Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 4 (15.2.1927)
- Date
- 1927-02-15
- Page
- Seite 121 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Postamt Rabbinatskandidat. Deine Oberkollegen werden mir immer unbegreiflicher. Nicht genug, daß sie nichts tun, der Menschheit ganzen Jammer, der in ihre Hand gegeben ist, zu enden (ich hab Ihnen dafür, in „Das Judentum ist der Friede!", eine Note für Unfleiß und Schlechtverhalten ins Zensurbüchel geschrieben), gehen sie jetzt schon dazu über, das Werk derer zu verkleinern, die statt ihrer übernommen haben, die messianische Friedensidee zu verwirklichen. „Selbst Männer wie Kant und Moltke haben sie für eine Utopie erklärt", schreibt Dein Kollege Landrabbiner Dr. Walter-Dessau im „Jüdischen Gerneindeblatt für Anhalt" vom 24. Dezember 1926. Wäre es auch nicht verwunderlich, wenn ein General einem Gedanken abhold gewesen wäre, der seinem Beruf den Garaus bereiten will, und für den selbst die nicht eintreten, die seine berufensten Hüter sind, so trifft das gerade auf Moltke nicht zu, der als reifer Mann sich offen zu den Zielen der Friedensbewegung bekannt hat. Und wo der Königsberger Weise, der, nicht nur mit seiner Schrift „Zum ewigen Frieden", zu den Klassikern des Pazifismus gehört, ihn ins Reich Nirgendwann verwiesen hat, das festzustellen ist nicht einmal mir, dem Historiker des Friedenskampfes, gelungen. Gemeindevorsteher. „Zu wüsten Szenen kam es im Hause des hiesigen Rabbiners Taube. Der Rabbiner, der Leiter einer Bodenankaufsgesellschaft für jüdische Auswanderer nach Palästina ist, wurde beschuldigt, 50 000 Pfund, welche zum Bodenankauf in Palästina bestimmt waren, unterschlagen zu haben. Er sollte zu diesem Zweck vor ein aus drei Rabbinern zusammengestelltes Gericht gestellt werden. Als diese drei Rabbiner zur festgesetzten Zeit nicht zur Verhandlung im Rabbinatsgebäude erschienen, wurde die vor dem Gebäude wartende zahlreiche Menge von Empörung erfaßt. Sie drang in das Gebäude ein, zertrümmerte das gesamte Mobiliar und verprügelte das Personal. Auch in das jüdische Gemeindehaus drangen die Demonstranten ein und verprügelten die dortigen Angestellten." Das ängstigt Sie? Nicht doch! Die Nachricht kommt aus Warschau, im fernen Polen. Der deutsche Steuerzahler freut sich, wenn er ordentlich beklaut wird, und wendet sich gegen den, der ihn davor schützen will. Siegfried Killeberger. Und nun hat ihn der Staatsanwalt. Das war ein Stück Arbeit! Und noch steht die größere bevor, die jüdischen Geister wachzurütteln und zu hindern, daß ferner ein Lump die heilige Gemeinschaft verunreinigt. Darum muß gründlich geräumt werden, und es erscheint notwendig, in dem Augenblick, da der Staatsanwalt die unheiligen Hallen betritt, in denen man die Sünde kennt, und in deren zahlreichen Kammern er sich auch dann noch verirren kann, wenn er durch Beschlagnahmen die Akten vor dem Verschwinden bewahrt hat, in dieser schmerzlichen Minute, da die Staatsgewalt eine Säuberung vorzunehmen sich anschickt, die diese Gemeinde schmerzlos durchzuführen längst Zeit gehabt hat, wird erforderlich, einmal zusammenzufassen, was gegen den Doktor James Ellenbogen vorliegt. Festzustellen, wie im Jahre 1923, als der Staat die Beamtengehälter der mit dem Untergang ringenden jüdischen Gemeinden zu zahlen übernahm, in Ellenbogens Lohnlisten Namen von Beamten auftauchten, die lang entlassen, Jahre schon in eine andre Welt gegangen waren. Wie dann, da gegen ihn und den zuständigen Staatsbeamten die Untersuchung eingeleitet wurde, in der Staats- und in der Gemeindekanzlei die Listen verschwanden. Wie er, am 18. Dezember 1924 und am 11. Januar 1925, 600 und 500 Goldmark als Vorschuß an Unbekannt zu seinen Händen anwies und Ende 1925 wieder zurückzahlte (Rücktritt vom vollendeten Delikt 121