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Die Jüdische Gemeinde · 1927-03-15 · 5 (15.3.1927) · p. Seite 133

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
5 (15.3.1927)
Date
1927-03-15
Page
Seite 133 (sequence 11)
Language
German
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Jüdische Wohlfahrtspflege von paui Frank Von jüdischer Wohlfahrtspflege wird in dieser Zeitschrift von Zeit zu Zeit zu berichten sein. Vorurteilslos und unparteiisch; anerkennend oder auch anklagend. Wenn Kritik — und nötigenfalls auch scharfe Kritik — im Vordergrund stehen wird, so doch stets aufbauende, helfen wollende Kritik. Unser Lob soll nicht Personen preisen, unser Tadel nicht Menschen kränken! Nur der Sache, der jüdischen Gemeinschaft, unseren hilfsbedürftigen Schwestern und Brüdern sei gedient! Dies erfordert rückhaltlose Offenheit — selbst auf die Gefahr hin, mißverstanden zu werden. Kritik wird in der Wohlfahrtspflege allerdings meist unangenehm empfunden, weil sie angeblich die Arbeit, zumal die Hilfsbereitschaft der ehrenamtlichen Mitarbeiter und den Unterstützungswillen der kapitalkräftigen Gönner hemmt. Kritik stört — wie es so schön heißt —, die „Werbungsaktionen" für gemeinnützige Aufgaben. Dies die Meinung der „Führer". Wie wird man Führer in der jüdischen Wohlfahrtspflege? — Mit den Jahren, oder besser mit den Jahrzehnten. Nach Erlangung von Titeln, Aemtern und womöglich auch Vermögen. Nicht nur um Führer, sondern auch um gewöhnlicher Mitarbeiter zu werden, ist dieses notwendig. Einfache, schlichte Mittelstandsmenschen sind nicht viele, Arbeiter keine zu sehen. Wie sollte man sich auch mit diesen Menschen an den gleichen Sitzungstisch setzen. Und „Sitzungen" bilden doch bekanntlich Symbol und Inhalt der Wohlfahrtspflege. (Daneben - selbstverständlich — wird auch praktische Arbeit geleistet.) Nein, Arbeiter haben in der jüdischen sozialen Arbeit nichts zu suchen — es sei denn als „Petenten". In der öffentlichen Wohlfahrtspflege sind sie tätig, für die jüdische Wohlfahrtspflege haben sie noch nicht den Fähigkeitsnachweis erbracht. Aber auch von Jugend keine Spur. Die Reifezeit für jüdischsoziale Arbeit beginnt erst mit 50 Jahren. Uebertrieben sei dies? Gewiß, es gibt Ausnahmen. Und diese Ausnahmen, in einigen Proletariergegenden Berlins, zeitigen dann auch höchst erfreuliche Ergebnisse. — Zur Wohlfahrtsarbeit sei Lebenserfahrung notwendig? Zugegeben, — aber auch jugendlicher Idealismus. Nur dadurch entsteht gerechter Ausgleich. Die Verdienste der alten „verdienten" Mitarbeiter in Ehren. Wir wollen sie nicht gänzlich missen, wenngleich sie manchmal wahrhaft Ruhe „verdienten". Ruhe für sich — aber auch für die Anderen. Aber ein neues Gesellschaftsethos — man denke nur an das Unehelichen-Problem — entsteht, mit jüdischer Ethik durchaus zu vereinen, aber nur von jungen oder jungfühlenden Menschen zu erfassen. Liebwerte Vorstände, Kuratorien, Ehrenausschüsse: Kommt nicht mit Statistiken über die Alters- und Berufsgliederung Eurer Mitarbeiter. Das steht ja alles nur auf dem Papier. In Wirklichkeit liegt die eigentliche Arbeit fast ausschließlich in den Händen von

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