Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 3 (15.1.1927)
- Date
- 1927-01-15
- Page
- Seite 91 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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sie doch nicht mehr so sehr von mir ab, daß ich mich nicht wieder der Lieblingsbeschäftigung zuwenden könnte, mein anatomisches Museum zu ergänzen. Und fürwahr: nicht eins wird fehlen, weder der Wolf noch die Karies, weder der Fuchs noch sein Ellenbogen, und auch das kleine Meisl soll mir, seinem Schicksal, nicht entgehen. Franz Leschnitzer. „In der „Jüdischen Gemeinde" vom 15. November spricht ein sicherer Franz Leschnitzer von uns als von Hitlerioten. Der Mann wohnt Berlin-Lichtenberg, Herzbergstraße 5" verrät die national-sozialistische „Berliner Arbeiterzeitung". Ueber die schreiben Sie mir: „Herausgeber des Dreckblatts und für dessen gesamte Inhaltslosigkeit verantwortlich ist der sonst für nichts verantwortliche Herr Gregor Straßer-Landshut. Der hat sich, in Wahrnehmung berechtigter Interessen, beizeiten die Adresse der Irrenanstalt Herzberge verschafft; und weil die ihm nicht aus dem Deez will, flunkert er, von sich auf Andre schließend, daß ich da wohne, wo er nebbich selber bald wohnen wird." Wissen Sie das auch schon?, muß ich Sie mit dem Titel seines Feuilletons fragen, das ein einziger Mißton und die Stätte ist, alle seelische Unbildung eines abzuladen, der nicht Landshuter, sondern Landsknecht ist (dieweil im Anzeigenteil ein R. W. Blödow, welches Schicksal!, zum Judenboykott ruft). Ueber der komischsten Rubrik sieht man einen, dem sich kärgliches Haar schon beim Anblick dieser Arbeiterzeitung sträubt, die auf Georg Mecklenburgs Bekenntnis zu Deutschland antwortet: „Daß ein Esel, wenn er nur lange genug im Pferdestall steht, behaupten darf, er wäre ein Roß, das ist immerhin ein Witz." Mag es einer und jeder ein Esel sein, der sich einem Volke zugehörig fühlt, das die Straßers sich gefallen läßt, es ist sicher nur zoologische Unfähigkeit, der journalistischen gepaart, die annimmt, daß die Heupferde in Ställen hausen. Mießer Glaubensgenosse. Du fragst, ob der Oberbibliothekar der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Doktor Stern, der mich jüngst einen Revolverjournalisten nannte (er kennt sich in Revolvern und Journalisten wie in Bibliotheken aus und hat drum, in drei Jahren, Simon Dubnows wertvolle Buchsammlung, die die Gemeinde erwarb, nicht ordnen und benutzreif machen können), ob also dieser Stern, der keiner ist, sondern höchstens eine Funzel, derselbe ist, der gleichzeitig mich wegen seiner Mitarbeit ankeilte. Du magst es Dir selbst beantworten und damit Dir und den Berliner Juden das Bild dieser Gemeindeverwalter vervollständigen, das mir lang schon ein rundes ist. L. K. Sie gehören zu jenen Oberchochems, die da meinen, weil meine Zeitschrift die Form der „Weltbühne" und den Geist Siegfried Jacobsohns dem jüdischen Leben einzuführen versucht, sei sie nicht original, und die verkennen, daß das Schöpferische an ihr die künstlerische Durchführung von Aktionen ist, die allein mir den Kampf nicht zum Ekel und meinen Lesern den Ekel vor seinen Objekten nicht zur Typusepidemie werden läßt. Also schreiben Sie über mich ins „Israelitische Familienblatt", ohne natürlich für sich den Mut und für mich die Ehre zu haben, den Esel zu nennen, dessen Sack Sie schlagen: „Es gibt tüchtige Maler, die das Bild eines bedeutenden Künstlers mit absoluter Genauigkeit kopieren und sich, wenn die Kopie fertig ist, für einen ausgezeichneten Künstler halten und sich von gefälligen Freunden als solchen lärmend feiern lassen. Diese Menschen übersehen, daß die Fähigkeit zum Kopieren keine künstlerische Veranlagung bedeuten kann und lediglich eine handwerkliche Fertigkeit darstellt. Erst der eigene Ton, die ursprüngliche Form, die aus reichem inneren Erleben gezeugte Erkenntnis, machen den schaffenden Menschen aus. Man kann nicht mit den gleichen Methoden der Kritik, die gegenüber politischen Erscheinungen allge- 91