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Die Jüdische Gemeinde · 1927-02-15 · 4 (15.2.1927) · p. Seite 111

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
4 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
Seite 111 (sequence 21)
Language
German
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mit Ungeduld das jüdische Laubhütten-Fest. „Dann wird Gott schon Regen schicken!" behauptet der tartarische Volksmund. Nachdem die Juden zu Rosch-Haschanah am Flusse ihr Taschlich-Gebet gelesen haben, schöpfen die Tartaren mit Krügen das Wasser, das bei ihnen nun als heilig gilt. Die Krimtschaken ihrerseits erkennen nicht weniger die Gebräuche ihrer Nachbarn an und rufen manchmal zu Schwerkranken einen tartarischen Mullah, der über den Kranken dann einige Bruchstücke aus dem Koran spricht. Die Beziehungen zwischen den Krimtschaken und den übrigen Krim-Juden, welche von den ersteren als „polnische" Juden bezeichnet werden, sind ziemlich freundschaftlich (die Vertreter beider Gruppen schließen sogar manchmal Ehen miteinander. Doch herrscht im allgemeinen eine gewisse Entfremdung zwischen ihnen, da die russischen Juden, infolge ihrer geistigen und kulturellen Vorzüge, die Krimtschaken mit einer gewissen Herabsetzung betrachten, — jene dagegen in den russischen Juden Freidenker sehen, welche die religiösen Gesetze nicht immer streng befolgen. Einen festeren Zusammenschluß hindert auch der Mangel an einer gemeinsamen Sprache, da die Krimtschaken nicht jiddisch, die russischen Juden dagegen kein Tartarisch sprechen. Zur Verständigung könnte hier nur die hebräische Sprache dienen, aber auch deren sind nur sehr wenige Krimtschaken mächtig. In letzter Zeit greift übrigens eine gewisse Annäherung Platz, da die russische Sprache sich immer mehr unter den Krimtschaken verbreitet. Während meines Aufenthaltes in Karassubasar im Jahre 1924 bemühte ich mich, bei den Krimtschaken Altertümer, Handschriften und alte Ausgaben hebräischer Bücher zu finden. Leider habe ich nur sehr weniges gefunden. Noch vor 10 Jahren haben sie, nach jüdischem Brauch, fünf Fuhren von Handschriftsfragmenten, alten Büchern und dergleichen auf dem Friedhof bestattet, und vor vier Jahren taten sie dasselbe mit noch einigen Fuhren. Die bei ihnen übriggebliebenen Handschriften fand ich in einem kläglichen Zustande: die Blätter waren auseinandergerissen, teilweise von Ratten zerfressen. Auf meine Anregung hin bildete man eine Kommission, die von nun an die Handschriften hüten und einbinden lassen soll. Es war die höchste Zeit, daß etwas zur Erhaltung dieser Altertümer und zur Erforschung der Eigentümlichkeiten der Krim-Juden geschehen ist. Denn unaufhaltsam arbeitet das Sowjetsystem an der Nivellierung des Volkes. Noch einige Jahre weiter — und man wird vielleicht keine Spur von der fesselnden Ethnographie der Krimtschaken finden. PrO Palästina COIllite von Georg Mecklenburg Die Gründungsfeier dieses Comites, die dabei von den Vertretern der Regierung und anderen hervorragenden Persönlichkeiten gehaltenen Reden haben den Beweis erbracht, daß die Verwirklichung der von den Zionisten verfochtenen Antithese „hie Deutschtum — hie Juden- 111

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