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Die Jüdische Gemeinde · 1927-04-15 · 6 (15.4.1927) · p. Seite 162

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
6 (15.4.1927)
Date
1927-04-15
Page
Seite 162 (sequence 12)
Language
German
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Nun gut, hier ist eine Schrift, die auffallen will; die Tapferes, aber nicht Kluges enthält, wie (folgt ein arischer Beitrag), und Kluges, aber nicht Tapferes, wie den Aufsatz von Max Brod . . ., worin dieser Verfasser Gesetze gegen den Imperialismus fordert . . . Der Imperialismus der Stauf er war nichts Geistloses; zu seinen Parteigängern gehörte ein Hermann von Salza, ein Dante . . Und auch wir heute meinen einen Imperialismus, für den es sich zu kämpfen lohnt, eine platonische Idee; nennt sie die Idee einer größeren Vereinigung, aber mit den Organen des Lebendigen, mit kaiserlichen Attributen . . . Soll uns nicht der Kaisergedanke in seinem letzten Grund die humanistische Einigung bedeuten? Dieses Buch ,,Das Ziel" wirkt eigentlich als das Symptom einer'mit kritischen Fähigkeiten allzu reichlich ausgestatteten Richtung . . . . . . Indessen schreitet mancher Verfasser allzusehr m i t der Miene eines Chochem, betrunken von Gescheitheit, durch das Buch. Beginnt man aus diesen Darbietungen die nietzscheanische Flüssigkeit auszuwinden, so behält man zuletzt etwas Stechendes, Kaltes in der Hand, Kristalle aus lauter Intellektnadeln, Schneeflocken mit dem Aufschlag schwarzer Augen und dem Geständnis: weiter nicht s." Der Artikel ist um ein Vielfaches länger und endet mit dem Bekenntnis zu einem „Imperialismus, dem alles gehört und der seine Wohnungen an Parteien vermietet". Ein veredelter Hakenkreuzjargon. — Das Buch wolle ,,auffallen"; als ob das nicht jedes will! Aber der Jude will bekanntlich auffallen. — Brod's antiimperialistische Vorschläge ,,klug, aber nicht tapfer", also echt jüdisch. Daß es nicht nur eine Tapferkeit im Sinne des Bluthunds, sondern auch geistige Tapferkeit gibt, wird ignoriert; der Schatten der Spur eines Grunds, daß Brod sie nicht bewährt habe, keineswegs aufgezeigt. — ,,Symptom einer mit kritischen Fähigkeiten allzu reichlich ausgestatteten Richtung"; da eine ,.Richtung" nicht mit Fähigkeiten ausgestattet zu sein pflegt, darf man wohl annehmen, daß zuerst ,,Rasse" dastand. Die jüdische Rasse mit ihrer negativen Intellektualität, ihrem zersetzenden Geist — das alte Klischee! Wer noch zweifelt, den überzeugt der „Chochem"; die „Gescheitheit" (bekanntes Schimpfwort der Edelantisemiten zur Bezeichnung der ihnen verhaßten Nüchternheit, Exaktheit, analytischen Präzision, logischen Sauberkeit, Rationalität des jüdischen Geistes; es suggeriert dem Leser die Lüge, daß Sauberkeit mit Tiefe, Rationalität mit Ethizität nicht verbunden sein könne); das „Stechende", „Kalte" (das messianische Nein zu dieser Sozialwelt ist nämlich kalt; warm die naive, gedankenlose, rohe Freude an ihr: des Mitmachers und 162

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