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Die Jüdische Gemeinde · 1927-01-15 · 3 (15.1.1927) · p. Seite 86

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
3 (15.1.1927)
Date
1927-01-15
Page
Seite 86 (sequence 28)
Language
German
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gibt, um darin aus „teutsch" „d e u t s c h" und aus „Chochem" „C h o c h o m" zu machen. Immerhin bleibt mein so entstellter Satz der einzige des ganzen Wochenblatts, der in deutscher Sprache geschrieben ist. Weshalb Herr Simon ihn „gemauschelt" findet und düster doziert: „Herr Leschnitzer, mauscheln heißt nicht Judesein, sondern dessen Gegenteil." Na, dann seien Sie man Jude — und lassen Sie mich das „Gegenteil" sein! Aber was kümmert mich, was kümmert uns ein beliebiger Charlatan schließlich! Wir wissen, was wir wollen: den Untergang der kriegsgeilen, kapitalsgeilen Krapüle sämtlicher Rassen, den Sieg des ... ja: des zersetzenden (nämlich diese Krapüle zersetzenden) GEISTES; und wir husten auf Clowns, die uns aufhalten möchten. Franz Leschnitzer Die Guten grollen „Hin und wieder zuckt es antisemitisch in mir auf. Und wer ist schuld daran? Gewisse Juden." So Hans Reimann im Dezember-„Stachelschwein". Wir sind im besten Zuge, durch nationalistisch-bourgeoise Spielerei uns auch die letzte Sympathie derer zu verscherzen, die kraft des Humanismus ihrer Gesinnung die gebornen Feinde jeder Unterdrückung und jeden Hasses sind. Den Einsichtigen zur Warnung, den Feigen zur Abschreckung muß darum hier ein Beitrag aus F. W. Foersters tapfrer pazifistischer Wochenschrift „Die Menschheit" (1926, Nr. 49) stehen. * Im Anschluß an die Mannheimer Resolution gegen den Antisemitismus werden wir von befreundeter Seite um folgenden Hinweis gebeten, den wir inhaltlich zusammengefaßt wiedergeben möchten, weil er Verbreitung verdient: So lobenswert und erfreulich auch diese Bemühung der Deutschen Friedensgesellschaft für den inneren Frieden ist, so unverständlich erscheint es, daß gerade von jüdischer Seite selbst so oft und taktlos gegen den Frieden gesündigt wird. — Sehen wir davon ab, daß bei Eberts Tod der Centraiverein in seinem Nachruf das monarchistische Herz der deutschen Juden beteuern zu müssen glaubte, — lächeln wir darüber, daß der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten zur Zeit durch Lichtbild-Vorträge eines jüdischen Ostafrika-Kämpfers Kolonial-Propaganda treiben zu müssen glaubt! Die reaktionäre Richtung ist in der jüdischen Bourgeoisie leider genau so in der Ueberzahl wie in der christlichen, und die „Verjudung" der Friedensbewegung ist — ebenfalls leider — eine Propaganda- Lüge der Kriegs-Hetzer. — Wir sind es gewohnt, von dem konservativ-gedankenlosen Bürgertum geringschätzig behandelt zu werden, das Judentum macht keine Ausnahme, — trotz seiner wertvollen Einzel-Erscheinungen an revolutionären Vorkämpfern. Wir halten es trotzdem für unsere Pflicht, für Minoritätenschutz, Geistesfreiheit und Gleichberechtigung aller Menschen einzutreten und damit den Kampf gegen die Judenhetze als Selbstverständlichkeit zu führen. — Dabei ist es uns gleichgültig, in welchem Lande irgendein Menschenkind zufällig das Licht der Welt erblickte. „Das Judentum ist der Friede" (so lautet das Motto einer guten Sondernummer der jüdischen Blätter „Der Weise Predigt Objektiv — Nicht flach, nicht tief; Nicht links, nicht rechts; Nicht bestimmten Geschlechts; Nicht warm, nicht kalt; Nicht schon, nicht bald; Nicht Herz, nicht Kopf; Alles in einem Topf; Nicht Gesicht, nicht Larve; Mit einem Wort: Parve. Bernhard Breslauer

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