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Die Jüdische Gemeinde · 1927-03-15 · 5 (15.3.1927) · p. Seite 142

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
5 (15.3.1927)
Date
1927-03-15
Page
Seite 142 (sequence 20)
Language
German
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zimmern Mussolinis und des deutschen Reichspräsidenten, dem beim Völkerbund in Genf die Tore gleich weit geöffnet sind wie bei dem seit der englischen Kohlenkrise berüchtigt gewordenen Sir Herbert Samuel. Weizmann also sagte in einer Berliner Versammlung: „In zehn Jahren wird es kein freies Land in Palästina mehr geben, wenn die Einwanderung anhält. Man wird versuchen müssen, Transjordanien zu erschließen." Und abermals rundet sich ein Kreis. Wieder gehen englische und zionistische Interessen konform. Wir stehen vor einer neuen Phase anglo-zionistischer Kooperation: der „Erschließung" Transjordaniens. Wie sie vor sich gehen wird, das mag Palästinas Beispiel erhellen. 1918 schon begann die Balfour-Deklaration sich auszuwirken. Ein Strom jüdischer Einwanderer lenkte sich ins Land, das in seiner Größe etwa Württemberg entspricht und dessen Einwohnerzahl 191» dreiviertel Million betrug, darunter wohl 60 000 Juden. Heute ist dank der englisch-zionistischen Immigrationspolitik die Zahl der Juden um nahezu 100 000 gestiegen. Die britischen Imperialisten schlagen dadurch zwei Fliegen mit einer Klappe: einmal vermehren sie die Zahl der ihnen ergebenen Elemente im Land, zum anderen lenken sie den Kampf der allarabischen Befreiungsbewegung von sich auf die Juden ab. Divide et impera! — Teile und herrsche! Es war noch immer die Kolonialmethode der gentlemen of the merry old England, durch Ausspielung zweier Parteien selbst zu profitieren. Wie sie es mit den Hindus und Mohammedanern in Indien machen, so auch mit den Juden und Arabern in Palästina. Schon 1920 und 1921 kam es in den Straßen Jerusalems und in den Siedlungen zu sehr blutigen Zusammenstößen. Apropos Siedlungen. Deren Boden haben der zionistische Nationalfond und Bodenkauffond von den Effendis (Großgrundbesitzern) erworben. Die armen Fellachen, die bei den Effendis in Pacht standen, wurden einfach von Grund und Boden vertrieben. So landraubartigen Ursprungs ist vielfach der palästinesische Siedlerkommunismus. Uebrigens ist es damit traurig bestellt. Die Produkte dieser Gemeinschaftssiedlungen sind weit teurer als auf dem Weltmarkt, was auf Mängel technischer Führung, des Bodens und des Klimas zurückzuführen ist, auch wohl darauf, daß diese Siedler kein Geld haben, um günstig einzukaufen. Stillstand und Debacle der Siedlungen, mit deren Hilfe eifervolle Landauer-Jünger den Kapitalismus doch so fein von hinten herum überlisten wollten (wer denkt da nicht an eine edle Freideutschen-Sorte, Jahrgang 1919/20 und später, die mit genau solchen Argumenten vor dem Klassenkampf in ihre ländliche Kommune flüchtete?). So treiben die Verhältnisse die jungen Einwanderer, deren Ziel das Verwachsen mit der Erde, die Synthese zwischen geistiger und 112

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