Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 6 (15.4.1927)
- Date
- 1927-04-15
- Page
- Seite 159 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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des Artikels 25, 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft) das rituelle Schlachten verboten; wiewohl die orthodoxen Juden einwenden, durch das plötzliche Durchschneiden der Halsblutgefäße setze im Gehirn sogleich die Blutzirkulation aus, wodurch Bewußtlosigkeit eintrete, läßt sich diese Behauptung auf die Dauer nicht aufrechterhalten, zumal nicht bei großem Schlachtvieh. Macht schon das Schächten an und für sich einen ungemein abschreckenden Eindruck, so ist unbedingt grausam die oft höchst rohe Weise, mit der die Tiere vorher mit Stricken gefesselt und zu Boden geworfen werden (soweit es sich um größeres Vieh handelt). Und jetzt beginnt ein zweites Schauspiel: Gott verlangt, daß nur völlig fehlerfreie Tiere geschlachtet werden. Als Fehler werden derartig viele Dingelchen aufgezählt, daß es praktisch der Willkür des Schochet überlassen bleibt, ob er ein Tier nach der Schachtung als rein erklären will oder nicht. Vor allem wird da z. B. untersucht, ob die Lunge ein ,,Loch" hat; ist dieses klein, wird die Lunge aufgeblasen, weil sich dann manchmal das „Loch" überdeckt; andernfalls ist das ganze Tier unrein, weil das Blut nicht genügend gesund war. Liegen die einzelnen Lungenflügel nicht vorschriftsmäßig, ist das Tier unrein; ebenso, wenn sie an den Rippen liegen, sodaß sich vermutlich später einmal ein „Loch" gescheuert hätte!! Um das Fleisch, wenn das Tier schon glücklich als koscher" erklärt ist, ganz blutleer zu machen, werden auch alle Blutgefäße (Arterien, Venen) entfernt, vor allem die Spannader, welche an der Hüftpfanne entlang läuft. Denn sie wird als Sakralnerv angesehen. „Lege deine Hand unter meine Hütte", verlangt Abraham (Gen. 24, 2) bzw. Jakob (Gen. 47, 29) als Bekräftigung eines besonders heiligen Schwures. Denn der Phallus (Beschneidung) ist das heilige Tor der Lebensgeister und steht mit der Hüfte in Verbindung, da sich die Hüftadern von der Geschlechtsgegend aus nach den Beinen sehr weit verzweigen. Aus Gründen der Sicherheit wie der Einfachheit halber läßt man das Hinterteil des Tieres gewöhnlich ganz fort, während es viele arme Leute gibt, die mit Freuden wenigstens einmal in der Woche daraus einen Braten — samt Hüftadern und allem andern — äßen. Schon immer galt im Orient die Hüfte als Sitz der Stärke, weil man dort die Lasten trug, und als Geschlechtssitz; Gebärende legen die Hand an die Hüfte (Mechilta Ug. 209, Par. Haschira, Par. 1). Sind auch die Blutgefäße entfernt, so wird das Fleisch etwa eine halbe Stunde lang in Wasser geweicht und dann, eine Stunde lang, mit Salz bestreut, auf eine schiefe Fläche oder einen eigenen Rost gelegt. Das Salz zieht nun den letzten 159