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Die Jüdische Gemeinde · 1927-02-15 · 4 (15.2.1927) · p. Seite 97

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
4 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
Seite 97 (sequence 7)
Language
German
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phemisch. Was ich damit meine, wird sofort konkret, wenn ich als Parallelfall unterstelle, irgendwer hätte eine andere ehrwürdige Religionsbezeichnung mit etwas von uns allen ausnahmslos als scheußlich Empfundenem sprachlich verkoppelt, und es gäbe etwa einen „Klub Katholischer Raubmörder". Als Haupttätigkeit des „Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten" an der Oeffentlichkeit fällt auf, daß er andauernd einen Beweis führt, und zwar will er beweisen, daß die Juden während des Krieges auch „dabei" waren, daß man seine Pflicht getan und daß man daher Anspruch darauf habe, von denen, die von allen Gutgesinnten keineswegs als die wahren und sympathischen Deutschen anerkannt werden dürfen, als guter Deutscher anerkannt zu werden. Und man führt seinen Beweis mit einem Riesenaufwand der Vokabel „Auch". — „Auch wir haben unsere statistische Quote an Gefallenen." — „Auch von uns sind so und soviele zu Offizieren befördert und mit den Eisernen Kreuzen diverser Klassen ausgezeichnet worden." — „Auch wir stellten Kampfflieger, die zusammen ... zig feindliche Flieger herunterschossen." — Gut ist nur daß die Kriegsverbrecherprozesse bald im Sande verliefen, sonst hieße es vielleicht: „Auch wir haben unsere Kriegsverbrecher!" Diese Auch-Juden wissen nicht, daß der deutsche Jude wahlverwandt nur ist dem universalistischen Deutschland der Herder, Goethe, Kant, Beethoven und Lessing, und daß, wenn dieses Deutschland heute verschüttet ist, ihm die Pflicht obliegt, es ausbuddeln zu helfen im bewußten Gegensatz zu der großen Masse des intellektuellen Bürgertums, das über Bismarck und Treitschke zu Bernhardi und Dinter entartet ist Wer als Jude sich um die Billigung der „Doitschen" (der echte Nationale spricht das Wort „deutsch" mit „oi" aus) bemüht, erniedrigt sich zum Entschuldigungsjuden. Denn er will die nach tausendjähriger Ghettoexistenz erhaltene staatsbürgerliche Gleichstellung noch nachträglich durch Wohlverhalten rechtfertigen, weil er glaubt, er müsse einen Makel aus der Vergangenheit, wo die Vorfahren der heutigen jüdischen und christlichen Deutschen zwar schon auf demselben Territorium, aber noch nicht als Bürger desselben Staates zusammenlebten, durch die Bekundung des Patriotismus, wie jene ihn auffassen, als getilgt nachweisen. Aber was für einen Makel glaubt man denn eigentlich tilgen zu müssen? Die Ghettoexistenz unserer Vorfahren war eine soziale Scheußlichkeit, aber nichts Unehrenhaftes. Neben dem hausierenden und schachernden Proletariat gab es eine gelehrte Aristokratie, von der manches abstammt, was heutzutage Nobelpreise erhält. Daß Angehörige eines alten Kulturvolkes wie die Juden, wenn sie aus der Enge und Bedrückung befreit sind, in ihren Fähigkeiten durchaus nicht anders als die anderen, sondern genau so wie die anderen sind, ist selbstverständlich, denn sogar bei einem so jungen Kulturvolk wie den Negern der Vereinigten Staaten erleben wir das Gleiche. 97

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