Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 4 (15.2.1927)
- Date
- 1927-02-15
- Page
- Seite 120 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9572329-9573323-9572445--139-9572475- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nähme der Karten in das Büro begeben mußte! In einem viel zu kleinen Raum standen, zankten die Menschen, zerrissen sie sich die Kleider. Das ist die Abänderung, das die Vermehrung der Räume, von der Herr Kollenscher am 8. Oktober 1925 so großartig sprach! Anläßlich einer Versammlung der jüdisch-liberalen Partei im Frühjahr dieses Jahres sagte Gemeindevorsteher a. D. Moritz Rosenthal, daß er es gewesen sei, der den Augiasstall der Gemeindeverwaltung gesäubert habe. Ich bestreite nicht, daß Moritz Rosenthal sich um die Gemeinde sehr bemüht hat. Die Tatsachen beweisen aber, daß vorläufig nichts gebessert ist. Und es bleibt nur bemerkenswert, daß sich die Augiasstall- G. m. b. H. den Vergleich mit dieser Gemeindeverwaltung noch nicht verbeten hat. Heil'ge Ordnung! Max Levy Narischkeiten Sie grüßen sich . . . Die „Jüdisch-liberale Zeitung" vom 14. Januar 1927 schreibt zum Geburtstage eines ihrer Mitbeiter: „Wir aber grüßen und beglückwünschen uns zu diesem unserem Mitarbeiter und hoffen, daß sein freudvolles und sieghaftes Kämpfertum uns und unserer Sache noch lange erhalten bleiben möge." Der Zehn"Gebote-Hoffmann Abgeordnetenhaus 1908, 20. Jan. Sten.Ber. S.584 Bei der Debatte über das furchtbare Grubenunglück in Radbod 1908 regt sich der konservative Abgeordnete Schulze-Pelkum über die Kranz-Inschriften bei der Beerdigung der Opfer auf und sagt: „Da war zunächst auf einer Schleife zu lesen: „Den so jäh dahingerafften Opfern der kapitalistischen Profitgier," auf einer anderen hieß es: „Den Opfern des Kapitalismus/' auf einer dritten Schleife: „Wie der Löwe das Wild friöt auf der Weide, so fressen die Reichen die Armen." Hoffmann: Das ist ein Bibelspruch aus Jesus Sirach! Schulze-Pelkum: Der Zehn-Gebote-Hoffmann muß das natürlich wissen, der kennt die Bibel. (Große Heiterkeit) Hoffmann: Sirach 13, Vers 23! (Heiterkeit) Schulze Pelkum: Ganz richtig! Ich gratuliere zu Ihrer Bibelkunde! Adolph Hoffmann Das heilige Feuer Ich muß Ihnen sagen, mein lieber Dudschenko, daß ich mir niemals über den nahen oder zukünftigen Erfolg idealer Bestrebungen, von deren Wahrhaftigkeit, Gesundheit und Heiligkeit ich überzeugt bin, den Kopf zerbreche. Der Erfolg geht uns nichts an! Wir sind Diener unserer Ideale. Unsere einzige Aufgabe ist, ihnen tapfer und treu zu dienen. Ob als Sieger oder als Besiegte, was macht das aus? Unser Glück besteht darin, dem Ewigen zu dienen und sich ihm, zu opfern. Ich liebe nicht solche, die ungeduldig auf eine Art irdisches Paradies warten, und ich habe kein Vertrauen zu ihnen. Das sind schwache Menschen, die, um gut zu handeln, einer Versicherung bedürfen, daß sie oder die Ihrigen bald dafür belohnt werden. Die Belohnung liegt in uns selbst. Sie kommt nicht von außen. Sie liegt in unserem Glauben, unseren Kämpfen, unserer Tapferkeit. Romain Rolland» 120