Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 4 (15.2.1927)
- Date
- 1927-02-15
- Page
- Seite 110 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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„Gebe 40 Kopeken dafür, daß dem Bräutigam der Kopf gewaschen wird!44 ruft einer aus. „Und ich gebe 50 dafür, daß er ihm nicht gewaschen wird44, entgegnet der zweite . . . Die Geldsumme, die sich infolge dieser Versteigerung ansammelte, wurde für wohltätige Zwecke verwendet. Die Trauungszeremonien bei den Krimtschaken beginnen schon zwei bis drei Tage vor der Hochzeit mit dem feierlichen Transport der Aussteuer der Braut in das Haus des Bräutigams. Frühmorgens begibt sich das Publikum in das Haus des Bräutigams, und von dort geht es mit dem Bräutigam, seiner Verwandschaft und einem Musikorchester an der Spitze, in das Haus der Braut, wo eine Mahlzeit serviert wird, die zwei Stunden dauert. Nachher führt man in derselben feierlichen Ordnung die Braut zu den Eltern des Bräutigams und begibt sich dann auf den Synagogenhof, wo die Trauung vollzogen wird. Die Krimtschaken zeichnen sich durch strenge Religiosität aus. Bis zu der Hungersnot im Jahre 1921 gab es unter ihnen keinen, der nicht das Kaschruth gehalten hätte. In der Synagoge von profanen Dingen zu sprechen, galt bei ihnen als ein Verbrechen, und daher betreten sie erst die Synagoge, wenn sich schon alle zum Gebet versammelt haben. Nach dem Gebet verlassen aus dem gleichen Grunde alle gemeinsam in stiller Andacht die Synagoge. Nach dem Abendgebet gehen sie ins Haus des Cha-chams, der ihnen Abschnitte aus dem Talmud und Schulchan-Aruch vorträgt. Ich habe die krimtschakische Gemeinde in der Stadt Karassabusar in den zehn Bußtagen (zwischen Rosch ha-Schanah und Jörn Kippur) besucht. Es fiel mir auf, daß alle männlichen Glieder der Gemeinde und auch viele Frauen vom Anfang des Monats Elul an jede Nacht zu Slichoth gehen. Das Gebet beginnt um drei Uhr nachts. In den zehn Bußtagen fasten die meisten, darunter auch Frauen, indem sie es so einrichten, daß sie von drei bis vier Uhr morgens zu Slichoth in der Synagoge sind und dann in ein tartarisches Cafe gehen, das für sie speziell früh geöffnet wird. Von dort aus gehen sie zu Schacharith und fasten nachher den ganzen Tag. Dies beweist, daß die religiöse Erziehung bei ihnen feste Wurzel gefaßt hat, daß sie sich aber nicht durch selbständiges Denken auszeichnen. Diese Festigkeit des Judentums haben sie ihrem Cha'cham, dem berühmten Gaon und Zaddik Rabbi Chiskijahu Medini zu verdanken, der bei ihnen Ende des vorigen Jahrhunderts durch 40 Jahre weilte, sich mit ihnen beschäftigte und sie erzog, wie ein Vater seine Kinder erzieht. Die Krimtschaken leben in sehr gutem Einvernehmen mit den Tartaren. Da diese beiden Nationen auf einer gleich niedrigen kulturellen Stufe stehen, können sie in ihrem Aberglauben miteinander wetteifern. Dabei hat jede Partei große Achtung vor den abergläubischen Gebräuchen der andern. Wenn zum Beispiel im Herbste der für die Ernte so notwendige Regen ausbleibt, erwarten die Tartaren HO