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Die Jüdische Gemeinde · 1927-02-15 · 4 (15.2.1927) · p. Seite 108

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
4 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
Seite 108 (sequence 18)
Language
German
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spricht außerdem noch russisch. Die Krimtschaken leben hauptsächlich in den Städten Karassubasar, Theodosia, Kertsch, Sevastopol, Eupatoria und in geringen Gruppen an verschiedenen Orten der Krim und Neu-Rußlands. Nach der von ihnen selbst im Jahre 1913 vorgenommenen Volkszählung war die Zahl der Krimtschaken ca. 6000 Seelen, von welchen ungefähr die Hälfte auf Karassubasar entfällt, das schon seit mehr als 300 Jahren ihr Zentrum bildet. Inzwischen haben sich diese Zahlen geändert. In den Jahren 1919 bis 1920, als in der Krim General Wrangel waltete, wanderten zahlreiche Familien aus, mit der Absicht, über Batum nach der Türkei zu gehen. Einigen gelang es auch, andere hingegen kehrten zurück; der größte Teil aber ist in Batum geblieben. Von den letzteren sind viele an Hunger und Krankheiten gestorben. Der Hunger in der Krim im Jahre 1921 hat beinahe die Hälfte der Krimtschaken in Karassubasar und etwa ein Drittel von ihnen an den übrigen Orten vernichtet. Eine bedeutende Zahl der Krimtschaken treibt Handwerk; 75 Prozent unter ihnen sind Schuster, 20 Prozent Kürschner und ca. 5 Prozent Klempner. Nur ein kleiner Teil der Juden beschäftigt sich mit Landarbeit, Gärtnerei, Weinzucht und Handel. Die Krimtschaken wohnen in sehr sauberen Häusern. Es sind überhaupt stille und arbeitsame Menschen. Ihre Mahlzeiten nehmen sie auf Teppichen und Kissen, rings um einen niedrigen Tisch sitzend, ein, genau wie die Tartaren. In früheren Zeiten kamen bei ihnen Fälle der Polygamie vor, jetzt ist das fast gar nicht mehr der Fall. Interessant sind die Hochzeitsgebräuche der Krimtschaken. Bei der Verlobung, welche mit großer Feierlichkeit vor sich geht, versammeln sich die Gäste anfangs im Hause des Bräutigams. Von dort aus begleiten sie ihn ins Haus der Braut. Dort wird das „T'naim" (Verlobungs-Vertrag) geschrieben, in das ein erschöpfendes Inventar der ganzen Ausstattung der Braut aufgenommen wird. Bei dieser Gelegenheit wird jeder Gegenstand der Aussteuer, sowie Kleidungsstücke, Gold-Verzierungen usw. besonders geprüft und abgeschätzt. Jeder Anwesende sagt seinen Preis, die Verwandten der Braut suchen alles möglichst hoch, der Anhang des Bräutigams dagegen niedriger zu schätzen. Es gibt einen wahren Kuhhandel zwischen beiden Seiten, bis der Preis endlich festgesetzt ist. In früheren Zeiten war es Brauch, daß einen Tag vor der Hochzeit oder am Hochzeitstage selbst die Freunde des Bräutigams zu ihm ins Haus kamen, wo sie mit Wein, Naschwerk und anderem Imbiß empfangen wurden. Danach begleiteten sie den Bräutigam ins Bad. Dort geschah eine sonderbare Zeremonie, eine Art von Versteigerung. „Ich gebe 50 Kopeken dafür, daß der Bräutigam ausgekleidet wird", sagt der eine. „Und ich gebe 60 dafür, daß er nichl ausgekleidet wird", versetzt ein anderer. Solch ein Handel wurde um das Ablegen jedes Kleidungsstückes des Bräutigams geführt. Nachdem letzterer endlich entkleidet war, begann die Prozedur von neuem: 108

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