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Die Jüdische Gemeinde · 1927-02-15 · 4 (15.2.1927) · p. Seite 107

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
4 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
Seite 107 (sequence 17)
Language
German
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ihre Fehler allein machen muß. Und so erziehen sie bestenfalls verwöhntes Mittelmaß oder müde Passivisten statt zielklare Makkabäer. Selbst wenn sich ihre Opfer zur Härte, zum Kampf, zum Aktivismus durchfinden, bleibt eine gewisse Verkorksung, ein kleiner hysterischer Komplex, ein peinlicher Rest von Familie. * Ich bin für ein Gesetz, das prager Juden die aktive Literatur verbietet. Ich bringe auch gleich eine Liste von Solchen mit, für die das Gesetz dringend zu suspendieren wäre. Zum Beispiel gibt es in dieser schönen Stadt die Redaktion einer europäischen Zeitung, die ich liebe. Aber im Allgemeinen ist der Export des pilsener Rauschgifts weniger stark und wirkt weniger entkräftend als die Ausfuhr Prags nach der deutschen Literatur. Das sind so weiche Betaster der Welt, von der sie nur die geistigen Spitzen kennen, daß man sie für acht Wochen mit dem rüdesten Parteiboxer der Kommunisten in Gemeinschaftszelle legen sollte. * Der Gesetzgeber Moses, der nach dem gelobten Land durch die Wüste zieht, — der Hohepriester Aaron, der das goldene Kalb umtanzt, — der müde Heiland Josua aus Nazareth mit der Dornenkrone. ... ließen sich die Menschen in Typen ordnen, dies wären die drei jüdischen. Nur müßt Ihr den Moses-Menschen mit der Laterne suchen! Sucht ihn! * Ob ich das Judentum liebe? Karl Kraus ist Jude. Die Krim-Judeil von Isaak Markon II. Ethnographisches. In der Krim haben sich bis jetzt noch die Nachkommen jener Juden erhalten, welche dort schon während der Herrschaft der tartarischen Chane, vor der russischen Eroberung Krims, lebten. Sie bilden eine von den übrigen Krimschen Juden ganz abgesonderte Gemeinde und nennen sich „Krimtschaken". Nach äußerem Aussehen, Gebräuchen, Sitten und Lebensweise sondern sie sich sehr wenig von den Tartaren ab. Sie sind fast alle hoch gewachsen, hager. Viele von ihnen haben rötlich-goldenes Haar, was bei den Tartaren übrigens nur selten vorkommt. Außerdem zeichnen sie sich vor diesen noch dadurch aus, daß sie den Kopf nicht rasieren, sondern ihr Haar kurzgeschoren tragen. Am meisten hat sich der echt jüdische Typus bei den Frauen erhalten. Bis auf die letzte Zeit gebrauchten sie viel Kosmetik, wie es überhaupt bei den Frauen des Ostens üblich ist; sogar die inneren Handflächen färbten sie mit rötlich-gelber Farbe, der sogenannten „Chna". Auf den Straßen erschienen sie, gleich den Musulmänninnen, nur mit verdecktem Antlitz. Die Krimtschaken sprechen kein Jiddisch, sondern den djagatäischen Dialekt der tartarischen Sprache; die jüngere Generation 107

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