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Die Jüdische Gemeinde · 1927-02-15 · 4 (15.2.1927) · p. Seite 99

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
4 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
Seite 99 (sequence 9)
Language
German
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nützen kann. Das jüngere historische Recht der Araber auf Palästina erscheint mir näher begründet als das ältere und überalterte der Juden. Das Entstehen eines nationalen Fanatismus in Vorderasien bereitet, bei möglichen Schwächezuständen der britischen Mandatsherrschaft, einen Riesenpogrom vor. Das Vorhandensein eines faschistischen anti-arabischen Flügels im Zionismus bekümmert mich als Pazifisten. Ich glaube den Zionisten auch nicht, daß es eine besondere jüdische Rasse gibt, welche man, eben weil Rassen isoliert werden müssen, isolieren muß. Statt zu skizzieren, was hierüber Anatole Leroy-Beaulieu in „Israel .chez les Nations", was Friedrich Hertz in „Rasse und Kultur", und was Felix von Luschan in „Völker, Rassen, Sprachen" niedergelegt haben, will ich nur wiederholen, was mein verstorbener Freund H. P. Steensby, Professor der Anthropologie an der Universität Kopenhagen, in einer kleineren Schrift so ausdrückt, daß man unter den modernen Europäern von Rassen nicht sprechen kann, weil wir alle miteinander „Köter" sind. Und sollte es wirklich unbedingt notwendig sein, die Zahl der auf der Erde lebenden Nationalitäten durch Wiederbelebung eines Nationaljudentums zu vergrößern? In einem Zeitalter, das nach übernationalen Organisationsformen ringt, ist keine Zeit für Romantik, weder für die frontsoldatische noch für die zionistische. Wie vor zwei Menschenaltern ein Ernst Moritz Arndt den Lippe-Detmoldern und Reuß-Greizern vorsang, daß das ganze Deutschland „es" sein solle, so ist dieses „Es" heute der ganze Globus. Dem Juden hat also weder der begrenzte Territorialstaat, in dem eine frühere Generation „emanzipiert" wurde, noch die für eine spätere Generation zu begründende „öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte" zu genügen. Das darf auch der Frontjude nicht als utopisch bespötteln, denn es ist von ihm verehrtes miessianisches Judentum, das in* den modernsten Pazifismus einmündet mit der Forderung, alle Menschen aller Nationalitäten, Bekenntnisse und Hautfarben in der öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte des befriedeten Globus als Staatsbürger zu emanzipieren. „Die Erde den Erdianern", muß es heißen. Wenn in Deutschland der „Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten" , in eine solche messianische Front sich stellen will, wird er auf zahlreiche Bundesbrüder aus dem besten Deutschland des weltbürgerlichen 18. Jahrhunderts treffen und sich mehr Achtung erwerben als mit der bestaufgezogensten konfessionellen Heeresstatistik, die keinen nationalistischen Hund von seinem wärmenden Ofen locken wird. b uchführuns - Bilanz und Steuer 25 jährige praktische Erfahrungen Bücherrevisor JB. CRONER Berlin NW 6, Luisenstraße 64,11 Norden 1502 99

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