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Die Jüdische Gemeinde · 1927-04-15 · 6 (15.4.1927) · p. Seite 175

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
6 (15.4.1927)
Date
1927-04-15
Page
Seite 175 (sequence 25)
Language
German
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Israel Marcus. Sie glauben, mir sei entgangen, daß es auch außerhalb Berlins Jüdischer Gemeinde Zustände gibt, die sich den unsern würdig an die Seite stellen lassen. Mir ist sogar bekannt, daß es welche gibt, deren Verworfenheit wir erst noch erreichen werden. So hat der Vorsitzende der Bonner Kultusgemeinde, Bankier Louis David, diese durch umfassende Depotunte/schlagungen und Konkursverbrechen um ihr ganzes Vermögen gebracht. Während aber der Gemeinde-David, durch Regionen getrennt, in Legionen verbunden mit unserm Langfinger-Wolff, sich auch der himmlischen Gerechtigkeit zugeschanzt hat, werden in Bonn wenigstens die Verwandten von einer wenn auch zaghaften irdischen Gerechtigkeit ereilt: den Neffen. Bankier Otto David, haben sie wegen Beihilfe zur Depotunterschlagung für drei Monate eingekastelt. Und dieser Unterschied eben enthebt mich der Mühe, die außerhalb des juste milieu vorkommenden Sudeleien in Breite zu erörtern. Dr. Arnold Kaiisch. „Ein Bevollmächtigter der Carnegiestiftung für den Weltfrieden. Dr. Henry S. Pritchett, brachte in einem Bericht auf Grund seiner Beobachtungen und Erfahrungen in Ägypten, Palästina und Griechenland zum Ausdruck, daß die jüdischen Kolonisationsbestrebungen in Palästina eine „unglückselige und visionäre" Bewegung seien und im Laufe der Zeit nur Bitternis und Unglück für Juden sowohl wie für Araber zur Folge haben werden. Tiefe Einblicke in die Situation hätten ihn zu der Überzeugung gebracht, daß die zionistischen Pläne zwecks Gründung einer Nationalheimat der Juden in Palästina niemals einen Erfolg zeitigen könnten, infolge der Armut des Landes und des Mangels jeglicher Industrie. Außerdem hält er die zionistische Bewegung im wesentlichen für eine künstliche, in der Hauptsache hervorgegangen aus dem Enthusiasmus einiger wohlmeinender Männer, die weder die Schwierigkeiten ihres Problems, noch die Interessen der eingeborenen Bevölkerung einzuschätzen wüßten." Mit diesem neuen Zeugnis eines unbefangenen Friedensfreundes können wir die Akten über „Zionismus und Pazifismus" schließen, aber leider nicht hindern, daß Verblendung tausende lebenshungrige Menschen in den Abgrund eines neuen Militarismus reißt. Moritz Stern. Wofür der Leo Kreindler, der als Trifolium aus Berliner Gemeindebeamten, Redakteur und Inseratabteilung des „Israelitischen Familienblatts" ohnehin genug verdient, alljährlich nach den Festen aus dem Kapitel „Verteilung der Ersatzleute für erkrankte usw. Funktionäre für den Festgottesdienst" das nette Sümmchen von dreihundert Märkern erhält? Aber das ist doch der Lohn dafür, daß die rechte Hand der Hamburger Heiratsplantage nicht weiß, wie die geheimsten Vorgänge der Gemeinde in das linke Ohr ihres Funktionärs gekommen sind! Rabbiner Dr. Baeck. Der Keren Hajessod ist keine zionistische Institution? In Nr. 10 des zionistischen „Jüdischen Echo" (München) lese ich: „Donnerstag, den 3. März, fand im Bibliotheksaal der Israelitischen Kultusgemeinde die ordentliche Generalversammlung der Zionistischen Ortsgruppe statt. Nach einem kurzen Referat von Dr. Seide, der einen allgemeinen Überblick über die Hauptfragen der gegenwärtigen zionistischen Politik gab, erstattete Herr Dr. Guttmann als 1. Vorsitzender einen Bericht über die Arbeit im abgelaufenen Geschäftsjahr. Den Kassenbericht erstattete Herr Schachno, den Bericht über den Keren Hajessod Herr Lichtenauer, über den Keren Kajemeth Herr Feder, über die Schekelaktion Frl. Hohenberger, über die Hebräische Sprachschule und das Palästina-Amt Herr Grünbaum." Bericht über zionistische Kasse and Schekelaktion, über Keren Hajessod und Kajemeth trausam verbunden. Wie kommt Kuhmilch aufs Dach; die Sennerin kann doch nicht fliegen? 175

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