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Die Jüdische Gemeinde · 1927-04-15 · 6 (15.4.1927) · p. Seite 165

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
6 (15.4.1927)
Date
1927-04-15
Page
Seite 165 (sequence 15)
Language
German
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Schimmer der Spur eines Beweises, daß die Ursache dieses Kampfs „manchmal nur demagogische Wichtigtuerei" sei. „Manchmal *? Wann denn? Er sagt's nicht. Bei wem denn? Er sagt's nicht. Wessen „demagogische Wichtigtuerei" er meint — feig verschweigt er s, aus Furcht, daß die Faust Kurt H i 11 e r s , den er ja meint, ihn literarisch noch töter schlägt, als er schon heut ist. Den Beweis dafür, daß er Hiller meint und keinen andern, liefert seine Aufregung über „Logokratie: dieses Schlagwort des Aktivismus" — welches nur bei Hiller vorkommt: im Untertitel seines Hauptwerks und im Titel eines Essays. Dies „Schlagwort" ist kein Schlagwort; es deckt eine Sache — vor der Goldschmidt freilich verständnisärmer als die Kuh vorm Neuen Tor steht. „Herrschaft der Vernunft! Als ob die Welt vernunftgeboren und auf Vernunft zu gründen wäre!" wispert der Denker. Welch Scharfsinn! Wär' die Welt „vernunftgeboren", dann wär's ja überflüssig, sie „auf Vernunft zu gründen"; weil sie Vernunft 1 o s ist, drum eben tut ihr Vernunft not! . . . Aber logische Operationen darf man nicht einem Hirne zumuten, das ja nichtmal fähig ist, Seiendes und Seinsollendes auseinanderzuhalten, und dessen glücklicher Besitzer unsern Ratio - Postulaten die Weisheit vorhält: „Die Dinge sind in Wahrheit ungleich irrationaler." Wie die Dinge „sind", ist uns wurst; uns interessiert, wie sie sein sollen. Feststellung dessen, was ist, überlassen wir Goldschmidten gerne. Die Unverschämtheit seines Schnoddersatzes: „Es täte diesen Herren (den Aktivisten) gut, einen Kursus Schopenhauer durchzuschmarutzen" (als ob Ablehnung einer philosophischen Lehre — deren Verkünder übrigens, von so einem Zitierer zitiert, im Grabe rotiert — identisch war' mit Unkenntnis der Lehre!) . . . diese Impertinenz läßt uns kalt. Wir wissen, der Impertinente schließt von sich mal wieder auf andre: weil er sich nie auf den Popo gesetzt hat, um einen Kursus heroischen Optimismus durchzuschmarutzen, denkt er, wir hätten nie vom Pessimismus gehört; weil er skrupellos über uns verbreitet, wir seien „unnational und revolutionär" (während wir doch, freilich anders als Hitlers Gauner, Nationalismus und Revolutionarismus zu vereinigen suchen) . . ., weil e r , o alter Unsinn, uns nachsagt, wir verlangten „vom Geist und der Kunst" „Programm- und Tendenzmusik statt — guter Musik" (wiewohl wir natürlich wissen und lehren, daß Tendenzmusik vergebens „tendiert", wenn sie schlecht ist) . . ., weil e r so drauflos urteilt, denkt er, wir täten's auch. Und kraft seiner Unkraft, kraft seines Unterlegenheitsgefühls schickt er, platzend vor Ressentiments, die er bei andern onkelhaft rügt, düster sich an, aufzutreten gegen die „ewig - zwanzigjährigen Gehirne" und einzutreten für den „bewahrenden, sachlichen, vornehmen Typus", alias: für Konservativität, Sterilität, Senilität. 165

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