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Die Jüdische Gemeinde · 1927-01-15 · 3 (15.1.1927) · p. Seite 88

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
3 (15.1.1927)
Date
1927-01-15
Page
Seite 88 (sequence 30)
Language
German
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Es war in jener ewig denkwürdigen Sitzung, im Zimmer des Vorsitzenden der Berliner Jüdischen Gemeinde, da wir über die Herzlosigkeit dieses Wohlfahrtsamts und alle seine Casparlys herzerfrischend zu Gericht saßen (auf jenen Tag datieren die Erwerbslosen den Beginn etwas menschlicherer Behandlung). Gegenwärtig Bruno Woyda und ich, anwesend der Gemeindevorsitzende Wolff, ferner Eugen, Ritter vom Stuhlbein, und sein Freund Gustav Zamory, der die Berlin-Moabiter Liberalen führen darf (was das bedeutet, und inwiefern da eine Anonymität einer Synonymität vorsteht, darüber werde ich Euch noch plaudern müssen). Wolff, der Jurist, vertritt die Ansicht, man dürfe einem Unbescholtenen straflos harte Zuchthaus-Pönung nachsagen, wie Caspary tat. Plötzlich springt das Gespräch auf meinen Pazifismus. „Was," sagt Gustav, von dem noch immer die Berlin-Moabiter Liberalen sich führen lassen, „Sie sind Pazifist! Auch so'n feiger Jude." B. Ist. Rassenkunde Das „Israelitische Familienblatt" hat in einem Feuilleton von Julius Rosenbaum gegen antisemitische Darstellung im Film Stellung genommen und dabei auch einen Zwischentitel in dem österreichischen Militärfilm „Die dritte Eskadron" gebrandmarkt. Darauf hat der Verfasser dieses Films, Herr B. E. L ü t h g e, an das Familienblatt einen Brief geschrieben, in dem er betont, daß die beanstandete Stelle nicht von ihm herrührt, sondern von einem Juden, dem Regisseur Karl Wilhelm, extemporiert worden ist. Weiter schrieb Herr Lüthge wörtlich: „Ich kann nicht umhin, doch - festzustellen, daß es — die Erfahrung habe ich in meiner langjährigen Tätigkeit gemacht — meist gerade Juden sind, die den etwas starken jüdischen Witz bevorzugen und ihn nach Möglichkeit auch in den Titeln der Filme anbringen möchten. Dasselbe habe ich jetzt gerade wieder bei meinem Film „Der Jüngling aus der Konfektion" erleben müssen, wo immer ich es war, der derartige Dinge mildern mußte, die auf Wunsch von Juden in den Titeln gemacht worden sind." So der langjährige Film-Fachmann. Zum gleichen Thema läßt sich der Rassentheoretiker des „Völkischen Beobachters" (Nr, 280/26) so vernehmen: „Der Filmindustrie Antisemitismus vorzuhalten, ist eine etwas undankbare Sache. Daß es da und dort vaterländisch gesinnte Regisseure gibt, noch gibt, die gelegentlich einmal ein Quentchen Wahrheit in einen Bildstreifen hineinschmuggeln, das muß Herr Julius Rosenbaum schon verwinden!" Das Hitlerblatt bescheinigt also den jüdischen Regisseuren ein Monopol auf vaterländische Gesinnung und Wahrheitsliebe! Das Verdienst, daß sich in ein völkisches Organ ein Quentchen Wahrheit einschmuggeln konnte, gebührt in diesem Fall dem „Israelitischen Familienblatt", weil es die oben zitierten ihm zugegangenen Feststellungen Lüthges von den jüdischen Regisseuren — unterdrückt hat..... Erwin Fliederbusch Friede au! Erden Wir haben wunderbare Artgenossen manch seltne Pflanze unsres Volks erblüht und zahlreich finden sich von Bonn bis Zossen die Juden mit dem christlichen Gemüt. Der eine möchte gern bei Landrats speisen, der Andre ist an Glockenklang gewöhnt, ein Dritter schwärmt sogar für Pilgerreisen. So hat sich langsam Volk mit Volk versöhnt. Und zieht die Weihnacht in Palast und Buden, erstrahlt die Kripp' bei Rosenberg und Bluhm. Du lieber Gott, seh ich die Christbaumjuden wird mir oft bange um das Judentum. Kßrl Sdxnog 88

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