Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 6 (15.4.1927)
- Date
- 1927-04-15
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9572329-9573323-9572513--203-9572539- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Israelitisches Familienblatt, Dank für die wirksame Gratisreklame! Diogenes von Neukölln, Sie fragen mich: 1« Ist's wahr, daß die 12 Berliner Gemeinderabbiner in geheimer Sitzung beschlossen haben, angesichts der furchtbaren Notlage verarmter Gemeindemitglieder seit \. Januar 1927 von ihrem 15 000 bis 18 000 Mark pro Jahr betragenden Gehalt den im mosaischen Gesetz vorgeschriebenen Zehnten für die Notleidenden abzugeben? 2. Ist's wahr, daß die Rabbiner die abgeschafften, aber frisch-fröhlich, wenn auch zwanglos, weiter gespendeten ,,Casualien" ungekürzt den Armen zuwenden wollen? 3. Ist's wahr, daß auch die in der Gemeindeverwaltung tätigen Beamten, deren Salär 10 000 Mark beträgt, zehn Prozent dieser Bezüge den Armen, besonders den Altersversorgungs-Anstalten abtreten wollen?" Wär's wahr, wär's ein Beweis, daß wahre jüdische Ethik auch noch außerhalb Auerbachs kleiner Schul- und Hausbibel und sogar innerhalb jüdischer Amtsstellen vorkommt. Also ist's nicht wahr. Ludwig Schindler. Sie hat ein Wort des prachtvollen Karl Kraus entzückt: „Erst wenn das Uebel, gegen das sich die Polemik wendet, dieser selbst anhaftete, also wenn dem Arzt die Lumpereien nachweisbar wären, die er aufdeckt, dem Journalisten die Korruption, die er enthüllt, der Prostituierten das Betragen, welches sie anstößig findet: erst dann wäre doch das Schulbeispiel des Widerspruchs in sich, der Heuchelei jener Gracchi de seditione querentes gegeben." Sie drängt, zu erkunden, wer diesem Sittenbilde Akt gestanden habe. Aber das kann doch kein andrer als der Moses Waldmann, Redakteur der „Jüdischen Rundschau" sein! Der ist seit Jahren zum Hanswurst der jüdischen Versammlungen und zur Redemühle verurteilt, die stets im gleichen und doch ohne Takt herbetet: „Ich kenne de verlogne Seele der daitschen Juden. Der zahnlose Assimilationsliberalismus hat sich überlebt und befindet sich im Abstieg." Und darum muß gerade der Waldmann, diese leibhaftige Ironie des Schicksals, jenen übelsten Typ des Assimilanten noch übertrumpfen, der sich überhaupt erst als wertig vorkommt, wenn er sich mit einigen Titelchen schmücken kann. Als ich diesem journalistischen Hakel jüngst nachsagte, er führe den Doktor zu Unrecht, da hat er die Richtigkeit des Vorwurfs dadurch erwiesen, daß er, der daitsche Seelenkenner, antwortete: er habe „im übrigen an der Wiener Universität nacheinander die philosophischen und juristischen Studien an den betreffenden Fakultäten absolviert." Denn hätte er im übrigen an den betreffenden Fakultäten doktoriert, so würde er dies von sich aussagen und sich Professor nennen. Darum hat jetzt die Wiener Auskunft endgültig festgestellt, der Moses Waldmann habe an den beiden Fakultäten nicht promoviert. Von dem hat einer seiner Freunde geschrieben, nicht einmal seine Fußsohlen berühre solche Feststellung, die er euphemistisch Beleidigung nennt. Das wäre tragisch. Denn wenngleich ich von vornherein weiß, daß Mosen Waldmann die Einsicht der Würdelosigkeit seines Handelns nicht in den Schädel gehen wird, so hoffe ich doch immer, sein Unterbewußtsein werde ihm die Scham darüber bis in den Bauchnabel treiben. ♦♦♦♦^»»♦»♦♦»»♦♦•»»♦^♦♦»»♦♦^»♦^»^♦»»♦^»^^»♦♦«^»^^»♦»»»♦»^»»» Einem Teil der Nr. 6 liegt ein Prospekt des Verlages Gebrüder Rtili bei, den man benutzen möge, um für sich und seine Freunde ein Abonnement auf „Die Jüdische Gemeinde" zu bestellen. ♦♦»♦♦♦»♦♦♦♦»»♦»»♦»»♦♦♦»» Nachdruck mit Quellenangabe gestattet Verantwortlich: Dr. Botho Laserstein, Berlin N4, Chausseestr. 116 — Druck, Verlag und Anzeigenannahme: Gebrüder Rülf, Berlin SW68, Alexandrinenstr. 110 — Postscheck- Konto: Berlin 78642 — Telephon: Dönhoff 1174 u. 4403