Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 4 (15.2.1927)
- Date
- 1927-02-15
- Page
- Seite 118 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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räum soll heiligem Dienste geweiht bleiben; aber die anderen Räume: das ganze Vorderhaus, oft Religionsschule, wird frei sein, wenn der Unterricht, wie meist, in öffentliche Schulen verlegt wird. Etagen stehen zur Verfügung. Der Bescheidene ist schon zufrieden, wenn die Schulzimmer für Abendveranstaltungen ohne Entgelt freigegeben werden. In der Fasanenstraße geht's. Ja, man versuche mit Hilfe einer wohllöblichen Baukommission zur Abwechslung mal geschlossene Türen einzurennen und so aus zwei oder drei Zimmern zeitweise einen kleinen Saal zu machen. Kostet sehr wenig. Der Schulchan aruch der Münchener Straße gestattet es heute schon, in der Wochentags- Synagoge auf Abhilfe jüdischer Not zu sinnen. Geht's nicht auch in den liberalen Synagogen? Nicht auch, wenn gar eine Jugendgemeinschaft einmal außer der Zeit zu unserem Gotte beten will? Und es gibt noch andere brauchbare Vor- und Nebenräume. Die Forderung der Stunde ist noch in diesem Winter erfüllbar und lautet: Gebt alle geeigneten Räume der bestehenden Gemeindesynagogen frei für jüdische Zwecke aller Art, aber ohne Mitverhinderungsrecht der Synagogen-Vorstände. Und darüber hinaus: Türmt keine großen Tempel, schafft „Keimzellen jüdischen Lebens". Denn in der Keimzelle liegt die Erbmasse. II. Keine Kleinigkeit ist die Geistesarbeit des Gemeindepolitikers. (Binsenwahrheit, bestritten nur vom Hambg. Familienblatt); denn der kämpft für seine Weltanschauung im Jüdischen. Und zwar kämpft der Liberale gegen den Strenggläubigen, der Nationale gegen den deutschen Assirni- Janten und umgekehrt, vielfach umgekehrt. Es zieht auch zu Felde gegen deutschen Liberalismus der liberale Nationaljude, geeint mit dem strenggläubigen Deutschen. Dieser kann aber — hier, wie im heiligen Lande — auch anders. Er muß oft auch gegen den Nationaljuden antreten. Man sieht, es ist ein kolossales Getümmel, und kein Napoleon ordnet die irdischen Heerscharen. Kampf der Ueberzeugungen muß sein, wenn er Bruderkampf ist für gleiche Ziele. Nobel. Keine Selbstzerfleischung. Der Liberale ringt mit der Orthodoxie allein und ausschließlich um die ihm oft versagte Anerkennung, ein ebenso hochwertiger religiöser Jude zu sein. Damit muß für ihn der Kampf enden. Ja, ihm bliebe das gewaltige Mosaikwerk „Judentum" nur ein Torso, wenn in ihm die wertvollen orthodoxen Steine fehlten. Was strenggläubiges Gewissen sonst fordert, will und muß liberale Gesinnung erfüllen helfen. Hat es immer getan. In inniger Verbundenheit tragen beide gemeinsam jüdische religiöse Idee, Ethik, Wissenschaft und vieles mehr im Herzen. Und Beiden bedeutet Gleichsetzen von Judentum und Blutgemeinschaft, von Judentum und Nation eine Minderung köstlichen Gutes. Auch im Kampfe der Ueberzeugungen bringen nur zwei Fronten Entscheidung. Da habt Ihr sie: Religiöses gegen Bluts- und nationales Judentum. Darum: Juden aller religiösen Richtungen vereinigt Euch! Kurt Fleischer Heil'ge Ordnung! Heil'ge Ordnung herrscht in der Verwaltung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin nicht. Bei den Wahlen zur Repräsentantenversammlung, im Frühjahr dieses Jahres, wurden den Wahlberechtigten Karten zur Teilnahme an der Wahl zugesandt. Nach welchem System, beziehungsweise nach welchen Listen man bei der Versendung der Karten vorgegangen ist, ist unersichtlich. Irgend eine Reihenfolge oder Ordnung war nicht zu bemerken. Denn sonst wäre es nicht möglich gewesen, daß unzählige Personen, namentlich Frauen, keine 118