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Die Jüdische Gemeinde · 1927-04-15 · 6 (15.4.1927) · p. Seite 174

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
6 (15.4.1927)
Date
1927-04-15
Page
Seite 174 (sequence 24)
Language
German
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Das Einzige, das ich den Frauen von der Politik lasse, das ich von dieser grauenvollen Pflicht männlichen Geistes in ihren immer noch herrlichsten Teil lege, in den mütterlichen Schoß, ist die eingebrannte Pflicht: Kinder zu gebären und großzuziehen im Haß gegen die intellektuelle Brut, in der Liebe und mit aller möglichen Kraft zum Geiste, eine obere menschliche Rasse jüdischer oder sonstweicher unverlierbaren Heimat! IV. Ein Essay, hübsch betrachtend und lustig sezierend, ist das nicht geworden, ich weiß es. Sondern: ein Anruf, eine verpflichtende Erkenntnis, ein Blitz quer durch die kontemplierten Feuilletonistenhimmel, und damit im kleinsten Punkt ein Beispiel für jüdischen Geist. Das Postamt Fritz Nadolny. Was in meinem Archiv vom Direktor Kareski ruht? Neben anderm, weit Wissenswerterm, dies: Kareski, Georg, geboren 1878, erblicher Direktor, ausgezeichnete Verhältnisse. Da ihm die beschieden sind, ist der Mann, der aussieht wie ein Torero, spricht wie Lionel und doch nur ein ganz kleiner simpler Philister ist, glücklich und klagt nie. Felix Pinner, Handelsredakteur des ,,Berliner Tageblatt", wirft ihm vor, als stellvertretender Direktor der Kahlbaum A.-G. diese herabgewirtschaftet, Millionen gekostet und mit einem Übermaß an unverkäuflichen Vorräten bepackt zu haben. Er klagt nicht und bleibt — sie konnten keinen bessern finden — Finanzdezernent der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Der hat, da er noch schlichter Vorsteher war, in einer Vorstandssitzung aufbegehrt: es sei unter der Würde einer jüdischen Gemeinde, mit dem Schieber Jakob Michael in Geschäftsverbindung zu treten. Und wird nun flugs Generaldirektor ebendieses Michael, der aus Deutschland ging, weil gewisse Anwälte hier nicht nur zur Verteidigung des Bürgers da sind, und dessen Deflationsgebahren man auch dann noch widerlich finden sollte, wenn man nicht die antisemitische, sondern die jüdische Ethik vertritt. Vom Michael-Direktor Kareski, Finanzdezernenten einer jüdischen Religionsgemeinde, schreibt am 16. September 1926 die ,,Welt am Abend": „Als Michael nach Frankreich ging, wurde das Berliner Geschäft umorganisiert. Man warf sich auf den AlkoholschmuggeL Michael wurde ein Schmugglerfürst. Den General von Livonius schickte man eigens nach Amerika, um die Möglichkeiten des Alkoholschmuggels in den „Staaten" zu studieren. Er legte die Ergebnisse dieser Reise in einem umfangreichen, etwa 30 Seiten umfassenden Schriftstück seinem Chef vor. Als Leiter für diese dunklen Geschäfte engagierte Herr Michael den von Kahlbaum im Zusammenhang mit dem Spritskandal entlassenen Generaldirektor Kareski." Der bleibt der Gewohnheit treu und klagt wieder nicht. (Erstens schädigt's das Judentum, wenn man den christlichen Richter anruft, und zweitens: man kann doch nie wissen.) Auch als man ihm vorwirft, bei der von ihm geleiteten Mai-Wahl zur Repräsentanten- Versammlung sei nicht alles geheuer gewesen, klagt Kareski nicht. Jetzt hat ihm der Polizeipräsident von Berlin amtlich bescheinigt, bei dieser Wahl sei's sogar so hergegangen, daß sie nicht der Würde einer öffentlichen Körperschaft entspreche und den Gewählten nicht das erforderliche Ansehn verschaffe. Und damit sind wir ja wohl so weit, in ihm den künftigen ersten Vorsitzenden dieser Gemeinde erblicken zu dürfen. 174

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