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Die Jüdische Gemeinde · 1927-01-15 · 3 (15.1.1927) · p. Seite 89

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
3 (15.1.1927)
Date
1927-01-15
Page
Seite 89 (sequence 31)
Language
German
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Das Postamt Dr. Arnold Kaiisch. Sie senden mir das Bulletin „Der Kriegsdienstgegner, Nachrichtenblatt der Internationale der Kriegsdienstgegner" Nr. XIII, das sich so über die Lage in Palästina vernehmen läßt: „Palästina bietet dem Pazifismus ein schwieriges Problem. Zwei Völker leben hier zusammen, eine arabische Mehrheit und eine jüdische Minderheit, die durch Einwanderung wächst und kulturell wie wirtschaftlich den fortgeschritteneren Teil der Bevölkerung darstellt und auch allein tieferen politischen Ideen wie Pazifismus und Sozialismus zugänglich ist. Gerade den Juden obliegt es daher, ein Zusammenleben der beiden Völker anzustreben, das ähnlich in der Schweiz das schwierige Problem des Zusammenlebens In einem Lande einer Lösung nahe bringen kann, indem der Begriff von Mehrheits- oder Minderheitsvolk, von Staatsvolk und Nebenvolk völlig ausscheidet und zu einer weitgehenden Autonomie zweier völlig gleichberechtigter Völker führt. Ein großer Teil der palästinensischen Juden, wie auch alle anderen Völker der Gegenwart, huldigt freilich dem Nationalismus. Sie streben darnach, in Palästina die Mehrheit zu werden, das Staatsvolk, das den Charakter des Landes und seine Geschichte nach seinen nationalen Zwecken bestimmt. So käme Palästina in Gefahr, statt einer Schweiz eine Tschechoslowakei zu werden, statt eines freiwilligen Zusammenlebens gleichberechtigter Völker ein Zwangsstaat, wo die Majorität die Minorität vergewaltigt. Dies aber würde im Widerspruch stehen zu der Rolle des Judentums, das überall eine Minorität war, und mit seiner Bestimmung. Daher bekämpft auch ein einflußreicher Teil der palestinensischen Juden diese Versuche nach politischer Machtentfaltung. Als Juden die Gründung einer jüdischen Legion zum Schutze der jüdischen Ansiedlungen und jüdischer Forderungen verlangten, protestierten verschiedene jüdische Parteien, darunter der Hapoel Hazair, eine mehr rechts gerichtete jüdische Arbeiterpartei, und hervorragende jüdische Schriftsteller gegen die Gründung einer solchen Legion, da eine derartige militärische Formation nur zu Konflikten mit der arabischen Bevölkerung führen und gegen die jüdische Tradition und den jüdischen Pazifismus verstoßen würde. Auf die Initiative von Dr. Magnes und Dr. Hans Kohn, dem Mitglied des Internationalen Ausschusses der I. d. K., wurde vor kurzem eine interkonfessionelle und internationale Friedensorganisation auf Basis der Gewaltlosigkeit gegründet. Sie will radikale Pazifisten aller in Palästina vertretenen Nationalitäten und Religionen zusammenführen und so die drei großen religiösen Sekten, das Judentum, das Christentum und den Islam zu einer gemeinsamen Friedensarbeit vereinigen und zum versöhnenden Faktor zwischen Orient und Okzident machen. Die Mitarbeit einer ebenfalls neugegründeten Friedensgesellschaft „Brith Shalom", deren Zweck vor allem die Schaffung einer versöhnlichen Atmosphäre zwischen Arabern und Juden ist, sind Dr. Arthur Ruppin, Vorsitzender, und Dr. Hans Kohn und Dr. Radler-Feldmann, Sekretäre. Dr. Ruppin ist seit 17 Jahren der Leiter der jüdischen Kolonisation in Palästina." Ihre Botschaft ist aus zwei Gründen erfreulich. Sie bezeugt das Vordringen des Pazifismus in Palästina. Und unterscheidet sich von vielen andern durch ihre Wahrhaftigkeit, indem sie zeigt, wie verzweifelt eine geistgewillte Minderheit, unter Führung des klugen, tatkräftigen Hans Kohn, den Nationalismus einer Mehrheit bekämpft, die den Sinn des Judentums umzubiegen sich erkühnt (noch jüngst hatte der Schwärmer Franz Oppenheimer dies Größenverhältnis geleugnet). Damit erhärtet die Nachricht das Herzzielende an des Grafen Coudenhove-Kalergi schweigender Kritik des Zionismus (1921): „Die Diaspora hat die Juden zum Internationalvolk gemacht. Aus diesem 89

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