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Die Jüdische Gemeinde · 1927-01-15 · 3 (15.1.1927) · p. Seite 90

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
3 (15.1.1927)
Date
1927-01-15
Page
Seite 90 (sequence 32)
Language
German
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Fluche wurde Segen. Ausgestoßen von beschränkten Nationalisten, fanden die besten unter den Juden ihr Vaterland in der Welt, ihren Patriotismus in der Humanität. Die Weltmission dieser Juden ist Wiederaufbau der zerschlagenen Weltgemeinschaft durch neuen Kosmopolitismus, Pazifismus, Sozialismus. Sie sind Vorläufer einer kommenden, entnationalisierten Menschheit. Ihr Ziel ist: mitzulieben statt mitzuhassen, aufzubauen statt zu zerstören, zu verbinden statt zu trennen: im Zeichen ihres Propheten die Menschheit herauszuführen aus der ägyptischen Knechtschaft des Kapitalismus und Militarismus in das gelobte Zukunftsland der Freiheit und des Friedens". Aesthet. „Träger der Gegner des Protestes ist im wesentlichen die Zionistische Partei, weshalb ich ergebenst zu prüfen bitte, ob der Verfassungsabteilung ein Mitglied dieser Partei angehört. Sollte dies der Fall sein, so bitte ich ergebenst, weiter zu prüfen, ob nicht in der vorliegenden Frage jede Mitwirkung eines zionistisch eingestellten Herrn Bedenken unterliegt." Stilvergleichende Studien haben Sie der Vermutung nahegebracht, daß diese Sätze des Sonnenfeld-Briefes an Grzesinski, in denen der Justizrat mit dem Innenminister Guck- Guck spielt (Sätze, die deshalb die Entrüstung aller Humorfernen auf sich zogen), den Vorsitzenden vom Rat des Landesverbandes, Kammergerichtsrat Wolff, zum Urheber haben. Ihr durchnervtes Sprachempfinden, Ihr geschärfter Stilgeist hat das Rechte erfühlt. Und darum ist der Rat des Rates noch immer im Rat, dieweil die Chadgadjo den Sonnenfeld gefressen hat. Fürwahr, diese Jüdisch-Liberalen, in ihrer politischen Unfähigkeit und ihrer feigen Unterwürfigkeit, kommen gleich hinter dem Tumben der Hagada; es ist hohe Zeit, daß ihre Wähler sie vom Passah-Mahl an der Verwaltungstafel vertreiben. Siegfried Killeberger. Wenn dem Dank an mein bisheriges Wollen Sie die Mahnung verknüpfen, „nun auch ins dunkelste Deutschland zu leuchten", ist mir das nach dem, was hier über James Ellenbogen und den Deck-Stall ausgesagt wurde, auch dann undeutbar, so ich bedenke, was ich seither verschwiegen habe: des Unsäglichen Fehlspiel mit Bötzows Weißensee-Gelände hat der Gemeinde, außer dem nun schon Historischen, den schönen Batzen von einigen Hunderttausendern verschlungen. Ich kann also Ihren Wunsch nur so verstehen, daß, wo moralische Zusammenhänge fehlen, Sie auch die geographischen verkennen und Berlin nach Schibirien verlegen. Oder kommt Ihnen nicht eilig genug der greifbare Erfolg einer Aktion, die so glückhaft begonnen wurde? Wie aber soll einer greifen, wo nicht einmal ich, der Eingeweihteste, dem stündlich alle Akten dieser Gemeinde zugänglich sind, begreife, ob hier von den Obern die Obersten zu wenig oder die Obern von den Obersten zu viel wissen. Und dabei bin doch ich dem Ziel schon viel näher als Sie, dessen Wort an die Verwaltung — diese Gemeinde sei zwar der Gottheit, aber nicht der Judas, sondern der Griechenlands, nicht Adonaj, sondern Hermes, dem Schutz der Mächler, und Aphroditen, der Göttin des dienstlichen Beischlafs, geweiht — lautlos verhallte. Oder als jene beiden Unterbeamten Laudon und Büß, die dem Gemeindevorstand entdeckten, der Oberbeamte Dr. Willy Wolff habe nur 8000 Reichsmärker unterschlagen, und die, statt zu steigen, von der Beförderungsliste fielen, weil man mit Recht in dieser Gemeinde Saubere nur hinausbefördert. Und da soll der Ihres Antriebs bedürfen, der die begründete Hoffnung hat, diese Sache werde vor den Landtag kommen, die Gewißheit, daß sie untersucht wird (nicht von einer reinheitsdürstenden Jüdischen Gemeinde, aber vom Bezirksamt Prenzlauer Berg) und die Genugtuung, daß es nur von ihm abhängt, und sie wird den Staatsanwalt beschäftigen. Glauben Sie mir, das hält wach! Denn damit hängt 90

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