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Die Jüdische Gemeinde · 1927-03-15 · 5 (15.3.1927) · p. Seite 141

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
5 (15.3.1927)
Date
1927-03-15
Page
Seite 141 (sequence 19)
Language
German
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„Wir sehen, wie der Riß zwischen Ost und West sich dauernd vertieft, wir sehen es in Indien (wo zu der Zeit, als diese Worte fielen, Gandhis Non-cooperation-Bewegung Triumphe, feierte — A. N.). Und hier (nämlich in Palästina — A. N.) haben wir ein Medium, das als Bindemittel zu wirken imstande ist." Das also ist der Zweck Palästinas: Bindemittel zu sein zwischen dem Mutterlande und den aufsässigen Kolonien und Dominions, deren Proletariat und Bourgeoisie die Fesseln der fremden Gewalt abstreifen wollen. In der Tat, welches Land wäre geeigneter! Die Türkei kommt nicht mehr in Betracht. Kemal Paschas Regime macht den gierigen englischen Profitlern jeden Bissen mit Klauen und Zähnen streitig. Syrien ist in französischen Händen. Aegypten? Da gewinnt die mit den Mitteln des parlamentarischen Boykotts ebenso gut wie mit den Methoden des Individualterrors arbeitende nationalistische Bewegung immer mehr an Boden, unterwühlt Englands Herrschaft und bedroht damit zugleich dessen entscheidenden Zugang nach Indien: den Suez-Kanal. Was bleibt, wenn alle Stricke reißen, um den Weg nach Indien frei zu haben? Es bleibt: Palästina. Palästina, das den Suezkanal von Osten her beherrscht; Palästina, das der Ausgangspunkt eines zweiten Weges nach Indien geworden ist, den sich England im vorigen Jahr durch die ohne viel Aufsehen erfolgte Annexion eines nordarabischen Gebietsstreifen mit Maan und dem Roten-Meer-Hafen Akabah bahnte. Palästina—Akabah— Rotes Meer heißt die Straße nach Indien, die nunmehr im Falle des Verlustes des Suezkanales den Engländern immer noch offen steht. Und mehr noch. Von dem palästinesischen Hafen Haifa aus führt der berühmte Verkehrsweg bis zum Persischen Golf über Mossul (wo es bekanntlich nach Oel riecht, dessen Quellen England den Türken abgerungen hat!) und Bagdad. Er quert das östlich des Jordan liegende, von dem eigentlichen Palästina politisch abgetrennte Transjordanien. Aber auch die Hedschas-Bahn führt durch Transjordanien, das unter der Pascha-Herrschaft des völlig korrupten Emir Abdullah steht, dem für ein paar tausend Pfund Sterling Land und Leute feil sind. Von Palästina aus hat dessen Oberkommissar Lord Plumer in richtiger Erkenntnis der strategischen Bedeutung des Transjordan-Landes für Großbritannien im Sommer dieses Jahres der Selbstherrlichkeit Abdullahs ein Ende gemacht, dessen Truppe aufgelöst und mit den Palästina-Regimentern unter englischem Befehl — versteht sich! — vereinigt, neben jeden transjordanischen Minister einen englischen „Berater" gestellt und so Transjordanien praktisch in englische Hände gebracht. * Am 15. Juni sprach in Berlin Chajim Weizmann. Wer das ist? Er ist der Präsident der zionistischen Weltorganisation, der in den Salons der amerikanischen Bankiers so zu Hause ist wie in den Vor- 141

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