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Die Jüdische Gemeinde · 1927-02-15 · 4 (15.2.1927) · p. Seite 112

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
4 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
Seite 112 (sequence 22)
Language
German
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tum" in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat. Bald wird sie vollzogene Tatsache sein, wenn die deutschen nichtzionistischen Juden sich nicht energischer als bisher dagegen zur Wehr setzen. Bemerkenswert war die Rede des Kultusministers Dr. Becker: „Ich selbst habe Gelegenheit gehabt, festzustellen, daß unsere jüdischen Volksgenossen (er meinte sinngemäß: Mitbürger) uns Deutschen auch darin ähnlich sind, daß sie über Ideen miteinander streiten. Schon York hat diese Parallele zwischen Juden und Deutschen gezogen. Ich habe zuviel Respekt für die jüdischen Mitbürger, um es nicht ihnen allein zu überlassen, wie sie sich zu diesem Problem stellen." Die Art, wie hier ganz bewußt den deutschen Volksgenossen alle jüdischen Mitbürger gegenüber gestellt werden, zeigt, daß die von uns jüdischen Deutschen erstrebte Synthese „Deutschtum und Judentum" wohl in uns vollzogen, aber in der Oeffentlichkeit leider noch hart umstritten ist. Der Grund hierfür? Die laute Propaganda der Zionisten, ihre Behauptung, die Juden seien deutsche Staatsbürger jüdischer Nation, übertönt unser oft wiederholtes Bekenntnis zum deutschen Volke urn ein Vielfaches. Wir hielten es bisher für ein Gebot jüdischer Solidarität, in der Oeffentlichkeit mehr das Einigende im Judentum zu betonen als das Trennende. Wir übersahen, daß wir dadurch halfen, die These von Wirtsvolk und Gastvolk zur Wirklichkeit werden zu lassen. Herr Dr. Becker überläßt es uns, wie wir uns zu diesem Problem stellen. Wir müssen ihm antworten, daß es für uns gelöst ist. Man muß unterscheiden zwischen jüdischen Staatsbürgern deutscher Nation und jüdischen Staatsbürgern jüdischer Nation. Die Zeit der Entscheidung aber ist für jeden deutschen Juden gekommen, entweder laut und deutlich abzurücken von der zionistischen Ideologie des jüdischen Volkstums oder deutscher Staatsbürger II. Klasse zu werden. Ein Drittes gibt es nicht. Und da wollen wir doch lieber auf die Einigkeit verzichten, ehe denn wir solche Menschen mindren Rechtes geworden sind. Wir betonen überall und immer freudig unsere Schicksalsgemeinschaft, wir bekennen uns stolz zum Judentum. Wir fühlen uns aber tief verwurzelt im deutschen Volk und in deutscher Kultur und lehnen entschieden jede jüdische Kulturgemeinschaft, alle Verbundenheit mit einem geistigen Zentrum in Palästina ab. Die jüdisch-völkischen Menschen sprechen eine andere Sprache als wir, wir stehen ihren Gefühlen, ihrem Wollen fremd gegenüber, uns trennen Welten! Das muß immer wieder gesagt werden, je nehr Anstrengungen die Zionisten machen, uns von der deutschen Nation zu trennen Rufen sie jetzt sogar wieder Andersgläubige zu Hilfe, um sie mit dem neuen Comite vor ihren Wagen zu spannen, so müssen wir nur desto lauter erklären: Verallgemeinert nicht! Ve*wechselt uns jüdische Deutsche nicht mit den Nationaljuden, die ihr Vaterland in Palästina sehen! Während die Volksjuden nur die Pflichten als Staatsbürger erfüllen, mit ihrem Herzen, ihrem Sehnen und Trachten aber in Palästina weilen, fühlen wir uns mit Euch schicksalhaft verbunden. Unter- 112

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