlen Handlung fähig gehalten! Versprechen Sie mir, daß Sie, so oft Sie nach Pest kommen, mein Gast sein wollen. Man nennt mich zwar den Judenfeind und — es ist wahr, ich hasse das schachernde, kriechende, mauschelnde Volk, das sich treten läßt, uuterwürfig thut und dem Goi hernach flucht, wenn das Geschäftchen in's Reine gebracht ist. — Sie aber sind ein Mann voll Adel nnd Gesinnung und wahrlich, hätte ich nicht mein Wort gegeben, zu schweigen, Ihre That verdiente genannt zu werden." „Mein That?" fragte abwehrend Leo Braun. „Ich möchte das doch keine That nennen!" „Kaum weiß ich, ob ich für meinen Bruder das Gleiche gethan haben würde," sagte Bankier Feini. „Ich zweifele keinen Augenblick daran!" entgegnete Braun. „Bin Ihnen für die gute Meinung, die Sie von mir haben, zu Dank verpflichtet," erwiderte Feini verbindlich, „nur danke ich meinem Schöpfer, daß ich keine Brüder habe, die mich in eine so verzweifelte Situation bringen könnten." Er hatte inzwischen geläutet, ein Diener brachte Wein und Erfrischungen und Feini zwang den vollständig Erschöpften, erst in seinem Hause Etwas zu genießen, ehe er weiter ginge. ■ (Fortsetzung folgt.) Sunt 100. Todestage Moses Mendelssohn s. Lon vr. Ferd. Neubürger. Vor drei Jahrtausenden da trieb die Heerde Ein Hirt hinaus, wo einsam sich die Wüste Dem Weltmeer gleich in ew'ger Fläche dehnt: Hehr von Gestalt, aus seinem Auge flammte Des Geistes Licht, das eine Welt erleuchtet Und Segen bringt nachkommenden Geschlechtern In fernster Zeit. Da sah das Flammenaug' Des hohen Manns dort in dem Wüstensand, Wie sich ein Feuer aus dem Dornbusch hob Ihn nicht verzehrend. Da des Wunders staunend Er sich dem Feuer naht, das nicht verlosch . In heller Gluth, da hört er eine Stimme Im weiten, menschenleeren Raum der Wüste: „Nimm deine Schuhe ab, der Boden hier ist heilig Dem Gott der Väter." Und die Stimme sprach: „Du sollst mein Volk aus Sclaverei erretten; 5 Sein Weinen drang zu mir und ich erhöre Des Volkes Fleh'n." — Er aber rief: „Was bin ich Zu solchem hohen Werk!" Da sprach , die Simme: „Ich werde mit dir sein, der Weltenkönig, Der war und ist und sein wird." — Und der Hirte Ward seines Volkes Hirt; er führt es weg AuS Noth und Drang und tiefer Sclaverei. Die Feuersäule schritt dem Volk voran, , Das wilde Meer, das ihm den Weg erlaubte, Sich für ihn theilend, ward des Königs Grab Und seiner Krieger. — Nicht nur für die Dauer Des kurzen Lebens, ward zum Hort und Heil Der Hirte seinem Volk. Auf eh'rnen Tafeln Schrieb er Gesetze, die sein Volk erhalten Für alle Zeit, wenn es sie treu befolgt. Und sterbend zeigt er ihm das schöne Land, Das seinen Vätern mild und voller Liebe Einst Gott verhieß nnd lange wohnt es da- -Der wilde Sturm verstreut den heil'gen Samen In alle Welt, nicht daß er untergehe. — Jahrtausende entfloh'n. In Knechtschaft seufzte bang Nochmals das Volk, von Mose einst erlöst. Die weite Welt war lein Egypten jetzt. — Verachtung, Hohn und bitt'rer Druck sein Theil. — Da ward aufs Neu ein Retter ihm geboren. Unscheinbar von Gestalt, ein schwaches Kind, Das zum Gotteshaus der Vater trug, Armuth sein Erbtheil und die frühe Noth Beugt seine Schulter: Doch im schlichten Schreine Barg sich der Liebe und des Geistes Kleinod — Die Menschliede, der kein Werk zu schwer. Die reichen Schätze, die das Wisse» bietet, Er hob sie für das Volk, an dem mit Liebe Er hing wie Mose und er ward sein Lehrer Begleitet wohl von edler Jünger Schaar. Und gottgesegnet führt er seine Brüder In das gelobte Land der Menschheit ein. Das keine Trennung, nur die Liebe kennt. Gleichwie das heil'ge Erbtheil jener Tafeln, Die Mose einst nicht nur den Brüdern schenkte. Nein, einer Welt, so gab er uns die Werke, Die Sternen gleich in dunkler Nacht erstrahlen Und nie vergehn: „Die Morgenstunden" rufen Zu edlem Tagwerk edle Kämpfer auf, Der hohe „Phädon" weist auf Himmels Glanz Und welterlösend lehrt „Jerusalem" Duldung zugleich und echte Frömmigkeit. Was ihm Egypten war, ward ihm zur Heimath, Zur vielgeliebten und der hohe Geist, Der einen „Nathan" mild der Welt geschenkt, Ein Bild des Freund's; er ruht an seinem Herzen Vom Kampfe aus, den er im Freiheitskriege Der Menschheit führte: Beide ein Symbol Der hohen Zeiten, die vereint sie schufen; Denn neben Deutschlands stolzer Eiche hebt Die Palme sich. Und wie die Freunde einst. So ringen wir vereint den Zielen nach, Die sie gesteckt und werden sie erreichen. Die Zeit des Genius kommt nach dem Tode, Der, was an ihm noch sterblich war, entführt Und weithin Segen spenden eilt ihr Geist Hin durch der Menschheit frohe Morgenstunden. Räthstl- Aufgaben! I. Deutsches Morträthsei. Von Eckmann-Nienburg. Du kennst die Stadt im Morgenland, Sie wird vorn in der Bibel genannt. Setzest Du ihr hinzu ein Zeichen: Jst's 'ne and're Stadt, näher zu erreichen. Setze ferner noch einen Laut hinzu, Einen biblischen Namen findest Du. Fügest Du noch einen Buchstaben an, Den Namen eines Bösen hast Du sodann. II. Hebräisches Homonym. (Zweisilbig.) Von Eckmann-Nienburg. Kennst du die Frau mit Flammenblick Die einst ein hohes Amt bekleidet? Denk' nur an ein Insekt zurück, Das man des Stiches wegen meidet. in. Hebräisches Homonym. Anagramm nnd Logrgryph. Bon 6. in R. Für deinen Fuß ein fester Stand, Rühr's nimmer an mit bloßer Hand; Auch wenn das Ganze umgewandt, Halt's stets aus Deinem Sinn verbannt. Doch rückst ein Zeichen Du vom Rand, Jst's eine Frau, gar wohl bekannt. Auflösung der Räthsel in vor. Ur. I. Mann, Manna, Anna. II. Ein Wort im Tischgebet liest sich „wie Wasser" CltD*'?) HI. *b'S (Eli der Hohepriester) (Jatzl, die Frau des Keniten Cheber). Verantwortlicher Redacteur vr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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