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Die Jüdische Gemeinde · 1927-03-15 · 5 (15.3.1927) · p. Seite 140

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
5 (15.3.1927)
Date
1927-03-15
Page
Seite 140 (sequence 18)
Language
German
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Ich stehe heute nicht an, diesen Satz als einen logischen Nonsens, zu bereuen. Welch' groteske Verlagerung aller Völker ergäbe sich, wollte man ihnen billigerweise dasselbe „Naturrecht" zugestehen, das ich für das jüdische Volk damals forderte! Und selbst wenn — was wäre die Folge dieses „Besitzrechtes"? Doch nur, daß nun die Araber landlos gemacht würden. Ein Prozeß, der übrigens schon seit ein paar Jahren vor sich geht. Denn seitdem der Zionismus Westeuropas und der des Ostens ihre Entstehungsstadien verließen, hat sich einiges Geschichtliche ereignet. Seitdem brach der Weltkrieg aus, der die Entente- und Zentralmächte um die Kriegsbegeisterung nicht nur ihrer Proletarier^ sondern auch ihrer Juden und um die Sympathie der zum Teil jüdischen Hochfinanz Amerikas wetteifern und in Versprechungen sich überbieten ließ (in Deutschland gab's ein Pro-Palästina-Komitee, dem von den Zollern-Sozialdemokraten bis zum Grafen Reventlow alle Parteien angehörten!) [Zusatz d. Herausg. Es hat eben, mit Hoetzsch, Bredt und Sombart, aber noch ohne Westarp und Hitler, heitre Urständ gefeiert] Seitdem hat Lord Balfour am 2. November 1917, in jener ewig denkwürdigen Woche des Sieges der großen russischen Revolution, Palästina im Namen der englischen Regierung als „national home" für die Juden proklamiert. Seitdem wurde Hebräisch Staatssprache. Seitdem zeigte sich zum ersten Male die blau-weiße Flagge mit dem Davidsstern auf dem Meere. Das ist gewiß eine Tatsache, die in ihrer symbolischen Bedeutung auch den nichtzionistischen Juden bis ins Innerste erschüttert; aber er hüte sich, durch sie gehirnlich berührt zu Hwerden, sondern versuche, abseits aller Gefühlsregungen nüchtern und sachlich an das Problem Palästina heranzugehen. Es wird sich dann herausstellen, daß wir zu wesentlich anderen Ergebnissen kommen als jene jungen Juden, die in schwärmerischer Begeisterung, das Land der Väter mit der Seele suchend, ihre Wurzeln aus dem Urbanen Leben Mitteleuropas rissen und heute den durch jahrtausendelanges Brachliegen steinig gewordenen Boden Palästinas beackern. * Englands Kolonialpolitik war noch nie von Sentiments diktiert. Lächerlich drum zu glauben, daß die Bereitstellung des Heiligen Landes als jüdisches Nationalheim irgendwelchen religiösen Motiven entsprungen sei. Dann mag man ja auch gleich die Geschichtsbuchweisheit für bare Münze nehmen, daß das 175 jährige Kreuzzug-Gemetzel wirklich nur um das Grab des Nazareners und nicht vielmehr um die Eroberung der palästinesischen Eingangspforte zum Roten Meer, zum östlichen und südöstlichen Asien geführt worden wäre. Nein, die britischen Imperialisten hatten und haben ein sehr reales Interesse dabei, das ich nicht besser erklären kann als durch das Zitat eines der hervorragendsten englischen Politiker, des ehemaligen Kabinettsmitgliedes Sir Alfred Mond: 140

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