Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 6 (15.4.1927)
- Date
- 1927-04-15
- Page
- Seite 155 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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deren Mitte auch radikale Tierschützer wie Magnus Schwantje und Professor Max, Herzog zu Sachsen nicht fehlen dürfen, festgestellt hat, ob nach den Erfahrungen von Wissenschaft und Praxis das Schächten eine Tierquälerei ist. Und wenn die Feststellung gegen der Väter Brauch lautet, so wird das zwar nichts wider die mosaische Ethik beweisen, bei deren Schöpfung vor vielleicht fünf Jahrtausenden man Hackenbouterolle, Schußmaske und chemische Tierbetäubung nicht gekannt hat. Es wird uns aber zwingen, in ihrem Namen die Abschaffung eines Tiertods zu verlangen, von dem alsdann erwiesen wäre, daß er seine eigene Wurzel und die schönste menschliche Eigenschaft torpediert: das Mitleiden mit Allem, was einen lebendigen Odem hat. KaSChrilth von Otto Wolfgang Um im voraus Mißdeutungen die Spitze abzubrechen, sei bemerkt, daß der Verfasser selbst jüdischer Herkunft ist und alles eher als das Judentum an sich angreifen möchte. Worum es ihm zu tun ist, das ist lediglich: zu beweisen, daß die jüdischrituelle Schlachtungsmethode, die seiner Ansicht nach eine Tierquälerei darstellt, einem vorweltlichen Blutaberglauben entspringt und daher abgeschafft werden soll und kann; ebenso wie das Tieropfer im Laufe der Zeit abkommen konnte (wenn auch mehr der ,,Not gehorchend" . . .), ohne daß damit dem Judentum irgendein Abbruch geschah, so können und müßten auch die Wenigen, die noch heute aus Gläubigkeit Tierquälerei bei der Schlachtung fordern, dieser Überkommenheit entsagen. Der Verfasser ist davon überzeugt, daß sie nur aus Unkenntnis der inneren Zusammenhänge geschächtetes Fleisch noch heute fordern und davon gewiß abstehen werden, wenn sie einsehen, daß diese Forderung naiven Vorstellungen des Naturmenschen entsprang, mit denen weder ein überkommener Brauch noch gar Tierquälerei entschuldigt werden könnte. „Blut ist ein ganz besonderer Saft" Der dualistisch eingestellte Urmensch bemerkte, daß, soweit der Tod eines Lebewesens nicht überhaupt durch Verbluten eintrat (Jagd, Krieg), nach dem angeblichen Entweichen der „Seele", d. h. des Lebens, das warme Blut des getöteten Körpers auskühlte. Er nahm daher an, daß das Blut Sitz des warmen, pulsierenden Lebens sei. Aus dieser Vorstellung heraus — die auch der Rassentheorie von der Hygiene der Blutmischung zur Erhaltung gewisser Eigenschaften zugrunde liegt — ist auch der Kannibalismus zu erklären: Halbwilde verzehren die getöteten (oder doch in ihrer Gewalt befindlichen) Feinde, um deren Lebenssäfte und -kräfte in sich aufzunehmen. 155