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Die Jüdische Gemeinde · 1927-02-15 · 4 (15.2.1927) · p. Seite 96

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
4 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
Seite 96 (sequence 6)
Language
German
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um nicht zu wissen, daß sie mit ihren eigenen Waffen niemals zu schlagen sind. Und wenn es auch mehr als zweifelhaft erscheint, ob es für die geistige Haltung der deutschen Juden vorteilhaft wäre: der Antisemitismus i s t nur auszurotten, wenn wir uns rücksichtslos vom Geist dieses Jahrhunderts wenden und auch in die Politik die Norm tragen, daß nur so gehandelt werden darf, wie es im täglichen Leben von Mensch zu Mensch als anständig gilt. Und darum werden wir uns auch nicht dreinreden lassen, ob wir den Kriegsdienst verweigern dürfen. Wir wollen, daß der Staat keine Kriege anzettelt, und werden dies mit allen Mitteln, notfalls dem des Generalstreiks und der allgemeinen Kriegsdienstverweigerung zu verhindern wissen. Und da wir nicht warten können, bis alle Menschen sich entschlossen haben, moralisch zu handeln, und da wir nicht, wie man uns immer vorschlägt, Hannemann mit den Stulpenstiefeln vorangehen lassen können, so werden zunächst wir einmal mit gutem Beispiel vorangehen, den Kriegsdienst verweigern und Illegalisten aus Legalität sein. Wir wissen, daß uns dabei kein Rang, keine Aemter und keine eisernen Kreuze winken, sondern nur eine gewisse Achtung oder gar keine Achtung seitens aller, deren Vorteil das Alte ist. Wir wissen, daß man unseren bürgerlichen Mut im „Schild" als „persönliche bis zur Kläglichkeit gesteigerte Feigheit" bezeichnet. Aber auch, daß, wenn lang eure eisernen Kreuze, eure Orden und Ehrenzeichen vergessen sind, eine Myriade junger Menschen uns danken wird, die wir ihr Leben dem menschlichen Fortschritt erhalten, wenn wir ihnen auch ein Ideal aus Blut und Dreck entrissen haben. Wir werden weiter den Kampf in die neue Ebene tragen, wo man, befreit von den kleinen Vorwänden des Gegners, die ganze Stoßkraft des Gedankens zur Geltung bringen kann. Der Propheten Israels, Heines, Lassalles, geistige Taktik: die des morgigen Judentums, wenn es ein Uebermorgen erleben soll. Jüdische Frontsoldaten von Arnold Kaiisch Jeder, der zum ersten Male die Bezeichnung „Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten" vernimmt, stutzt unwillkürlich, und es darf vermutet werden, daß das sogar in der Absicht der Namensgeber dieses Bundes gelegen hat. Denn es liefert die willkommene Gelegenheit, dem landläufigen Judengegner auf die verwunderte Frage, ob denn tatsächlich jüdische Soldaten die Front gesehen hätten, das bunte Zahlengewirr der Statistik vorzuhalten. Aber auch andere als Antisemiten gibt es, denen die Existenz eines so benamsten Reichsbundes Kopfschütteln erregt. Denn die Verkoppelung einer ehrwürdigen Religionsbezeichnung wie „jüdisch" mit den der Kloakenseite des Lebens, nämlich dem Kriege, entnommenen Wörtern „Front" und „Soldat" erscheint ihnen stilwidrig und blas- 95

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