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Die Jüdische Gemeinde · 1927-02-15 · 4 (15.2.1927) · p. Seite 117

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
4 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
Seite 117 (sequence 27)
Language
German
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eine klare Begründung dafür bekommen können. Meist muß man sich mit der kategorischen Erklärung begnügen: „Ich nehme keine Jüdin ins Haus"; nicht gerade oft wird das mit dem Vorhandensein jüngerer Kinder begründet, die man nicht dauernd mit einer Andersgläubigen zusammen wissen möchte. Selten ist es auch rein antisemitische Gesinnung, die verbietet, eine Jüdin im Haus zu beschäftigen, schon weil sie jeder Schandtat fähig sei . . . Im allgemeinen ist der Grund einfach ein Vorurteil: man ist nicht gewohnt, Juden in so untergeordneter Stellung zu sehen und traut ihnen daher wohl auch nicht zu, daß sie die entsprechenden Pflichten restlos erfüllen können. Ist diese ganze Einstellung bei christlichen Hausfrauen aus einer natürlichen Scheu vor dem „Experiment" (das es für sie ja wäre) noch zu entschuldigen, so ist sie aufs schärfste zu bekämpfen bei den , jüdischen Frauen. Diese befürchten nur in seltenen Fällen eine geringere Leistung des Mädchens; hier sind vielmehr gewisse sentimentalische (als Begründung falsche und geradezu unmoralische, in ihrer Auswirkung gefährliche) Motive ausschlaggebend. „Es ist mir, als Jüdin, peinlich, ein jüdisches Dienstmädchen zu beschäftigen", das hörte ich immer wieder, Dutzende von Malen. Eine andere Begründung wird garnicht versucht, da man wohl fühlt, sie wäre sofort zu widerlegen. Ich finde es von jedem Standpunkt aus unerhört, daß man ein jüdisches Mädchen für eine Arbeit für zu gut hält die man einem andern bedenkenlos aufträgt, zumal man keineswegs geneigt ist, ihm auf irgendeine andere Art zu helfen. Und, sehr verehrte gnädige Frau, sind Sie sich über die Konsequenzen Ihrer Handlungsweise im Klaren? Ueberlegen Sie. daß Sie dieses arme Mädchen, über kurz oder lang, auf die Straße treiben, wenn nämlich der Hunger sie dazu zwingt? Wissen Sie, daß es jüdische Prostituierte £iör, und daß Sie ihre Zahl vermehren helfen, was ich Ihnen leider beweisen kann? Was ist Ihnen peinlicher: ein jüdisches Dienstmädchen oder eine jüdische Dirne? Sie haben aber nur diese Wahl. Darum, Ihr Hausfrauen, Ihr mögt Sara heißen oder Kriemhilde: nehmt auch jüdische Mädchen ins Haus! Edwin Sierads Keine Kleinigkeiten I. Keine Kleinigkeit, sondern große jüdische Sache ist es, mit tönendem Worte „die Keimzelle jüdischen Lebens" — bereits terminus technicus — zu verlangen. Baut keine großen Gotteshäuser, baut kleine Tempel, zerstreut über die ganze Stadt, wie wir selbst mit Versammlungsraum (auch ohne Hut gebrauchsfähig), und mit Gesellschaftsraum für alle Jugend ohne Heim. So wird, bemerken richtig unsere Eintagsweisen, im geselligen Umgange Taufe und Mischehe bekämpft, so wird für jeden Stadtteil eine Kehi No ä la Kleinstadt geschaffen, in der religiöses Leben frisch pulsiert. Unsere sieben Mal (in einer Woche) Weisen zeigen auf das Vorbild der großen christlichen Jugendvereine hin und fordern den Bau von Gemeindehäusern mit Wohnräumen für die Arbeiter und Angestellten beiderlei Geschlechts, die möbliert und in Schlafstellen wohnen müssen. Schluß der Reden: „ein Ziel, aufs innigste zu wünschen." Großer Beifall der bekannten Gesichter. Die Gemeinde erklärt ihre finanzielle Impotenz. Wohlwollende Erwägung. Erledigt. Wirklich erledigt? Wirklich, solange unsere großen Synagogen nur stehen, bis auf die wenigen Stunden im Jahre, allwo die Autos in Reihen den Verkehr hindern würden, wenn ihn nicht der Synagogen-Vorstand durch Gesetz regelte? Der große Tempel- 117

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