Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 6 (15.4.1927)
- Date
- 1927-04-15
- Page
- Seite 158 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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in babylonischer Zeit wurde rituelle Schlachtung von Tieren bzw. Verwendung des dabei aufgefangenen Blutes als magischer Zauber empfohlen (z. B. Gittin 68b als Mittel gegen Kopfschmerzen). Um sich vor Gott auszuweisen, daß man Blut geopfert hatte, beschmierte man den Altar, der dadurch wieder zauberkräftig wurde, bzw. am Passahfest die (noch heute als Geistersitz betrachtete) Türschwelle (daher das Märchen vom Ritualmord, den Juden am Passahfest an Kindern begehen sollen). Das übrige Blut mit dem Fett und den Eingeweiden muß als Sitz der Lebensgeister des geschlachteten Tieres und damit der feindlichen, rachsüchtigen Tierdämonen, verbrannt werden. Am Passahfest erfolgt diese Verbrennung vor dem Hause, in dem nächtens das Opfermahl gehalten wird, wobei kein Sterblicher wagen darf, Gott bei seiner blutigen Mahlzeit zu stören bzw. zuzusehen. „Keiner von euch soll zur Türe hinausgehen bis morgen früh", denn draußen ist Jahwe, der „wie Opferrauch und wie eine Feuerfackel zwischen den Opferstücken hindurchschreitet" (Passah-Hindurchschreiten). Das Blut aber, das man an Türpfosten und Schwelle strich, ist ein Talisman, damit der grause Gott sie nicht überschreite (Überschreitungsfest): „Wenn er das Blut erblickt, wird Jahwe schonend an den Türen vorbeigehen und wird dem Verderben nicht gestatten, eure Wohnungen zu betreten, um jemanden heimzusuchen (Genes. Kpt. 12): wo ihm aber nicht das Blutopfer dargebracht wird, „erschlägt er die Erstgeburt". Um die „Seele" gänzlich zu vertreiben, ehe der Mensch Tierfleisch genießen durfte, und um das Blut als Seelenträger vollauf dem danach verlangenden Gotte zukommen zu lassen („du sollst es darbringen zum lieblichen Gerüche dem Ewigen", 3. Mos. 6, 14 u. a. a. 0.). „Und der Herr roch den lieblichen Duft" (1. Mos. 8, 21), ist das Hauptaugenmerk des Schochet, d. i. des jüdischen Schächters (dieses Wort ist aus „Schochet" entstanden) darauf gerichtet, das Tier völlig leerbluten zu lassen. Mit einem großen Messer, dessen Schärfe keine Scharte haben darf, muß er in einem Schnitt dem Tiere Luftröhre, Schlund und Gefäße öffnen; sind z. B. nur Luft- und Speiseröhre, nicht aber gleichzeitig die große Halsschlagader getroffen, so ist es bereits keine koschere Schlachtung mehr. Natürlich verblutet das Tier nun langsam, aber ausgiebig, unter heftigen Zuckungen und Krämpfen: es erstickt, da kein edler Teil vernichtet ist. Diese Krämpfe befördern wohl das Leerbluten, sind aber so schrecklich mitanzusehen, daß sich selbst alte christliche Schlächter, die gewiß alles eher als zart besaitet sind, mit Entsetzen über die Methode der jüdischen Genossen äußern. Da Kulturstaaten bestrebt sind, auch dem Tiere im Interesse der Humanität und Kultur unnötige Quälerei zu ersparen, ist in einigen Staaten (so in der Schweiz auf Grund 158