Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 6 (15.4.1927)
- Date
- 1927-04-15
- Page
- Seite 168 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Opfers); die „Intellektnadeln"; und der „Aufschlag schwarzer Augen". Nein, es ist doch Pogromismus: ein Hooligan der Seele findet hier vor der heiligsten, weichsten, wärmsten Eigenschaft des Judentums keine andre Haltung als die des Hohns; ein heidnischer Rohling bespuckt den Gottesgesandten. Das Wort vom „Aufschlag der schwarzen Augen" bleibt unverzeihlich, weil es das Frivole, Eisige, Ordinär-Brutale seines Verfassers enthüllt. Er siedelte längst um und baut heute auf dem Boden der gegebnen Tatsachen seinen Phrasenkohl; die Linke, in ihrer Instinktlosigkeit, schätzt ihn, und unter keinem Aufruf fehlt sein Name. Es kommt auf ihn nicht an. Worauf es ankommt, ist: daß die Frankfurter Zeitung jenes sublimierte Hep-hep ohne Skrupeln gebracht hat und jederzeit abermals würde bringen können. In ihrer „Kritik" meiner pazifistischen Lehre (eine „Philosophie der Drückebergerei" sei die!) hat sie's vor ganz kurzem erst wieder bewiesen. Eill Anti=Aktivist von Franz Leschnitzer Herr Schriftsteller Kurt Walter Goldschmidt, „bekannt" als Macher einer soliden und langweiligen Prosa, löst hier in Nr. 5 „das jüdische Problem", „entrollt" bei dieser Gelegenheit „die Sündenliste des jüdischen Intellektualismus", . . . und dabei entrollt ihm sein eignes bißchen intellektuelle Rechtschaffenheit. Mit Anti-Pazifismus geht's los. „Rein gefühlsmäßig" freilich ist auch für Goldschmidt „ewiger Friede ein Ziel, aufs innigste zu wünschen" (rein vernunftmäßig wünscht er's nicht, da Vernunft ihm ein böhmisches Dorf ist); aber er rührt, geflissentlich, nichtmal für den „Gefühlspazifismus" 'nen Finger. Grund: Der pazifistische „Mangel an Tatsachensinn, der die leicht beieinander wohnenden Gedanken mit den hart im Räume sich stoßenden Sachen verwechselt." Also nicht auf Verwirklichung des Friedensgedankens (durch exakte Organisation der Kriegsdienstverweigerung etwa), nicht auf Herbeiführung des „rein gefühlsmäßig" so „innig zu wünschenden" ewigen Friedens kommt's an, sondern darauf, Kriege als „Tatsachen" resigniert zu beglotzen, sich vor Kriegsviehischkeiten ergeben zu ducken — darauf, darauf kommt's an, Goldschmidten zufolge. Und sowas wirft uns Philistrosität vor — wörtlich: „platten und philiströsen „Fortschritts"-Optimismus, der in naiv-egozentrischer Diesseitigkeit noch kaum je von der Relativität des Menschlichen und der unaufhebbaren Grundtragik alles Daseins durchschüttert wurde!" Erst vermißt der Denker bei uns „Tatsachensinn", also „Diesseitigkeit", dann sind wir ihm wieder z u diesseitig —: wie's trefft. Aber ekelhafter als die Gewissenlosigkeit, nach der solch Widerspruch 163