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Die Jüdische Gemeinde · 1927-02-15 · 4 (15.2.1927) · p. Seite 122

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
4 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
Seite 122 (sequence 32)
Language
German
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macht nicht straffrei). Wie er sich mehrmonatigen Gehaltsvorschuß bewilligte. Wie man die Optionsfrist fürs Bötzow-Land verstreichen ließ und die Zahlung erheblicher Provisionen erforderlich machte. Wie plötzlich, Ende 1924, 1100 Qoldmark Provision auf Konto Wohlfahrtsamt zurückgezahlt wurden. Und endlich holt er zu jenem großen Schlag aus, bei dem ich den Oberschieber der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gepackt habe und für den er mir nicht entwischen soll. Am 9. August, am 1. und am 23. September 1925 hat er, mit falschen Angaben und ohne Rechtsgrund, dem Kassierer der Jüdischen Gemeinde je 4000, 8000 und 25 000 Reichsmark entlockt. Als es nicht mehr zu verheimlichen war, hat er behauptet, einen Beamten des Bezirksamts Prenzlauer Berg bestochen zu haben, um den Friedhof Weißensee erweitern zu können (und sich also der aktiven Bestechung oder der Beamtenverleumdung schuldig gemacht). Zuerst gab er an, ein Vorkaufsrecht abgelöst, jetzt, eine Provision bezahlt zu haben. Hat er sie bezahlt, dann dem Kaufmann Hans Süssmann in Berlin-Schöneberg, dem er in innigster Freundschaft, vielleicht gar durch verwandtschaftliche Bande verknüpft ist. Dies alles und mehr wird der Staatsanwalt, greift er nur durch, feststellen müssen. Und ist nicht umsonst dann die viele Mühe und der Tage und Nächte Werk vollbracht, jdann möchte ich die Gemeindevorsteher sehen, die noch weiter sich dem Rufe verschließen werden: Hinaus mit dem Schuft aus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin! Dr. Arnold Kaiisch. Sie wird diese Nachricht interessieren, weil sie zeigt, wie unerfreulich zutreffend Sie, vom pazifistischen Standpunkt, über die palästinensische Lage unterrichtet sind, und wie erfreulich menschlich französische Geistige denken: „Im Wagram- Saal zu Paris fand am 9. Januar eine Diskussion über Zionismus und britische Politik in Palästina statt, an der sich mehrere hervorragende französische Schriftsteller beteiligten. Herr Pierre Bonardi, der eben von einem Palästina-Besuch zurückgekehrt ist, richtete heftige Angriffe gegen die britische Regierung, der er vorwarf, daß ihre Politik in Palästina dem Geiste des Mandats widerspreche. Es gibt viel Staats- und Brachland, das nach dem Wortlaut des Mandats den Juden zur Verfügung gestellt werden sollte, aber die jüdischen Kolonisten müssen eben dieses Land zu einem sehr hohen Preis erwerben. Der Einwanderung von Juden werden Schranken entgegengesetzt. Den britischen Beamten ist das hohe Intelligenzniveau der jüdischen Einwanderer unerträglich. England hat durch Uebernahme des Palästina-Mandats große strategische Vorteile hinsichtlich der Sicherung Aegyptens und Indiens erworben. Es weigere sich aber, den Preis hierfür zu zahlen. Es wird noch ein Tag kommen, da Juden und Araber gemeinsam sich gegen die englische Herrschaft wenden; vielleicht wird dies der Weg sein, die beiden Volksgemeinschaften einander nahe zu bringen. Herr Bonardi tadelte die französischen Juden, wegen ihrer Interesselosigkeit in den palästinensischen Dingen. Ein anderer französischer Schriftsteller, Pierre La Maziere, der ebenfalls eine kurze Zeit in Palästina geweilt hat, behauptete unter dem Widerspruch der Anwesenden, daß die Juden Palästinas einem extremen Nationalismus huldigen und einen neuen Militarismus großziehen, indem in allen Kolonien Maschinengewehre und andere Waffen gehalten werden. Auch Charles Auguste Bontemps wandte sich gegen den Zionismus und das jüdische Palästina und meinte, die Juden genießen in allen Ländern Gleichberechtigung, die Völker seien bereit, sie sich zu assimilieren, die Juden aber gehen daran, einen eigenen Staat in Palästina zu schaffen, der in Zukunft eine Stütze des Militarismus und Nationalismus werden könnte. Das jüdische Volk aber habe eine andere Mission zu er- 122

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